"Charlie Hebdo" Taliban und Hamas verurteilen Mohammed-Karikatur

Die neue Ausgabe von "Charlie Hebdo" hat Vertreter der Muslime in aller Welt aufgebracht. Auch die Taliban haben die erneute Mohammed-Karikatur als Provokation bezeichnet, die Hamas erklärt, es werde "Öl ins Feuer" gegossen.

Erste Ausgabe nach dem Attentat: Taliban fühlen sich provoziert
AFP

Erste Ausgabe nach dem Attentat: Taliban fühlen sich provoziert


Kabul/Gaza - Die afghanischen Taliban haben die Morde an den Machern von "Charlie Hebdo" begrüßt. Mit den Terroranschlägen auf das französische Satiremagazin seien die Schuldigen "ihrer gerechten Strafe zugeführt" worden, hieß es in einer im Internet veröffentlichten Erklärung der Extremisten. Die am Mittwoch erschienenen Mohammed-Karikaturen des französischen Satiremagazins verurteilten die Taliban scharf. Sie "reizen die Gefühle von Muslimen weltweit", hieß es. Die Spottbilder mit einem weinenden Propheten Mohammed hätten erneut "fast eineinhalb Milliarden Muslime" provoziert.

Neben den Taliban hat auch die im Gazastreifen herrschende Hamas die neue Karikatur geächtet. Das Bild des weinenden Mohammed gieße "Öl ins Feuer", kritisierte Hamas-Führer Isat Rischek.

Die offizielle Hamas-Zeitung "Felesteen" veröffentlichte eine eigene Karikatur, die eine Einschränkung der Meinungsfreiheit fordert, wenn sie zur Beleidigung Mohammeds genutzt werde. Auf dem Bild ist eine Hand mit der Aufschrift "Alles außer dem Propheten" zu sehen. Sie stoppt einen Pinsel mit einem Satanskopf. Auf dem Ärmel der Hand, die den Pinsel führt, steht "Meinungsfreiheit".

Bereits am Erscheinungstag hatte der Weltverband der muslimischen Religionsgelehrten die Veröffentlichung der Zeichnungen als "unklug" bezeichnet. In der Türkei ordnete ein Gericht die Sperrung von Webseiten an, die das Titelbild zeigten. Wer die "heiligen Werte der Muslime" verletze, indem er Zeichnungen des Propheten veröffentliche, mache sich der "Provokation" schuldig, teilte Vizeregierungschef Yalcin Akdogan über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Der Andrang auf die neueste Ausgabe der von einem tödlichen Anschlag getroffenen französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo" war derweil auch am zweiten Tag ihres Erscheinens groß. Am Donnerstagmorgen bildeten sich wie bereits am Vortag lange Schlangen vor den Zeitungskiosken in Frankreich. Die Zeitungen waren vielerorts schnell ausverkauft.

"Charlie Hebdo" wird in den kommenden Tagen immer wieder nachgeliefert, fünf Millionen Exemplare sollen insgesamt gedruckt werden. Eine solche Auflage hat in der Geschichte Frankreichs noch keine Zeitung erreicht.

mka/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.