Meng Hongwei Interpol gibt Rücktritt von verschwundenem Chef bekannt

Der in China vermisste Interpol-Chef Meng ist laut der Polizeibehörde mit "sofortiger Wirkung" zurückgetreten. Chinesische Antikorruptionswächter gaben unterdessen bekannt, Meng stehe "unter Aufsicht".
Meng Hongwei, Interpol-Präsident unter Korruptionsverdacht

Meng Hongwei, Interpol-Präsident unter Korruptionsverdacht

Foto: Wong Maye-E/ dpa

Die internationale Polizeibehörde Interpol hat den Rücktritt ihres seit Tagen vermissten Präsidenten Meng Hongwei bekannt gegeben. Es sei eine Rücktrittserklärung Mengs mit "sofortiger Wirkung" eingegangen, teilte Interpol am Sonntagabend in Lyon mit. Zuvor hatte China bekannt gegeben, gegen Meng zu ermitteln - er wird seit einer Reise nach China Ende September vermisst.

"Heute, Sonntag, 7. Oktober, hat das Interpol Generalsekretariat in Lyon, Frankreich den Rücktritt von Herrn Meng Hongwei als Präsident von Interpol mit sofortiger Wirkung erhalten", hieß es in einer Erklärung. Darin teilte die Interpol zudem mit, dass der Südkoreaner Kim Jong Yang sein Nachfolger wird. Während eines Treffens in Dubai vom 18. bis 21. November würde die Organisation einen neuen Präsidenten ernennen.

Zuvor hatte die chinesische Behörde für Korruptionsermittlungen mitgeteilt, Meng werde verdächtigt, gegen Gesetze verstoßen zu haben. Er stehe unter "Aufsicht", hieß es weiter - damit ist in der Regel gemeint, dass er festgehalten wird. Meng ist auch Vizeminister für öffentliche Sicherheit seines Heimatlandes. Was ihm vorgeworfen wird, blieb zunächst offen.

Seine Frau hatte ihn vergangene Woche bei den französischen Behörden als vermisst gemeldet, weil sie nichts von ihm gehört hatte, seit er vor zwei Wochen nach China  gereist war. Besorgt hatte sie sich an die Öffentlichkeit gewandt: "Diese Angelegenheit betrifft die internationale Gemeinschaft", sagte sie in Lyon, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete. Sie habe dabei aus Sorge um ihre Sicherheit den Kameras den Rücken zugedreht und mit zitternder Stimme gesprochen. Die Frau berichtete demnach, dass ihr Mann in seinen letzten Nachrichten am 25. September zuerst geschrieben, dass sie auf seinen Anruf warten soll - und dann ein Messer-Symbol hinterhergeschickt habe.

Xis umstrittener Kampf gegen Korruption

Interpol hatte am Samstag von China eine Klarstellung zum "Status" seines Präsidenten gefordert, dessen Amtszeit regulär bis 2020 gedauert hätte. Die internationale Organisation hat ihren Sitz im französischen Lyon.

Wenn in der Vergangenheit hochrangige Mitglieder der chinesischen Regierung wie jetzt Meng aus der Öffentlichkeit verschwunden waren, hatte das häufig etwas mit Untersuchungen wegen Korruption oder anderen Disziplinarvergehen zu tun. Die Betroffenen werden dann an einem geheimen Ort praktisch unter Hausarrest gesetzt.

Kritiker werfen dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping vor, die Antikorruptionskampagne auch zur Beseitigung politischer Gegner und zur Festigung seiner Macht zu missbrauchen. Im Zuge des von Xi initiierten Kampfes gegen die Korruption sind laut offiziellen Angaben in den vergangenen fünf Jahren mehr als 1,3 Millionen Beamte und Politiker auf allen Ebenen bestraft worden.

Die französische Justiz in Lyon hatte wegen Mengs Verschwinden eine Untersuchung eingeleitet. Mengs Frau wurde unter Polizeischutz gestellt, wie AFP unter Berufung auf das Pariser Innenministerium meldete: Sie habe von Drohungen über soziale Netzwerke und per Telefon berichtet hatte.

Interpol ist die wichtigste internationale Polizeiorganisation der Welt. Die 192 Mitgliedstaaten tauschen unter anderem Informationen zu gesuchten Personen aus.

Meng war 2016 als erster Chinese zum Interpol-Präsidenten gewählt worden - eine international durchaus umstrittene Personalie. Sie hatte vor allem unter Menschenrechtlern Besorgnis ausgelöst. Amnesty International warf China damals vor, schon lange zu versuchen, Interpol für die Fahndung nach chinesischen Dissidenten und Aktivisten zu benutzen.

lie/cht/Reuters/AFP