Kommentar zum Terror in Paris Anschlag auf uns alle

Das Attentat von Paris könnte ein Wendepunkt sein: Wenn Europa nicht aufpasst, droht tatsächlich der Kampf der Kulturen, von dem manche verbohrten Ideologen träumen.
Soldat vor dem Eiffelturm: Kampf mit neuer Qualität

Soldat vor dem Eiffelturm: Kampf mit neuer Qualität

Foto: GONZALO FUENTES/ Reuters

Es ist das Szenario, vor dem sich alle gefürchtet haben. Schwerbewaffnete Kämpfer ermorden mitten in Paris, einige Schritte vom wunderschön-friedlichen Place des Vosges entfernt, zwölf unschuldige Menschen. Auf Videos ist zu sehen, wie ein Mann in schwarzer Kampfmontur einen am Boden liegenden Polizisten erschießt. Es sind Bilder, die wir zuletzt aus den Straßenkämpfen von Kobane und Aleppo kannten. Noch ist es nicht bestätigt, doch es spricht viel dafür: Der Kampf einiger hasserfüllter Islamisten gegen den Westen hat an diesem traurigen Tag eine neue Qualität erreicht.

Der Angriff auf eine Zeitungsredaktion, die sich stets kritisch mit dem Islamismus auseinandergesetzt hat, ist ein Anschlag auf den Kern der westlichen Gesellschaften: die Meinungsfreiheit, den Pluralismus, die Toleranz. Es ist ein Anschlag auf uns alle. Eine Gesellschaft, in der ein Journalist, aber auch jeder andere Bürger, Angst haben muss, seine Meinung offen zu äußern, ist in ihrer Freiheit bedroht.

Deshalb darf sich Frankreich, darf sich Europa das nicht gefallen lassen. Die Täter und ihre Sympathisanten müssen mit aller Härte verfolgt und bestraft werden. Die Frage ist nur, was folgt noch aus diesem Tag?

Leider wohl wenig Gutes: In Frankreich wird sich der rechtsradikale Front National in seiner verqueren ausländerfeindlichen Politik, die sich gegen alle Muslime richtet, bestätigt fühlen. Ebenso die armselige deutsche Pegida-Truppe in Dresden, deren Anhänger hinter jedem Kopftuch einen Islamisten vermuten.

Wenn Islamophobie und extreme Ansichten bald in Europa den Diskurs über den Islam, Migrationspolitik und Nahost-Politik bestimmen, wird es richtig gefährlich.

Hollande wird den starken Mann geben müssen

Frankreich ist bereits auf der schiefen Bahn: Der schwächlich wirkende französische Präsident François Hollande spürt den heißen Atem seiner FN-Verfolgerin Marine Le Pen im Nacken. Er wird sich jetzt bald wohl nicht anders zu wehren wissen, als im Kampf gegen den Terror den starken Mann zu machen. Eine Ausweitung des Engagements Frankreichs in Syrien und dem Irak inbegriffen - mit neuen Anschlägen von Islamisten in Frankreich ist daher zu rechnen. Wie lange wird wohl Deutschland, der wichtigste Partner Frankreichs, dann noch in der bequemen Zuschauerrolle bleiben können?

Natürlich wäre es ein Fehler, würde nun auf den Hass der Islamisten mit neuem Hass, mit noch mehr Gewalt geantwortet. Eine Politik von Auge um Auge, Zahn um Zahn darf es nicht geben. Genau das wollen die Gegner des Westens und das wollen auch die Falken bei uns: den Kampf der Kulturen. Leider wächst mit jedem neuen Anschlag die Gefahr, dass sie ihn bekommen.