Chaos in Gaza Palästinenser-Premier reicht Rücktritt ein

Der Gaza-Streifen droht im Chaos zu versinken. Nach der Verhängung es Ausnahmezustands in der Nacht zum Samstag hat Premierminister Ahmed Kurei seinen Rücktritt eingereicht. Palästinenser-Präsident Arafat lehnte jedoch ab.


Ahmed Kurei: Rücktrittsgesuch nach Krisensitzung
AFP

Ahmed Kurei: Rücktrittsgesuch nach Krisensitzung

Ramallah/Gaza - Kurei und Arafat hatten am Samstag über eine Neuordnung der Sicherheitsdienste verhandelt. In der Nacht verhängte Arafat den Ausnahmezustand über den Gazastreifen, nachdem am Freitag vier Franzosen und zwei ranghohe palästinensische Sicherheitskräfte entführt worden waren.

"Premierminister Kurei hat uns gesagt, dass er sein Rücktrittsgesuch Präsident Jassir Arafat zugestellt habe und dass er nun Arafat aufsuche, um seine Rücksichtsabsichten zu bekräftigen", sagte der Abgeordnete Nabil Amr der Nachrichtenagentur Reuters. Andere Abgeordnete bestätigten dies.

Arafat hat nach Angaben von Kabinettsminister Sajeb Erakat das Rücktrittsgesuch jedoch abgelehnt. Erekat sagte, Kureis Entscheidung "spiegelt keine Differenzen" mit Arafat wider.

Kurei hatte zuvor das Kabinett wegen der immer unsicherer werdenden Lage im Gaza-Streifen zu einer Krisensitzung einberufen. Am Freitag waren von radikalen Gruppen vier französische Helfer entführt, nach wenigen Stunden aber wieder freigelassen worden. Auch zwei palästinensische Beamte, die am Freitag entführt worden waren, sind nach offiziellen Angaben inzwischen wieder frei.

Arafat steht nach Einschätzung von Beobachtern verstärkt unter Druck, zu beweisen, dass er die Lage im Gaza-Streifen weiter im Griff hat. Dort versuchen radikale Gruppen seit Bekanntwerden der israelischen Abzugspläne, sich Machtvorteile gegenüber den moderateren Kräften zu ergattern.



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