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Bericht zum Irakkrieg: Heftige Kritik an Blair

Foto: PETER NICHOLLS/ REUTERS

Untersuchungsbericht zum Irakkrieg Britischer Einmarsch war voreilig

Der Einmarsch der britischen Truppen in den Irak war voreilig. Zu dem Urteil kommt die abschließende Untersuchung der britischen Regierung. Der sogenannte Chilcot-Bericht kritisiert massiv Ex-Premier Tony Blair.

Sieben Jahre hat es gedauert, nun ist der Untersuchungsbericht zur britischen Rolle im Irakkrieg veröffentlicht worden. Sir John Chilcot, der die Kommission zur Erarbeitung des Reports leitet, kritisierte die Entscheidung der damaligen Regierung unter Premier Tony Blair, sich 2003 an dem Irakkrieg zu beteiligen. "Ein Militäreinsatz war damals nicht das letztmögliche Mittel", sagte Chilcot am Mittwoch in London.

Dennoch habe Blair dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush Gefolgschaft versprochen, "was auch geschehen möge". Die politische Entscheidung für den Krieg sei gefallen, bevor alle "friedlichen Optionen für eine Entwaffnung" des Regimes von Saddam Hussein ausgeschöpft worden seien.

Für die Nachkriegsphase gelte: "Trotz ausdrücklicher Warnungen wurden die Folgen der Invasion unterschätzt. Die Planungen und Vorbereitungen für einen Irak nach Saddam waren völlig unzureichend." Seine Erklärung gab Chilcot vor Angehörigen einiger der 179 gefallenen Soldaten ab. Sie hoffen durch den Bericht zu erfahren, warum und wofür ihre Verwandten im Irak gestorben sind.

George W. Bush, Tony Blair (2003)

George W. Bush, Tony Blair (2003)

Foto: KEVIN LAMARQUE/ REUTERS

Die Invasion in den Irak 2003 war heftig umstritten, da diese nicht durch ein klares Uno-Sicherheitsratsmandat gedeckt war. Angebliche Massenvernichtungswaffen des damaligen irakischen Machthabers Hussein wurden nie gefunden. Bereits 2004 kam ein britischer Bericht zu dem Schluss, dass Blair die "Beweise" der Geheimdienste für angebliche Massenvernichtungswaffen im Parlament aufgebauscht hatte.

Bevor Chilcot einige der Hauptpunkte des Reports vorstellte, gedachte er der mehr als 200 Opfer des Anschlags der Terrormiliz IS am Wochenende in Bagdad.

Hier die wichtigsten ersten Erkenntnisse des Berichts:

In dem Kommissionsreport ist Ex-Premier Blair die zentrale Figur und wird als treibende Kraft für eine Invasion 2003 porträtiert. Der Regierungschef war demnach bereits wenige Wochen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 überzeugt, dass Hussein gestürzt werden müsse. Im Dezember teilte Blair dem US-Präsidenten Bush mit, man müsse eine "clevere Strategie" für einen Machtwechsel ausarbeiten.

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Blair war damals als "Pudel der USA" verspottet worden, weil er an der Seite Washingtons in den Krieg gezogen war. Er wurde als Kriegstreiber und Kriegsverbrecher angeprangert.

Blairs unbedingte Bereitschaft, mit Bush in den Krieg zu ziehen ("Ich stehe zu dir, wie auch immer", Juli 2002) stand in scharfem Kontrast zur Faktenlage: Die militärische Stärke des Hussein-Regimes und die dadurch hergeleitete Bedrohung britischer Bürger durch Massenvernichtungswaffen war stark übertrieben, heißt es in dem Bericht. Die Invasion im März 2003 stützte sich auf "fehlerhafte Geheimdienstinformationen", sagte Chilcot.

Uno-Sicherheitsrat, 2002

Uno-Sicherheitsrat, 2002

Foto: © Reuters Photographer / Reuter/ REUTERS

Auch die rechtliche Basis für einen Angriff im Rahmen der Vereinten Nationen war nicht gegeben. Laut dem Chilcot-Bericht rechtfertigte die Resolution 1441 des Uno-Sicherheitsrats von Ende 2002 noch kein militärisches Eingreifen gegen den Irak. Dafür hätte es einer neuen Resolution bedurft, um die sich die Bush-Regierung auch bemühte, sie scheiterte jedoch am Veto Frankreichs. Die Briten warfen Frankreich daraufhin eine Blockade vor.

Britische Soldaten im Irak, März 2003

Britische Soldaten im Irak, März 2003

Foto: REUTERS

Die Invasion selbst sei von der Blair-Regierung hektisch und schlecht vorbereitet gewesen, kritisierte Chilcot. Dass sie dennoch nach nur einem Monat erfolgreich war, sei allein der Verdienst der britischen Soldaten. Sie hätten mutig gekämpft und verdienten ebenso wie alle Angehörigen, "unsere Dankbarkeit und unseren Respekt".

Der Irak-Bericht umfasst etwa 2,6 Millionen Wörter - und ist damit rund 4,5 Mal länger als "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoi. "Es wird Tage dauern, ihn genau zu lesen", schreibt der "Guardian". Er rief deshalb seine Leser auf, beim Lesen und Auswerten zu helfen (den vollständigen Bericht finden Sie hier ).

Mehr als 120 Zeugen hatte die Chilcot-Kommission seit 2009 angehört. Darunter waren Blair selbst und sein Nachfolger Gordon Brown, außerdem Minister, Geheimdienst- und Armeechefs. Das Gremium sah auch Regierungspapiere und den vertraulichen Austausch zwischen Blair und Bush ein.

Blair sah sich durch den Bericht entlastet. "Dieser Bericht sollte Vorwürfe der Böswilligkeit, Lügen oder Täuschung endgültig ausräumen", schrieb der frühere Labour-Politiker (lesen Sie hier mehr).

Der scheidende Premierminister David Cameron sagte, es müssten Lehren aus den Fehlern gezogen werden. Er hatte 2003 im Unterhaus für den Einsatz im Irak gestimmt. Soldaten dürften nur als letztes Mittel und nach ausführlicher Beratung in den Krieg geschickt werden, betonte Cameron. Es sei inakzeptabel, dass 2003 britische Truppen ohne angemessene Ausrüstung in den Irak entsandt worden seien.

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Briten und Irakkrieg: Chronologie einer verheerenden Invasion

Foto: HO/ REUTERS

Zusammengefasst: Großbritanniens früherer Premier Tony Blair hat sich 2003 vor dem Irakkrieg auf fehlerhafte Geheimdienstinformationen verlassen. Außerdem hat er nicht alle Möglichkeiten einer friedlichen Lösung ausgeschöpft. Zu diesem Ergebnis kommt eine britische Untersuchung unter Leitung des Diplomaten John Chilcot. Der umfassende Bericht umfasst etwa 2,6 Millionen Wörter.

heb/cht