Gegendemonstrantin totgefahren Charlottesville-Mörder schuldig gesprochen

Er setzte sein Auto zurück und fuhr in Charlottesville mit Absicht in eine Gruppe von Demonstranten: Eine Jury hat den 21-jährigen Neonazi dafür nun des Mordes für schuldig befunden - ihm droht lebenslange Haft.
Aktivisten vor dem Gerichtsgebäude in Charlottesville

Aktivisten vor dem Gerichtsgebäude in Charlottesville

Foto: Steve Helber/ dpa

Ein US-Neonazi ist des Mordes an einer Demonstrantin in der US-Stadt Charlottesville im August 2017 schuldig befunden worden. Der 21-jährige James Fields wurde am Freitag von einer Jury zudem wegen schwerer Körperverletzung und Fahrerflucht verurteilt. Das Strafmaß soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden. Dem Angeklagten droht lebenslange Haft.

Fields war am Rande eines Aufmarschs von Rechtsextremisten in der Universitätsstadt im Bundesstaat Virginia mit seinem Wagen in eine Gruppe von Gegendemonstranten gefahren. Dabei wurde eine 32-jährige Frau getötet, mehrere weitere Menschen wurden verletzt. Fields wurde kurz nach der Tat festgenommen.

US-Neonazi James Alex Fields

US-Neonazi James Alex Fields

Foto: Stringer ./ REUTERS

Der Aufmarsch von Neonazis und anderen Rassisten in Charlottesville - Motto: "Vereint die Rechte - " hatte international für Schlagzeilen gesorgt - vor allem auch deshalb, weil US-Präsident Donald Trump kurz danach das Verhalten von Rechtsextremisten und Gegendemonstranten gleichsetzte und von "Gewalt auf vielen Seiten" gesprochen hatte.

Fields hatte in dem knapp zweiwöchigen Prozess auf unschuldig plädiert. Seine Verteidiger argumentierten, ihr Mandant habe sich in einem Zustand der Panik befunden und "um sein Leben gefürchtet". Als Beweisstück präsentierten sie ein Video, das Fields schluchzend kurz nach seiner Festnahme zeigt. Er fragt darin über die von ihm angefahrenen Demonstranten: "Sind sie ok?"

Ersthelfer am Tatort in Charlottesville (Archivfoto)

Ersthelfer am Tatort in Charlottesville (Archivfoto)

Foto: Justin Ide/ REUTERS

Videoaufnahmen zeigten, wie der Täter handelte

Dennoch brauchte die zwölfköpfige Jury nur einen Tag, um zu ihrem Schuldspruch zu gelangen. Angehörige der Opfer und Überlebende, die in dem Gerichtssaal in Charlottesville den Prozess verfolgten, weinten bei der Verlesung des Urteils. "Ich fühle mich so gut wie seit fast anderthalb Jahren nicht mehr", sagte Wednesday "Al" Bowie, dem Fields mit seinem Wagen das Becken zertrümmerte. Für ihn sei der Prozess ein "Heilungsprozess" gewesen. "Er hat aber auch alte Wunden aufgerissen".

Fields war aus seiner Heimatstadt Maumee im Bundesstaat Ohio nach Charlottesville gefahren, um an dem Protestmarsch unter dem Motto "Unite the Right Rally" (Kundgebung zur Vereinigung der Rechten) teilzunehmen. Der Aufmarsch richtete sich gegen den Abbau einer Statue des Bürgerkriegs-Generals Robert Lee in Charlottesville. Lee führte im Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 die Südstaaten-Truppen, die für die Sklaverei eintraten.

Videoaufnahmen, die im Prozess gezeigt wurden, zeigten Fields beim Rufen rassistischer, antisemitischer und schwulenfeindlicher Sprechchöre. Auf anderen Videos war zu sehen, wie Fields sein Auto anhielt, zurücksetzte und dann in die Gruppe von Gegendemonstranten raste.

Auf Fields kommt noch ein zweiter Prozess vor einem Bundesgericht zu, für den aber noch kein Termin angesetzt wurde.

Demo der Rechtsextremen zum Jahrestag

Zum Jahrestag der tödlichen Proteste in Charlottesville hatten sich im August sich in Washington Tausende Demonstranten einer verschwindend geringen Zahl von Rechtsextremisten entgegengestellt. Zu dem Aufmarsch "Vereint die Rechte 2" vor dem Weißen Haus kamen am Sonntag nur einige Dutzend Menschen, wie US-Medien und Augenzeugen berichteten. Die Organisatoren der rechten Demonstration hatten 100 bis 400 Teilnehmer angemeldet.

Auf ihrer Rednerliste standen unter anderem der Antisemit Patrick Little und David Duke, der einst ein führendes Mitglied des rassistischen Ku Klux Klans war. Nach zwei Stunden und einigen Reden endete diese Kundgebung vorzeitig im Regen. Es habe eine Festnahme gegeben, teilte die Polizei mit. Details wurden nicht genannt.

Gegendemonstranten an der Absperrung störten die rechte Veranstaltung mit Pfiffen und Sprechchören wie "Geht nach Hause, Nazis" oder "Schande, Schande, Schande".

oka/AFP/dpa
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