SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

25. Juli 2011, 21:37 Uhr

Chemikalienkauf

Norwegischer Geheimdienst hatte Hinweis auf Attentäter

Er bestellte bei einer verdächtigen polnischen Firma: Anders Breivik geriet bereits im März ins Visier eines norwegischen Geheimdiensts, weil er im Internet Chemikalien beschaffte. Dennoch ermittelten die Sicherheitskräfte nicht weiter - der Wert des Einkaufs war einfach zu gering.

Oslo - Einmal fiel der Attentäter den norwegischen Sicherheitsbehörden im Vorfeld der Anschläge doch auf: Ein Geheimdienst hat eingeräumt, bereits im März auf Anders Breivik aufmerksam gemacht worden zu sein. Der 32-Jährige sei auf einer Liste von 50 bis 60 Namen aufgetaucht, weil er bei einem polnischen Chemieunternehmen einen Einkauf im Wert von umgerechnet 15 Euro getätigt habe, sagte die Chefin des Polizeisicherheitsdiensts PST, Janne Kristiansen, am Montag dem norwegischen Fernsehsender NRK.

Zwar stehe die polnische Firma unter Beobachtung, Breiviks Einkauf sei aber zu unbedeutend gewesen, um weiter verfolgt zu werden - und der Attentäter schlicht zu unauffällig: "Wir hatten absolut nichts gegen Breivik in der Hand, er lebte ein unglaublich gesetzestreues Leben", sagte Kristiansen.

Zuvor hatten bereits die polnischen Sicherheitsbehörden mitgeteilt, dass Breivik Chemikalien zum Bau von Bomben über das Internet unter anderem bei einer polnischen Firma in Breslau bestellt habe. Es habe sich aber um legale Substanzen gehandelt. Auf Bitten der norwegischen Polizei sei der Inhaber des Unternehmens befragt worden, die Kontakte wurden aber als rein geschäftlich eingestuft. Breivik bestellte den Behördenangaben zufolge exakt die Substanzen, die er laut seinem im Internet veröffentlichten Manifest zum Bau von Bomben benutzen wollte.

In der 1500 Seiten umfassenden Schrift beschrieb Breivik nicht nur, welche Produkte er einsetzen, sondern auch, wie er deren Beschaffung tarnen wollte. So nannte er unter anderem 300 Gramm Natriumnitrat zu einem Preis von umgerechnet zehn Euro, die er im vergangenen Dezember bestellt habe. Bei Rückfragen wollte er angeben, das Salz zum Pökeln von Elchfleisch zu brauchen.

Der Attentäter bestellte laut dem Papier auch 150 Kilogramm Aluminiumpulver zu einem Preis von umgerechnet etwa 2000 Euro - dieses hatte er am 1. März aber noch nicht erhalten. Bei Erkundungen zu dem Pulver wollte er seiner Schrift zufolge behaupten, dieses zur Aufwertung einer Bootsfarbe nutzen zu wollen.

fdi/AFP/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung