US-Deserteur lebte 40 Jahre in Nordkorea Der Mann, der kein Soldat mehr sein wollte

Charles Jenkins war im koreanischen Grenzgebiet stationiert, wollte nicht im Vietnamkrieg kämpfen - und desertierte 1965 nach Nordkorea. Dort lebte der US-Soldat 40 Jahre lang. Nun ist er in Japan gestorben.

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Charles Jenkins war wohl der berühmteste Deserteur des Kalten Krieges. Nun ist er im Alter von 77 Jahren an Herzversagen in Japan gestorben, nachdem er zuvor 40 Jahre lang in Nordkorea gelebt hatte.

Jenkins hatte in den Sechzigerjahren seinen Dienst an einem der gefährlichsten Orte der Welt geleistet, im Grenzgebiet zwischen dem kommunistischen Nordkorea und dem mit den USA verbündeten Südkorea. Im Winter 1965 desertierte der damals 24-Jährige aus der US-Armee, um einem Einsatz im Vietnamkrieg zu entgehen und setzte sich nach Nordkorea ab.

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Dort heiratete er später eine Japanerin, die 1978 als 19-Jährige von nordkoreanischen Agenten aus ihrer Heimat entführt worden war. Zwei Leben wie im Film - zumindest im Falle von Jenkins sprichwörtlich: Er war während seiner Zeit in dem kommunistischen Staat in nordkoreanischen Propagandafilmen zu sehen.

Seine Frau durfte 2002 nach 24 Jahren wieder nach Japan zurückkehren, nachdem Nordkorea die Entführung mehrerer Japaner in den Siebziger- und Achtzigerjahren eingestanden hatte. Die Opfer sollten unter anderem nordkoreanischen Spionen Japanisch beibringen.

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Charles Jenkins: Als US-Soldat in Nordkorea

Der in North Carolina geborene Jenkins folgte seiner Frau 2004 nach Japan und stellte sich dem US-Militär. "Es war kalt und dunkel. Ich begann Alkohol zu trinken. Ich hatte noch nie so viel Alkohol getrunken", berichtet Jenkins unter Schluchzen dem Gericht. Nach zehn Bieren brach er mit seinen Untergebenen zur Patrouille auf. Irgendwann sagte er den Kameraden, sie sollten warten, dann verschwand Jenkins in der Dunkelheit - und lief zum kommunistischen Gegner im Norden über.

Das Militärgericht verurteilte Jenkins wegen Fahnenflucht, er saß symbolische 30 Tage in einem Gefängnis ab. Bis zu seinem Tod lebte er mit seiner Frau und ihren beiden Töchtern in der japanischen Präfektur Niigata.

dop/dpa/Reuters/AP



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