Verstoß gegen Gefängnisregeln Chelsea Manning bleibt Isolationshaft erspart

Der Disziplinarausschuss des Militärgefängnisses hat Chelsea Manning für den Besitz abgelaufener Zahnpasta und einer "Vanity Fair"-Ausgabe bestraft. Die Whistleblowerin darf drei Wochen lang nicht in den Hof, entgeht aber der angedrohten Isolationshaft.

Chelsea Manning (Archivbild): "Diese Verurteilungen werden mich für immer bei jeder Berufungs- und Gnadenanhörung verfolgen"
AP Photo/U.S. Army

Chelsea Manning (Archivbild): "Diese Verurteilungen werden mich für immer bei jeder Berufungs- und Gnadenanhörung verfolgen"


Die in einem US-Militärgefängnis einsitzende Whistleblowerin Chelsea Manning darf drei Wochen lang nicht den Fitnessraum, die Bibliothek und den Hof der Strafanstalt benutzen. Das entschied ein Disziplinarausschuss des Gefängnisses Fort Leavenworth im Bundesstaat Kansas.

Manning wurde für schuldig befunden, gegen Haftregeln verstoßen zu haben. Unter anderem soll sie Essen auf den Boden geworfen haben. Außerdem sei sie im Besitz von eingeschmuggelten Büchern und Zeitschriften sowie einer abgelaufenen Zahncreme gewesen.

Zu den verbotenen Gegenständen in Mannings Besitz gehörten laut der Anwältin die Memoiren von Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai, die "Vanity Fair"-Ausgabe mit Caitlyn Jenner auf der Titelseite sowie der US-Senatsbericht über die Folterpraktiken der CIA.

Trotz des Schuldspruchs bleibt Manning die angedrohte Isolationshaft erspart. Doch auch die mildere Bestrafung wirkt nach ihrer Einschätzung weit über die drei Wochen hinaus. "Diese Verurteilungen werden mich für immer bei jeder Berufungs- und Gnadenanhörung verfolgen", kritisierte Manning.

Mannings Anwalt Chase Strangio verurteilte das Disziplinarverfahren. "Niemand sollte der Androhung von Isolationshaft ausgesetzt sein, weil er über die Zustände in der Welt liest und schreibt", erklärte der Jurist.

Nach Angaben ihrer Unterstützer-Webseite chelseamanning.org hatten fast 100.000 Menschen eine Petition unterzeichnet, die sich gegen das Disziplinarverfahren gegen Manning richtete. Abgesehen von der Website kommuniziert Manning auch via Twitter-Botschaften mit der Außenwelt, die sie ihren Unterstützern am Telefon diktiert.

Chelsea Manning arbeitete vor ihrer Geschlechtsangleichung als Bradley Manning im IT-Bereich beim US-Militär. In dieser Zeit leitete sie geheime Dokumente über den Irak-Krieg an WikiLeaks weiter. Im August 2013 wurde sie dafür zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt.

syd/AFP/AP

insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
karljosef 19.08.2015
1. Das geht aber nun wirklich nicht!
In der (selbsternannten) Zentrale der westlichen Werte abgelaufene Zahnpasta besitzen! Wo kämen wir denn hin, wenn das jeder machen würde!
Meskiagkasher 19.08.2015
2. Abgelaufene Zahncreme?
Wie das? Zahncreme hält länger als ein Menschenleben.
reader01 19.08.2015
3. Abgelaufene Zahnpasta
das geht gar nicht. Sie sollte sich schämen.
heiko1977 19.08.2015
4.
Was genau ist an einer abgelaufenen Zahncreme gefährlich und an den genannten Büchern strafbar?
gingermath 19.08.2015
5.
In erster Linie hat Manning Auflagen gebrochen, dass er deshalb mit Repressalien rechnen muss war abzusehen, wenigstens blieb ihm die Isolationshaft erspart. Auf der anderen Seite frage ich mich, wieso in den Haftauflagen eine Friedensnobelpreisträgerin und Vanity fair verboten ist. Und schließlich noch eine Erinnerung, bei der Haft handelt es sich in Deutschland um eine Resozialisierungsprogramm, bei dem die Häftlinge lernen sollen sich in die Gesellschaft einzubringen, bei 35 Jahren handelt es sich hingegen nur um eine Strafe, deshalb war abzusehen, dass er bestraft werden soll, und ja äußerlich ist er eine Frau, aber er ist als Mann geboren, deswegen schreibe ich auch "er" und nicht "sie", beim Begehen des Landesverrates war er schließlich noch ein Mann.
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