Cheney beschwört Militärschlag gegen Irak "Man muss die Schlacht zum Feind tragen"

Die USA haben gegenüber dem Irak den Ton verschärft. Vizepräsident Cheney plädiert für einen Militärschlag gegen den Irak - auch wenn die Uno-Waffeninspekteure nach Bagdad zurückkehren könnten.


Dick Cheney will den Krieg gegen Irak
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Dick Cheney will den Krieg gegen Irak

Nashville - In den strategischen Überlegungen der US-Regierung zu einem Militärschlag gegen den Irak spielt die mögliche Rückkehr der Uno-Waffeninspekteure keine Rolle. Das machte Richard Cheney am Montag vor einem Verband von Kriegsveteranen in Nashville deutlich. Argumente befreundeter Staaten, die vor einem Präventivschlag warnen, bezeichnete Cheney als unlogisch. Ein Regimewechsel in Bagdad werde gemäßigte Kräfte in der ganzen Region beflügeln, sagte Cheney, der die Überlegungen der US-Regierung zur Irak-Politik damit erstmals ausführlich darlegte.

"Eine Rückkehr der Inspektoren würde uns keinerlei Sicherheit geben, dass Saddam sich an die Uno-Resolutionen hält", sagte Cheney. "Im Gegenteil, es besteht große Gefahr, dass uns das in dem falschen Glauben wiegen würde, dass Saddam irgendwie unter Kontrolle ist." Der irakische Präsident habe seine Waffenprogramme in den neunziger Jahren hinter dem Rücken der Inspekteure heimlich fortgesetzt.

"Wir wissen, dass Saddam wieder versucht, sich Atomwaffen zu beschaffen", sagte Cheney. "Nichtstun birgt ein größeres Risiko als etwas zu unternehmen... Die ganze Welt muss wissen, dass wir tun werden, was auch immer nötig ist, um unsere Freiheit und unsere Sicherheit zu verteidigen."

Einige Leute argumentierten, man solle von einem Präventivschlag absehen, solange Saddam Hussein die Schwelle zum Besitz von Atomwaffen noch nicht überschritten hat, sagte Cheney. Dies habe keinen Sinn. "Kriege werden nie aus einer Verteidigungsposition heraus gewonnen. Man muss die Schlacht zum Feind tragen." Wenn Saddam erst Atomwaffen besitze, sei ein Schlag gegen ihn um so schwieriger. "Mit seinem Waffenarsenal und seinem riesigen Ölvorrat kann man davon ausgehen, dass er die Dominanz des ganzen Nahen Ostens anstrebt, die Kontrolle über einen Großteil der weltweiten Energievorräte sucht, Amerikas Freunde in der Region direkt bedrohen und die USA und andere Länder atomar erpressen wird", sagte Cheney.

Auch das Argument, die Anti-Terror-Koalition zerbreche im Falle eines US-Schlags gegen den Irak, verwarf Cheney. Irak-Kenner seien sicher, dass die irakische Bevölkerung beim Sturz Saddam Husseins in Jubel ausbreche, so wie es in Afghanistan beim Anblick der Amerikaner geschehen sei. Die gemäßigten Kräfte in der arabischen Welt würden beflügelt und die Oberhand über Extremisten gewinnen, der Friedensprozess im Nahostkonflikt zwischen Israelis und Palästinensern erhielte neue Impulse. "In Afghanistan hat die Welt gesehen, dass Amerika nicht handelt, um zu erobern, sondern um zu befreien.... Mit unserer Hilfe kann ein befreiter Irak wieder eine große Nation werden", sagte Cheney.

Präsidentensprecher Ari Fleischer betonte anschließend demonstrativ, dass Cheney die Position der US-Regierung vertreten habe. Er verwies darauf, dass Cheney nicht für einen Präventivschlag gegen den Irak, sondern für eine Präventivdoktrin geworben habe. Er wiederholte, dass Präsident George W. Bush noch keine fertigen Pläne für den angestrebten Regimewechsel in Bagdad hat. "Der Präsident hat über die nächsten Schritte noch nicht entschieden", sagte Fleischer.

Abgeordnete und Senatoren appellierten unterdessen an US-Präsident George W. Bush, vor einem Krieg die Zustimmung des Kongresses einzuholen. Und dies sei nicht nur eine technische Frage, erklärte Senator Patrick Leahy. Er bezog sich damit auf Berichte, wonach Bush nach Ansicht von Rechtsberatern auch ohne die Zustimmung des Kongresses einen Krieg gegen Irak führen könnte. Im Kongress kursieren bereits Resolutionsentwürfe, die von Bush eine Bestätigigung für einen Krieg gegen Irak durch den Kongress fordern.



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