Chaos in Bagdad Drei Autobomben, mehr als 15 Tote

Der irakische Widerstand gegen die US-Besatzungstruppen eskaliert. Am Morgen detonierten im Zentrum von Bagdad mehrere Sprengsätze. Vor dem Gebäude des Roten Kreuzes stieg dicker Rauch auf. Auch nahe dem Industrieministerium gab es einen Anschlag. Insgesamt wurden mindestens 15 Menschen getötet.


Bagdad: Der Blutzoll nimmt zu
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Bagdad: Der Blutzoll nimmt zu

Bagdad - US-Truppen riegelten das Gebiet um das Rot-Kreuz-Gebäude im Zentrum der Stadt ab. Den Angaben zufolge wurde die Explosion durch eine Autobombe ausgelöst. Der Fahrer des Wagens und ein Passant sollen ums Leben gekommen sein. Die Sprecherin des Internationalen Roten Kreuzes in Bagdad, Nada Doumani, sagte, es habe auch Opfer unter den Mitarbeitern der Organisation gegeben.

Eine irakische Frau sagte, durch die Explosion seien ihre beiden Kinder verletzt worden: "Wir haben geschlafen, als uns Teile des Hauses auf den Kopf fielen."

Kurz nach dem weit hörbaren Detonationsknall nahe des Gebäudes des Roten Kreuzes ist es zu weiteren Explosionen gekommen. Eine soll sich nahe des irakischen Industrieministeriums ereignet haben. Auch hier hat sich angeblich ein Selbstmordattentäter in einem Auto in die Luft gesprengt. Arabischen Sendern zufolge sollen insgesamt zwölf Menschen ums Leben gekommen sein. Andere Quellen berichten von 18 Toten. Unter ihnen sollen auch Ausländer sein.

US-Brigadegeneral Mark Hertling sagte im US-Nachrichtensender CNN, mehr als zehn Iraker seien getötet und weitere zehn verletzt worden. Nach seinen Schilderungen hatten irakische Sicherheitskräfte Verdacht geschöpft gegen den Fahrer eines Lastwagens, der auf das Rot-Kreuz-Gebäude zufuhr. Als sie ihn anhielten, habe der Fahrer die versteckte Sprengladung gezündet.

Laut Hertling kam es in Bagdad zu Beginn des Ramadan zu vier weiteren Bombenanschlägen am Montagmorgen. Dabei seien auch zwei Polizeiwachen angegriffen worden.

Der arabische Sender al-Dschasira berichtet, in einer der Wachen habe eine Autobombe drei Polizisten getötet. Auch das Gefängnis Abu Ghoreib im Westen Bagdads war Ziel eines Angriffs. Unbekannte beschossen es mit Mörsergranaten. Dabei starb nach Angaben des US-Militärs ein Militärpolizist. Zwei weitere Amerikaner wurden verwundet.

Bagdad: Explosion nahe dem Roten Kreuz
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Bagdad: Explosion nahe dem Roten Kreuz

Den Amerikanern droht damit die Sicherheitslage in Bagdad weiter zu entgleiten. Wenige Stunden nach einem Angriff des irakischen Widerstands am Sonntagfrüh auf das Raschid-Hotel in Bagdad mit 29 Raketen war es innerhalb der von der US-Armee eingerichteten Sperrzone bereits am Sonntagabend zu zwei Explosionen gekommen.

Das US-Militär bestätigte die beiden Detonationen - wiederum in der Sperrzone um das Hotel Raschid, einem Symbol für amerikanische Präsenz im Irak. Die Ursache werde noch untersucht. Bisher wurde über mögliche Schäden oder Verletzte nichts bekannt.

Bei dem ersten Angriff auf das Hotel am Sonntagfrüh kurz nach sechs Uhr war ein US-Soldat getötet worden. 15 Menschen - darunter 11 Amerikaner - wurden verletzt. Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz, der sich ebenfalls in dem Hotel aufhielt - angeblich im zwölften Stock - , blieb unversehrt. Die insgesamt 29 Raketen, die auf das Hotel abgefeuert worden waren, schlugen alle mindestens ein Stockwerk tiefer ein.

Im Raschid-Hotel sind Teile der Führung der Besatzungstruppen und der von den USA eingesetzten irakischen Übergangsregierung untergebracht.

US-Soldaten versuchen für Sicherheit zu sorgen
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US-Soldaten versuchen für Sicherheit zu sorgen

US-General Martin Dempsey sagte in der irakischen Hauptstadt, der Angriff, der mit einem ferngezündeten Raketenwerfer verübt worden sei, sei vermutlich seit Monaten geplant worden und habe sich nicht direkt gegen Wolfowitz gerichtet.

US-Außenminister Colin Powell zeigte sich beeindruckt von dem Anschlag in Bagdad. Er räumte ein, dass die Zahl der Angriffe im Irak stärker seien als von der US-Regierung erwartet. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass es so intensiv werden und so lang dauern würde", sagte Powell in einem Interview des US-Fernsehsenders NBC. Ungeachtet dessen gebe es erhebliche Fortschritte beim Wiederaufbau des Irak und der Etablierung irakischer Sicherheitskräfte.

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