Chaos in Osttimor Rebellen greifen Staatsspitze an - Präsident Ramos-Horta angeschossen

Die Anschläge sollten die Staatsführung Osttimors auslöschen: Aufständische haben Präsident und Friedensnobelpreisträger Ramos-Horta und Ministerpräsident Gusmao angegriffen. Ramos-Horta erlitt einen Bauchschuss und liegt im Koma.


Dili - Die Anschläge waren aufeinander abgestimmt und sollten verheerend sein: Rebellen haben heute Osttimors Präsident José Ramos-Horta bei einem Überfall verletzt - Ministerpräsident Xanana Gusmao überstand einen Angriff auf sein Auto unverletzt. Bei dem ersten Überfall, dem auf das Haus von Ramos-Horta, wurden nach Angaben eines Militärsprechers ein Wachmann, einer der Angreifer, der Rebellenführer und ehemalige Chef der Militärpolizei Alfredo Reinado, und ein weiterer Aufständischer getötet.

Das Haus des Präsidenten war gegen 7 Uhr morgens von abtrünnigen Soldaten aus zwei Autos heraus beschossen worden, wie Militärsprecher Major Domingos da Camara mitteilte. Die Wachleute hätten das Feuer erwidert.

Ramos-Horta wurde in ein künstliches Koma versetzt und wird künstlich beatmet. Seine Verletzungen sind nach offiziellen Angaben ernst, aber nicht lebensbedrohlich. Der Präsident habe einen Bauchschuss erlitten und sei in einem australischen Militärkrankenhaus in der Hauptstadt Dili operiert worden. Sein Zustand sei stabil. Er soll zur weiteren Behandlung nach Darwin in Australien ausgeflogen werden.

Reinado wird eine führende Rolle bei tödlichen Unruhen im April und Mai 2006 vorgeworfen, über die die Regierung stürzte. Die Ruhe in Osttimor wurde damals nach der Stationierung einer ausländischen Friedenstruppe wiederhergestellt. Bei den Unruhen wurden 37 Menschen getötet, 155.000 wurden zu Flüchtlingen. Reinado sollte deshalb in Kürze in Abwesenheit der Prozess gemacht werde. Er gehörte zu den am meisten gesuchten Personen des Landes.

Gusmao rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. "Der Staat ist angegriffen worden", sagte der Regierungschef. Der Versuch, den Ministerpräsidenten und den Präsidenten zu töten, sei jedoch fehlgeschlagen. Gusmao habe die Lage unter Kontrolle, sagte Außenminister Zacarias da Costa dem US-Fernsehsender CNN.

Ramos-Horta, der 1996 zusammen mit seinem Landsmann Bischof Carlos Belo den Friedensnobelpreis erhielt, war vor knapp einem Jahr als neuer Staatspräsident von Osttimor vereidigt worden. Das kleine Land hat sich 1999 von Indonesien gelöst, das die ehemalige portugiesische Kolonie 24 Jahre lang besetzt hielt. Nach zweieinhalbjähriger Verwaltung durch die Vereinten Nationen erlangte Osttimor im Mai 2002 seine Unabhängigkeit.

Indonesische Truppen hatten 1975 die frühere portugiesische Kolonie besetzt. In dem bitterarmen Land kam es 2006 zu schweren Unruhen zwischen marodierenden Banden. Eine internationale Friedenstruppe unter australischer Führung musste wieder Ruhe und Ordnung herstellen. Nach den Anschlägen kündige der australische Premier Kevin Rudd an, zusätzliche Truppen nach Osttimor zu schicken. Die dortige Regierung habe um Unterstützung gebeten.

ffr/AP/dpa



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