Chelsea Clinton twittert gegen Donald Trump Abrechnung in drei Worten

Das hatte er sich wohl anders vorgestellt. Mit einem seiner typischen Tweets hat Donald Trump der Tochter seiner 2016 unterlegenen Kontrahentin die Steilvorlage für eine kluge Retourkutsche geliefert.

Twitter-Profi: Chelsea Clinton
Brendan McDermid/ REUTERS

Twitter-Profi: Chelsea Clinton


Immer, wenn Donald Trump etwas besonders deutlich machen möchte in seinen Tweets, schreibt er groß: "PRESIDENTIAL HARASSMENT!" (Belästigung des Präsidenten, frei übersetzt: Stellt keine Fragen und nervt nicht.) zum Beispiel. Oder "MAKE AMERICA GREAT AGAIN!" und - wenn ihm wenige Sekunden später auffällt, dass er das ja schon längst erledigt hat - "KEEP AMERICA GREAT!" So geht das tagein, tagaus im Weißen Haus - und für gewöhnlich erntet der Präsident dafür Applaus.

Dass der @realDonaldTrump mit seinen Twitter-Tiraden dem politischen Gegner eine Steilvorlage liefert, kommt ebenfalls häufiger vor. Aber selten wird sie so elegant genutzt wie jüngst von Chelsea Clinton. Die Tochter der unterlegenen Präsidentschaftskandidatin von 2016 nutzte den von Trump ins Twitterversum geschleuderten Satz "THE GREATEST SCAM IN THE HISTORY OF AMERICAN POLITICS!" (Der größte Betrug in der Geschichte der amerikanischen Politik.) für ein schlichtes: "Yes, you are." (Ja, bist du.)

Die Retourkutsche ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen ähneln die drei Worte dem Duktus des Obama-Slogans von 2008: Yes, we can. Chelsea Clinton gehört zwar zu einer anderen Familie, aber einer, die in der Vergangenheit mindestens genauso scharf angegriffen und beleidigt wurde vom Mann im Weißen Haus.

Und dann ist da noch die Mathematik: Donald Trump hat 65 Millionen Abonnenten bei Twitter, mehr als 25-mal so viele wie Chelsea Clinton mit ihren 2,5 Millionen Followern. Trotz dieses ungleichen Kräfteverhältnisses - und obwohl ihr Tweet zwölf Stunden jünger ist als Trumps - hat Clinton aber bereits mehr als doppelt so viele "Gefällt mir"-Angaben erhalten.

Es muss schwer sein als Donald Trump. Demokraten, verfassungstreue Whistleblower, die Medien: Alle wollen einem an den Kragen. Und dann kann man nicht mal mehr in Ruhe twittern.

löw

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