Abschlussbericht zu Syrien Uno geht von Giftgas-Einsatz an fünf Orten aus

Der Chemiewaffen-Abschlussbericht für Syrien liegt vor: Die Uno-Inspektoren haben an fünf Orten "Belege" oder "glaubhafte Informationen" für den Giftgas-Einsatz gefunden. Generalsekretär Ban Ki Moon spricht von einem "schweren Verstoß gegen das Völkerrecht".


New York - An fünf Orten in Syrien ist es laut Uno-Inspektoren vermutlich zum Einsatz von Chemiewaffen gekommen. In dem am Donnerstag in New York veröffentlichten Abschlussbericht der Expertenmission um den Schweden Åke Sellström heißt es, es gebe an fünf untersuchten Orten "Belege" oder "glaubhafte Informationen" zum Einsatz von Chemiewaffen.

Genannt werden die Orte Ghuta nahe Damaskus, Chan al-Assal nahe Aleppo, Dschubar, Sarakeb und Aschrafieh Sahnaja. Keine ausreichenden Indizien seien dagegen in Bahharijeh und in Scheich Maksud, einem Vorort von Aleppo, gefunden worden.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nahm den Bericht entgegen und sagte, der Einsatz von Chemiewaffen sei ein "schwerer Verstoß gegen das Völkerrecht". Die Welt müsse "wachsam" sein und dafür sorgen, dass diese "schrecklichen Waffen" zerstört würden, "nicht nur in Syrien, sondern überall auf der Welt". Die Uno-Experten waren im September nach Syrien gereist, um Berichten über Chemiewaffeneinsätze in dem Bürgerkriegsland nachzugehen.

Inzwischen ist das Papier auch im Internet einsehbar gemacht worden. Am Freitag will Ban die Vollversammlung und am Montag den Sicherheitsrat über die Inhalte des Berichts informieren.

In einem ersten im September überreichten Bericht hatte das Expertenteam "klare und überzeugende" Beweise für einen Angriff mit dem Giftgas Sarin am 21. August in der Nähe von Damaskus gefunden. Für den zweiten Bericht waren die Inspekteure nun nach Syrien zurückgekehrt, um weitere Vorfälle zu untersuchen.

Noch im Januar soll die Zerstörung des syrischen Giftgasarsenals starten. Das plant die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW). Er hoffe, dass die Vernichtung der Bestände auf einem US-Spezialschiff bis Ende Januar aufgenommen werden könne, sagte der Generaldirektor der Organisation, Ahmet Üzümcü. Die OPCW hat am Dienstag den Friedensnobelpreis in Oslo erhalten.

Am Donnerstag wurde auch bekannt, dass die USA gemäßigte Gruppen der syrischen Opposition weiterhin unterstützen werden. Das machte Verteidigungsminister Chuck Hagel in Washington klar. Jedoch müssten zunächst Berichte über die komplexe Lage vor Ort ausgewertet werden. Zuvor waren die Hilfeleistungen an die Aufständischen der Freien Syrischen Armee (FSA) im Norden Syriens vorübergehend eingestellt worden, weil es hieß, Rebellen der Islamischen Front hätten ein Waffendepot der FSA erobert.

mia/dpa/AFP

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