Chef der Adenauer-Stiftung in Ägypten "Kairos Vorwurf der Illegalität ist völlig abwegig"

Fünfeinhalb Stunden musste Andreas Jacobs einem ägyptischen Untersuchungsrichter Rede und Antwort stehen. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht der Chef der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kairo über die Razzia ägyptischer Behörden - und die künftige Arbeit in dem Land.

Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kairo: Scharfes Vorgehen ägyptischer Behörden
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Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kairo: Scharfes Vorgehen ägyptischer Behörden


SPIEGEL ONLINE: Herr Jacobs, wie hat der Kairoer Untersuchungsrichter während Ihres Gesprächs die Durchsuchung und die anschließende Schließung der Kairoer Konrad-Adenauer-Stiftung gerechtfertigt?

Jacobs: Er hat gesagt, dass wir keine Lizenz hätten, um ein Büro einer ausländischen Nichtregierungsorganisation in Ägypten zu betreiben. Dies sei der Anlass für die richterliche Untersuchung mit anschließender Beschlagnahmung gewesen.

SPIEGEL ONLINE: Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Jacobs: Das ist völlig abwegig. Wir sind seit 30 Jahren im Land und haben auf der Grundlage ganz klarer bilateraler Abkommen mit Regierungsinstitutionen hier gearbeitet. Wir haben sogar Steuern bezahlt. Es ist für uns deshalb nicht nachvollziehbar, wie man vor diesem Hintergrund sagen kann, dass wir illegal hier seien.

SPIEGEL ONLINE: Halten Sie es für möglich, dass die Kairoer Behörden vor allem deshalb gegen Sie vorgegangen sind, weil ihnen die Arbeit Ihrer Stiftung missfallen hat?

Jacobs: Das kann sein. Ich halte es aber für wahrscheinlicher, dass die neue Führung in Ägypten generell gegen internationale Akteure vorgehen und Exempel statuieren will. Es gibt offenbar eine wachsende Nervosität hinsichtlich der Aktivitäten ausländischer Organisationen.

SPIEGEL ONLINE: Wie verlief das fünfeinhalb Stunden währende Gespräch mit dem Richter?

Jacobs: Zunächst sehr kühl und sachlich. Es ging am Anfang um die Frage unseres Status und unseres Selbstverständnisses und der Idee der politischen Bildung. Später fragte der Richter nach Finanztransaktionen. Wir haben eine gut funktionierende Buchhaltung, so konnte ich bis hin zu einzelnen Schecks Auskunft geben, wofür diese Gelder bestimmt waren. Offensichtlich konnten wir das Gericht damit überzeugen, schließlich dürfen wir jetzt wieder arbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Die bisherigen Vorwürfe sind damit aus der Welt?

Jacobs: Nein, es handelt sich nach wie vor um ein laufendes Verfahren. Auch der Vorwurf, wir seien illegal im Land, ist aus Sicht des Gerichts nicht aus der Welt. Wir werden jetzt das Gespräch mit den ägyptischen Behörden suchen, um zu klären, wie die Konrad-Adenauer-Stiftung ungestört in Ägypten arbeiten kann.

SPIEGEL ONLINE: Hat man Ihnen das beschlagnahmte Material zurückgegeben?

Jacobs: Noch nicht. Das soll am Montag erfolgen.

SPIEGEL ONLINE: Was genau wurde beschlagnahmt?

Jacobs: Sämtliche Computer, Satellitentelefone, Handakten, Abrechnungsunterlagen und alles, was sich in den Tresoren befand. Wir werden deshalb noch mindestens einundhalb Wochen brauchen, um unsere Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen.

SPIEGEL ONLINE: Es gab Durchsuchungen und Beschlagnahmungen bei insgesamt 17 Nichtregierungsorganisationen. Wissen Sie, wie es um die anderen Büros steht?

Jacobs: Wir sind offenbar die Ersten, die wieder ihre Arbeit aufnehmen dürfen. Möglicherweise wurde dieser Erfolg durch den massiven Druck erreicht, der durch die deutsche Öffentlichkeit hier aufgebaut wurde. Damit hat die ägyptische Seite offenbar nicht gerechnet.

SPIEGEL ONLINE: Wie schätzen Sie generell die Arbeit der Militärregierung ein?

Jacobs: Das Vorgehen der Behörden in den vergangenen Tagen war sicher kein gutes Signal für die Demokratieentwicklung in diesem Land.

Das Interview führte Björn Hengst

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
juergw. 04.01.2012
1. Aber die NGO`s
Zitat von sysopFünfeinhalb Stunden musste Andreas Jacobs einem ägyptischen Untersuchungsrichter Rede und Antwort stehen. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht der Chef der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kairo über die Razzia ägyptischer Behörden - und die künftige Arbeit in dem Land. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,807188,00.html
versuchen doch immer mit Geld und guten Worten sich in andere Angelegenheit kräftig einzumischen. Da kann es schon mal ungemütlich werden.
horstma 04.01.2012
2. Was will man dort eigentlich?
Zitat von sysopFünfeinhalb Stunden musste Andreas Jacobs einem ägyptischen Untersuchungsrichter Rede und Antwort stehen. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht der Chef der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kairo über die Razzia ägyptischer Behörden - und die künftige Arbeit in dem Land. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,807188,00.html
Was denn bitte für eine künftige Arbeit? Nach der Machtübernahme durch die Militärs wäre eine Schliessung des Kairoer Büros und die Rückreise der Mitarbeiter der einzig vernünftige Schritt gewesen. Oder will man abwarten, bis nach dem Militär die Scharia regiert und man aus dem Land geprügelt wird? Oder inhaftiert wird? Diese Stiftung ist in Kairo mittlerweile so sinnvoll wie ein von iranischen Islamisten in Berlin betriebenes Büro einer Mahmud-Ahmadinedschad-Stiftung. Auch diese wäre dort wohl nicht sonderlich willkommen.
little_smaugh 04.01.2012
3. Konrad Adenauer
Dieses Gewimmere der CDU-Stiftung geht mir langsam auf den Geist. Friedrich Ebert kommt bei den Ägyptern eben besser an als Konrad Adenauer. Immerhin war Ägypten schon mal eine sozialistische Republik.
c++ 04.01.2012
4. .
Was hat die Konrad-Adenauer-Stiftung, finanziert vom Steuerzahler, in Ägypten verloren? Kann gut verstehen, wenn sie rausfliegen. Ich möchte auch nicht, das ägyptische politische Stiftungen in Deutschland ihr Unwesen treiben.
Ex-Kölner 04.01.2012
5. Wie war das in der Demokratie Deutschland vor dem Gipfel in Heiligendamm?
Da wurden unter einer CDU-Kanzlerin Büros von Nichtregierungsorganisationen und Kritikern durchsucht - wie sich hinterher herausstellte, in den meisten Fällen rechtswidrig. Für Demonstranten hielt die Polizei die Käfighaltung für angemessen. Auch das war, wenn ich mich recht entsinne, so nicht zulässig. Aber so ist's im Rechtsstaat: Erst mal reingrätschen und damit die Leute einschüchtern und ihre Handlungsfähigkeit einschränken. Das Knöllchen danach zahlt ja sowieso der Bürger und eine - wenn überhaupt - lauwarme Entschuldigung kostet nix. Abgesehen davon, daß es die Verantwortlichen ohnehin nicht kratzt, wenn sie lange nach ihrem Rechtsbruch von einem Richter zurückgepfiffen werden.
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