Chilenisches Gericht Mordvorwürfe gegen Pinochet nicht haltbar

Teilerfolg für Pinochet: Chilenische Richter haben die Mord- und Entführungsvorwürfe gegen den Ex-Diktator zurückgewiesen. Gleichzeitig entschieden sie, dass Pinochet zumindest wegen Verschleierung dieser Verbrechen vor Gericht gestellt werden kann.


Augusto Pinochet: Während seiner Amtszeit wurden Tausende verschleppt
REUTERS

Augusto Pinochet: Während seiner Amtszeit wurden Tausende verschleppt

Santiago - Die Entscheidung des Berufungsgerichtes fiel mit zwei zu eins Stimmen. Die Vertreter der Staatsanwaltschaft und Angehörige der Opfer der Pinochet-Diktatur reagierten enttäuscht auf den Richterspruch. "Dies ist beschämend und macht deutlich, was für Gerichte wir haben", sagte Viviana Diaz, die Präsidentin einer Organisation, in der sich Angehörige von Menschen zusammengeschlossen haben, die nach ihrer Festnahme in den Jahren der Diktatur von 1973 bis 1990 spurlos verschwanden.

Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft, Hiram Villagra, sagte, der Richterspruch bestätige zumindest Pinochets Beteiligung an den Verbrechen. Sein Anteil daran könne allerdings nicht als bloße Verschleierung betrachtet werden, schließlich habe Pinochet die Befehle dazu gegeben. Pinochets Anwalt Pablo Rodriguez erklärte dagegen, es gebe keine eindeutigen Beweise dafür, dass sein Mandant für die Morde verantwortlich sei. Außerdem sei der 85-Jährige zu krank, um sich einem Prozess zu stellen.

Untersuchungsrichter Juan Guzman hatte Pinochet Ende Januar im zweiten Anlauf wegen Mordes und Entführung angeklagt. Guzman ermittelt gegen ihn wegen der so genannten Todeskarawane, einem militärischen Rollkommando, das unmittelbar nach dem Militärputsch vom Herbst 1973 insgesamt 75 Oppositionelle ermordet hatte. Eine frühere Anklage des Richters war aus formalen Gründen vom Obersten Gerichtshof aufgehoben worden. Die Anwälte Pinochets hatten gegen die zweite Anklage erneut Berufung eingelegt.



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