Demonstranten in Charlottesville Rechts und radikal

Kommunistenhasser, Antisemiten und Waffennarren, "Blut und Boden"-Aktivisten, Ku-Klux-Klan-Mitglieder und Fantasiekrieger: In Charlottesville marschierte Amerikas radikale Rechte auf. Der Überblick.

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Hassverzerrte Gesichter, Fackelaufmärsche in der Nacht, brutale Angriffe am helllichten Tag: Rechte Demonstranten haben die liberale US-Unistadt Charlottesville am vergangenen Wochenende weltbekannt gemacht. Drei Menschen starben, zwei Dutzend wurden verletzt.

Unter dem Motto "Vereint die Rechte" hatten sich Rassisten, Waffennarren und viele mehr zum größten rechten Aufmarsch seit Jahrzehnten versammelt. Die Ereignisse in Charlottesville zeigen, dass es eine Vielzahl rechter Gruppen in den USA gibt. Ein Überblick.

Ku-Klux-Klan - Die Altnazis

Es sind Bilder wie aus einer anderen Zeit: Männer mit grimmigen Gesichtern marschieren in weißen Roben und Kutten. An der rechten Kundgebung in Charlottesville nahmen auch Mitglieder des Ku-Klux-Klans (KKK) teil - gewissermaßen die amerikanischen Altnazis.

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Aufmarsch der Rechten in Charlottesville: Fackeln, Fahnen, Fanatismus

Die Gruppe hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert in den Südstaaten - sie kämpfte gegen die Gleichbehandlung von Schwarzen und für die Vorherrschaft der Weißen. Die weiße Kleidung und brennende Kreuze wurden zu ihrem Furcht einflößenden Markenzeichen, die Morde an Schwarzen verschafften ihr traurige Berühmtheit.

Mehrfach wurde der KKK aufgelöst, formierte sich allerdings immer wieder neu. In den Zwanzigerjahren sollen rund vier Millionen Menschen der Organisation angehört haben. In den Sechzigerjahren erhielt die Gruppe erneut Zulauf - eine Reaktion auf die Bürgerrechtsbewegung.

Heute sollen sich etwa 5000 bis 8000 Menschen zum Ku-Klux-Klan bekennen. Allerdings handelt es sich dabei mitunter um kleine, unabhängige Gruppen. Mit Trumps Präsidentschaft, so scheint es, haben die Rechten wieder neue Hoffnung geschöpft.

David Duke, ihr langjähriger Anführer, hatte Donald Trump im Wahlkampf unterstützt. Trump wiederum, dessen eigener Vater Fred laut Medienberichten 1927 nach einer Demo des Klans festgenommen worden war, wollte sich noch 2016 nicht vom KKK distanzieren. Er wisse von dieser Gruppe nichts, sagte er damals.

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"Alt Right" - Trumps radikale Fans

In der "Alt Right"-Bewegung sammeln sich weiße Nationalisten, Rassisten, Antisemiten, Neonazis und frühere KKK-Führer. (Lesen Sie hier ein ausführliches Porträt der "Alt Right"- Anführer.) Sie wollen ein weißes, männlich geprägtes Amerika ohne Einwanderung und lehnen Juden ebenso wie Muslime ab. Keine andere rechte Gruppe hat in den vergangenen zwölf Monaten medial mehr Aufmerksamkeit erhalten.

Sprachrohr der Bewegung ist "Breitbart News". Das rechte Internetportal veröffentlichte unter anderem ein Manifest der "Alt Right", das besagt, dass eine "Trennung zwischen den Völkern nötig ist, um eine Kultur zu erhalten". Die Website wurde lange Zeit vom heutigen Chefstrategen im Weißen Haus, Steve Bannon, geführt.

Viele Mitglieder der Bewegung sind Trump-Anhänger und ergötzen sich an seinem Wahlsieg. Richard Spencer ist der bekannteste Vertreter der Gruppe und prägte den Begriff "Alt Right" - die Abkürzung für "Alternative Rechte". Dahinter steht eine ultranationalistische Ideologie.

Im Januar beendete er eine Rede mit dem Ausruf "Heil Trump! Heil unserem Volk! Sieg Heil!" Viele Zuschauer rissen daraufhin den rechten Arm zum Hitlergruß in die Höhe. Anders als in Deutschland, sind der Hitlergruß oder "Sieg Heil"-Rufe in den USA durch die Rede- und Meinungsfreiheit gedeckt.

Was ist "Alt-Right"? - ein Überblick im Video

Milo Yiannopoulos / Youtube

"Vanguard America" - Sammelbecken für Antisemiten

Die selbst ernannte "Vanguard America" (übersetzt: "Amerikanische Avantgarde") hat ein klares Feindbild: den Multikulti-Staat. Die "Blut und Boden"-Aktivisten wollen eine "weiße Nation" auf "amerikanischer Erde" errichten. Die Ewiggestrigen setzen bei der Verbreitung ihrer Ideologie neben klassischen Flyern und Stickern vor allem auf moderne Medien wie etwa Twitter.

Nach Angaben der "Anti-Defamation League" ist die vor zwei Jahren in Kalifornien gegründete Gruppe ein Sammelbecken für Antisemiten und steht der "Nationalistischen Front" nahe, einer Dachorganisation verschiedener Neonazi-Gruppierungen. Wie diese tragen die Mitglieder der "Vanguard America" bei ihren Aufmärschen Uniformen: Khaki-Hosen und weiße Polohemden.

Die selbst ernannten "Avantgardisten" sind mehrheitlich Teenager oder junge Erwachsene und männlich. Es gibt aber auch eine "Frauen-Division" in der straff geführten Gruppe. Wie viele Menschen sich insgesamt den "Avantgardisten" zurechnen, ist nicht bekannt. Feststeht, dass sie gefährlich sind: Aus ihren Reihen stammt auch James Alex Fields junior - der 20-jährige Todesfahrervon Charlottesville.

Möchtegern-Ritter und Anhänger eines Froschgottes - wer noch zur Szene gehört

Zur rechtsextremen Szene, die sich in Charlottesville zeigte, gehören jede Menge kleine, voneinander unabhängige Splittergruppen. Da wäre etwa der noch junge "Fraternal Order of Alt-Knights" (übersetzt: "Orden der alternativen Ritter"). Seine Mitglieder treten mitunter als Schlägertrupp auf Veranstaltungen auf.

In einer Parallelwelt namens "Kekistan" leben die Anhänger der gleichnamigen Bewegung. Sie verstehen sich als Einwohner der fiktiven Republik und des ägyptischen Chaos-Gottes Kek - der einen Froschkopf hat. Die Gruppe hat ihre Fahne der Reichskriegsflagge der Nationalsozialisten nachempfunden.

Ebenfalls vor Ort war die "Anti-Communist Action Group" (übersetzt: "Antikommunistische Aktionsgruppe"). Sie halten ihre Flaggen in den Farben Gelb und Schwarz, ähnlich der Identitären Bewegung in Europa. Oft darauf zu sehen sind Hubschrauber, aus denen ein Mensch fällt oder sogar geworfen wird. Damit verweisen die sie auf die Verbrechen der Militärdiktaturen in Chile und Argentinien. Die Regime dort ließen in den Siebziger- und Achtzigerjahren ihre Gegner entführen und zum Teil lebend aus Hubschraubern und Flugzeugen warfen.

Auch die sogenannten Neo-Konföderierten demonstrierten in Charlottesville. Sie sind offen antidemokratisch, homophob, rassistisch und betrachten sich als Erben des "alten Südens" - einem Land, in dem Weiße Herren und Schwarze Sklaven waren.

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