Anschlag auf "Charlie Hebdo" Wo sind die Attentäter?

Tausende Polizisten sind im Einsatz. Die Suche nach den mutmaßlichen Haupttätern des Anschlags auf "Charlie Hebdo" konzentriert sich auf den Norden Frankreichs: Dort sollen die beiden Brüder gesehen worden sein.


Paris - Es gab Durchsuchungen in Reims und Straßburg, aber einen Tag nach dem tödlichen Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" schaut ganz Frankreich auf den Norden der Republik: Denn rund 80 Kilometer nordöstlich von Paris wurden die beiden schwer bewaffneten mutmaßlichen Attentäter Chérif und Said Kouachi am Donnerstag gesehen.

"Tausende Polizisten, Gendarmen, Ermittler sind im Einsatz", berichtete Premierminister Manuel Valls. "Die Priorität ist zunächst, sie zu jagen, die Terroristen dingfest zu machen", die den Anschlag am Mittwoch in Paris verübt hatten. Wie nahe die Fahnder den Brüdern tatsächlich sind, ist unklar. Ebenso zeichnet sich nicht ab, wann mit einem Zugriff auf die beiden mutmaßlichen Terroristen zu rechnen ist.

Ein Tankstellenbetreiber hatte die beiden gesuchten Brüder am Morgen bei Villers-Cotterêts "eindeutig erkannt" - vermummt und bewaffnet. Nach Medienberichten könnten die beiden Terroristen bei ihrer Flucht einen Überfall auf eine andere Tankstelle verübt haben. Bei dem Raub hätten sie Benzin und Essen mitgehen lassen.

Eliteeinheiten von Polizei (RAID) und Gendarmerie (GIGN) wurden am Nachmittag in der Region zusammengezogen, und ein von den Tätern verlassenes Auto wurde untersucht. Inzwischen wurde eine mögliche Fluchtstraße zwischen den Orten Villers-Cotterêts und Soissons abgeriegelt. Auch Hubschrauber wurden mehrfach gesichtet. Laut französischen Medien konnten die Fahnder das Gebiet nordöstlich von Paris, auf dem sich die beiden gesuchten Brüder befinden, auf 20 Quadratkilometer eingrenzen. Die bereits für den Großraum Paris geltende oberste Sicherheitsstufe gegen Attentate wurde auf die Region ausgeweitet.

Die Eliteeinheiten waren in einem Umkreis von 15 bis 20 Kilometer um den Ort Crépy-en-Valois im Département Oise im Einsatz. Die Polizisten waren für den Norden, die Gendarmen für den Süden zuständig. Bisher waren die beiden Eliteeinheiten noch nie zusammen im Einsatz.

Die Polizei hatte Said Kouachi, 34, und seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Chérif bereits in der Nacht zu Donnerstag identifiziert und einen Fahndungsaufruf mit Bildern der Verdächtigen herausgegeben. Said Kouachi soll seinen Personalausweis in einem Fluchtauto vergessen haben.

In dem bereits am Mittwoch in Paris stehengelassenen Fluchtauto der Attentäter fanden die Ermittler etwa zehn Molotowcocktails und Flaggen, die für den "Heiligen Krieg" werben. Das deute darauf hin, dass die Brüder noch weitere Taten geplant hätten, zitierten Medien Polizeiquellen.

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