Massenproteste gegen Ungleichheit USA sehen Debatte in Chile von russischen Internettrollen "verzerrt"

Mischt sich Russland verdeckt in die sozialen Unruhen in Chile ein? US-Präsident Trump spricht von ausländischen Bemühungen, die chilenische Demokratie zu untergraben. Das Außenministerium nimmt Moskau ins Visier.

Demonstranten mit chilenischer Flagge am 21. Oktober in Santiago
Marcelo Hernandez/ Getty Images

Demonstranten mit chilenischer Flagge am 21. Oktober in Santiago


Präsident Sebastián Piñera angezählt, der Weltklimagipfel COP25 in Santiago abgesagt: Chile wird seit Wochen von schwereren Sozialprotesten erschüttert. Die US-Regierung verdächtigt nun Russland, es habe mit einer Internetkampagne die Massenproteste angeheizt.

Wie das Weiße Haus am Donnerstag mitteilte, sprach Präsident Donald Trump in einem Telefongespräch mit dem Staatschef Piñera eher allgemein von "ausländischen Bemühungen, um Chiles Institutionen, Demokratie oder Gesellschaft zu untergraben".

Ein ranghoher Vertreter des US-Außenministers warf Russland vor, die Debatte in Chile durch Beiträge sogenannter Internet-Trolle in Onlinenetzwerken zu "verzerren". Mit Trollen sind Internetnutzer gemeint, die bewusst Diskussionen stören und die Atmosphäre in Onlinedebatten vergiften.

Der Ministeriumsvertreter sagte, die russische Kampagne ziele darauf ab, die Meinungsunterschiede in Chile zu verschärfen, Konflikte zu schüren und eine "verantwortungsvolle demokratische Debatte" zu stören.

Auslöser der Krawalle waren teurere U-Bahn-Tickets

Nach Einschätzung der US-Behörden hat Russland 2016 auch in den USA versucht, durch die massive Verbreitung von Falschinformationen Einfluss auf die Präsidentschaftswahl zu nehmen und durch Polarisierung die Wahlen zur Präsidentschaft zu beeinflussen, die dann Donald Trump gegen Hillary Clinton gewann.

Chile wird seit Mitte Oktober von Massenprotesten mit bislang 20 Toten erschüttert. Die Proteste wurden durch eine Erhöhung der U-Bahn-Preise in der Hauptstadt Santiago de Chile ausgelöst.

Inzwischen fordern die Demonstranten den Rücktritt des 69-jährigen Staatschefs Piñera und eine grundlegende Änderung seiner Wirtschaftspolitik, die sie für die sozialen Probleme in dem südamerikanischen Land verantwortlich machen. Ein Krisentreffen Piñeras mit den Oppositionsführern endete am Donnerstag ergebnislos.

Zuvor hatte Piñera versucht, den Unmut mit einer Entschuldigung bei seinen Bürgern und mit einer großen Kabinettsumbildung zu befrieden. Beide Versuche schlugen fehl.

cht/AFP

insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
neurobi 01.11.2019
1. Wir kennen sie auch.
Wir alle kenne die Russlandtrolle auch aus dem SPON-Foren. Wann immer es um Russland oder China geht, überfluten sie die Foren mit abstrußen Posts. Aber schlimmer als die Trump-Trolle sind die auch nicht, im Gegenteil, sie versuchen jedenfalls noch glaubwürdig zu sein. In Chile braucht es aber keine Trolle, ein rechter Präsident schafft das ganz alleine, egal ob in Chile oder Brasilien.
jungestimme 01.11.2019
2. Russlands Unterstützung unnötig
Eine "Einmischung" Russlands oder sonstiger Staaten zur Verstärkung der Meinungsverschiedenheiten ist völlig unnötig. Das Land weist seit Jahren eine extreme Zersplitterung auf: Links gegen Rechts, Pinochet-Befürworter gegen Pinochet-Opfer-und -Gegner, Geringverdiener gegen Reiche, Indigene gegen Spanisch-Chilenen wiederum gegen Deutsch-Chilenen, Abtreibungsgegener gegen Befürworter, .... die Liste ist sehr lang. Das Land ist zudem (bevölkerungstechnisch gesehen) sehr klein, wodurch die Unterschiede den Menschen vor Ort mehr als deutlich vor Augen stehen. Sämtliche sozialen und politischen Diskussionen sind so sehr aufgeladen, dass allein deren Erwähnung z.Bsp. im beruflichen Umfeld völllig vermieden wird. Mich persönlich überrascht die aktuelle Eskalation nicht. (Angaben beruhen auf persönlichen Erfahrungen vor Ort)
mwroer 01.11.2019
3.
In Chile braucht es keine Trolle um die Debatte auf ein emotionales und aggressives Niveau zu bringen - da ist es seit geraumer Zeit sowieso. Und gerade die USA sollten sich in Chile gewaltig zurückhalten. Vor allem scheint es mittlerweile normal zu sein dass wenn irgendwer, irgendwas tut das den USA nicht passt automatisch 'russische Trolle' Schuld sind. Das ist absurd. Sieht man dann auch schön an Beitrag #1 der sich von Trollen umzingelt sieht offensichtlich. Lieber Mitforist, ich kann Ihnen wirklich nicht sagen wie oft ich schon als Troll betitelt wurde hier. Als russischer, amerikanischer, chinesischer ... zum Teil wurde ich in der selben Diskussion von verschiedenen Leuten zum jeweils anderen Lager gerechnet. Ich glaube die Zahl der Trolle ist gerade mal halb so groß wie viele glauben. Gefühlte Wahrheiten ...
carahyba 01.11.2019
4. sehr gut ...
Zitat von jungestimmeEine "Einmischung" Russlands oder sonstiger Staaten zur Verstärkung der Meinungsverschiedenheiten ist völlig unnötig. Das Land weist seit Jahren eine extreme Zersplitterung auf: Links gegen Rechts, Pinochet-Befürworter gegen Pinochet-Opfer-und -Gegner, Geringverdiener gegen Reiche, Indigene gegen Spanisch-Chilenen wiederum gegen Deutsch-Chilenen, Abtreibungsgegener gegen Befürworter, .... die Liste ist sehr lang. Das Land ist zudem (bevölkerungstechnisch gesehen) sehr klein, wodurch die Unterschiede den Menschen vor Ort mehr als deutlich vor Augen stehen. Sämtliche sozialen und politischen Diskussionen sind so sehr aufgeladen, dass allein deren Erwähnung z.Bsp. im beruflichen Umfeld völllig vermieden wird. Mich persönlich überrascht die aktuelle Eskalation nicht. (Angaben beruhen auf persönlichen Erfahrungen vor Ort)
Für die USA kann es nur Russland gewesen sein, die neoliberalen Chicago-Boys haben natürlich nichts damit zu tun. Wie denn auch, die versprachen das Marktparadies. Na ja, stimmt ja im Grunde auch. Bloss da sind viele durch den Marktwirtschaftlichen Rost gefallen. Von den Marktlöhnen und Marktpreisen können die meisten Familien nicht mehr vernünftig leben. Ausbildung ist wie in den USA für die Familien nicht finanzierbar. Kein Wunder, dass das Schisma zwischen arm und reich so scharf hervortritt. Die Rechte lenkt wie immer die Wut der Betroffenen um in ethnische Xenophobien um. Schuld ist halt der Indigene, denn der ist faul und dumm, usw.
Peletua 01.11.2019
5. Den Mund halten
So sehr ich Whataboutism hasse: Es stellt sich die Frage, ob die US-Regierung die Proteste gegen die Links-Regierung im Nachbarland Bolivien nicht auch kräftig anheizt. Wundern würde es mich wirklich nicht. Dann die 'Haltet den Dieb'-Methode anzuwenden und auf Chile zu zeigen, würde voll und ganz zum Trump-Regime passen. Wenn Russland sich in Chile 'engagiert', ist das selbstverständlich abzulehnen. Die USA aber müssten gerade in Sachen Chile den Mund halten, bis sie schwitzen - schließlich haben sie diesem Land die Gewaltherrschaft des Diktators Pinochet beschert. Im Übrigen: Dass ein Neoliberaler es schafft, weite Teile der Bevölkerung gegen sich aufzubringen, sollte doch niemanden, der noch über etwas Bodenhaftung verfügt, wirklich wundern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.