Anschlag in Paris Terrorverdächtiger soll von al-Qaida trainiert worden sein

Mehr als 40 Stunden sind seit dem blutigen Terroranschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" vergangen, noch immer sind die Täter auf der Flucht. Aus den USA heißt es: Einer der beiden Hauptverdächtigen ist im Jemen von al-Qaida trainiert worden.
Anschlag in Paris: Terrorverdächtiger soll von al-Qaida trainiert worden sein

Anschlag in Paris: Terrorverdächtiger soll von al-Qaida trainiert worden sein

Foto: JOEL SAGET/ AFP

Paris - Die französische Regierung mobilisierte am Donnerstag landesweit 88.000 Einsatzkräfte, um die mit Maschinenpistolen bewaffneten Attentäter zu fassen. Doch auch mehr als 40 Stunden nach dem blutigen Terroranschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" sind die Täter noch immer auf der Flucht.

Mehrere US-Medien, darunter die Fernsehsender CNN und NBC und die "New York Times", berichten unter Berufung auf einen hochrangigen US-Regierungsvertreter, Saïd Kouachi, der ältere der beiden verdächtigen Brüder, sei 2011 zur Kampfausbildung in den Jemen gereist. Er sei dort einige Monate lang im Umgang mit Waffen von einer Qaida-Einheit trainiert worden.

Beide Brüder seien zudem im Visier der US-Behörden gewesen. So hätten sie unter anderem auf einer No-fly-Liste gestanden, was ihnen Flüge in die USA untersagte. (Was bisher über das Leben der beiden Terrorverdächtigen bekannt ist, lesen Sie hier.)

US-Geheimdienste untersuchten derzeit, ob der Qaida-Ableger den Anschlag von Paris angeordnet habe, schreibt die "New York Times". Bislang gebe es aber keine Hinweise, dass die beiden Attentäter einen solchen Auftrag bekommen hätten oder einer Qaida-Zelle in Frankreich angehörten. Ein islamistisches Propagandamagazin im Jemen habe kürzlich zu Anschlägen auf Menschen im Westen aufgerufen, die den muslimischen Glauben verunglimpften. Auch der Chef des Satiremagazins "Charlie Hebdo" sei ausdrücklich genannt worden.

Verdächtiger Saïd Kouachi: Er soll im Jemen von al-Qaida trainiert worden sein

Verdächtiger Saïd Kouachi: Er soll im Jemen von al-Qaida trainiert worden sein

Foto: AFP

Das Fluchtauto der beiden Täter soll in Nordfrankreich, etwa 80 Kilometer von Paris entfernt, gefunden worden sein. Darin: Molotow-Cocktails und eine Islamistenflagge. Laut "Le Monde" hat die Polizei dies jedoch offiziell noch nicht bestätigt. (Eine Rekonstruktion der Ereignisse des Attentats finden Sie hier.)

Nach Informationen der Zeitung hatten zwei Männer am Donnerstagmorgen gegen 9.30 Uhr eine Tankstelle bei Villers-Cotterêt überfallen. Der Besitzer der Tankstelle ist sich sicher, dass es sich bei den Räubern um die verdächtigen Brüder gehandelt hat. Die Videoüberwachung in der Tankstelle habe gezeigt, dass die beiden mit einer Kalaschnikow bewaffnet waren und im Auto eine Panzerfaust hatten, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

Die Polizei durchkämmte daraufhin die ganze Umgebung. Sondereinheiten durchsuchten Haus für Haus, ein Wald wurde systematisch durchsucht - vergeblich. Die Großfahndung läuft weiter, fünf Hubschrauber suchten die ganze Nacht lang nach den Verdächtigen. Die Polizei nahm neun Personen aus dem Umfeld der Brüder fest.

In ganz Frankreich gab es eine Schweigeminute für die Opfer. Tausende hielten Plakate mit dem Schriftzug "Je suis Charlie" (Ich bin Charlie) hoch. Die Glocken der Pariser Kathedrale Notre-Dame erklangen, am Abend wurde das Licht am Eiffelturm ausgeschaltet. Tausende Menschen gingen auf die Straße, um ihre Solidarität zu zeigen. Auch der Uno-Sicherheitsrat gedachte der Opfer des Terroranschlags mit einer Schweigeminute.

Parteien, Gewerkschaften und Menschenrechtsgruppen riefen die Menschen zu einem Solidaritätsmarsch am Sonntag auf. Die Chefin der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, beklagte, ihre Partei sei von dem Bündnis ausgeschlossen worden.

Neue Terrorangst hatte am Donnerstagmorgen eine Schießerei im Süden von Paris ausgelöst, bei der ein Unbekannter eine Polizistin tötete und einen Polizisten verletzte. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, es gebe keinen erkennbaren Zusammenhang zum Anschlag auf "Charlie Hebdo", warnte jedoch vor weiteren Gewalttaten.

Am Sonntag wollen sich führende Politiker der EU und USA zu Anti-Terror-Gesprächen in Paris treffen, darunter Bundesinnenminister Thomas de Maizière und US-Justizminister Eric Holder.

vet/dpa/Reuters/AP/AFP
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