China Ehefrau besucht Nobelpreisträger im Gefängnis

Anderthalb Tage lang sorgte sich die Welt, wo die Ehefrau von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo steckt - jetzt gibt es wieder Lebenszeichen von ihr. Einer Menschenrechtsorganisation zufolge hat sie ihren Mann im Gefängnis besucht. Und ihm offensichtlich von seiner Ehrung berichtet.

Chinesischer Bürger vor dem Gefängnis in Jinzhou: Kerker des Nobelpreisträgers
AFP

Chinesischer Bürger vor dem Gefängnis in Jinzhou: Kerker des Nobelpreisträgers


Peking - Das Treffen zwischen Liu Xiaobo und Liu Xia hat im Gefängnis Jinzhou in der nordostchinesischen Provinz Liaoning stattgefunden, am Sonntagnachmittag Ortszeit. Das teilte die Organisation Informationszentrum für Menschenrechte und Demokratie in Hongkong unter Berufung auf Familienangehörige mit.

Es gilt dennach als wahrscheinlich, dass Liu Xia ihren Ehemann über die Auszeichnung informieren konnte. Für die Eheleute ist es das erste Treffen seit Lius Verhaftung im Dezember 2008. Das Gefängnis liegt etwa 500 Kilometer von Peking entfernt.

Dem chinesischen Dissidenten und Menschenrechtler Liu Xiaobo war am Freitag in Oslo der diesjährige Friedensnobelpreis zuerkannt worden. Er verbüßt eine insgesamt elfjährige Haftstrafe wegen "Untergrabung der Staatsgewalt".

Die Familie und der Anwalt des Aktivisten waren in Sorge um Liu Xia, nachdem ihr Mobiltelefon seit Freitagabend unerreichbar gewesen ist. Die Angehörigen befürchteten, Lius Ehefrau könne von der Polizei ebenfalls inhaftiert oder unter Hausarrest gestellt worden sein.

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Liu Xiaobo: Friedensnobelpreis für den Dissidenten
Am Freitagabend hatte Liu Xia der Nachrichtenagentur AFP am Telefon gesagt, sich in Begleitung von Polizisten zu befinden, die sie nach Liaoning bringen würden. Danach hörte man nichts mehr von ihr. Auch SPIEGEL ONLINE hatte am Samstag mehrmals erfolglos versucht, mit Liu zu telefonieren.

Die 50-Jährige hatte sich am Freitag besorgt gezeigt, dass sie nach dem Besuch im Gefängnis vielleicht nicht nach Peking zurückkehren könne. Das Hongkonger Informationszentrum berichtete jedoch, dass Liu Xia am Montag nach Peking zurückkehren soll.

"Eine starke Botschaft"

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bor/AFP

insgesamt 32 Beiträge
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born47 10.10.2010
1. Friedensnobelpreis
Liu Xiaobo täte gut daran diese Lobhudelei abzulehnen um zu beweisen dass es ihm wirklich um Menschenrechte, Demokratie und Freiheit fürs Volk geht denn die Preisverleiher faseln nur davon und handeln weltweit entgegengesetzt.
wkawollek 10.10.2010
2. Die Hoffnung stirbt zuletzt
Auch wenn das gegenwärtige Regime unerschütterlich scheint - gesponsert auch vom geschäftstüchtigen Westen - die Geschichte zeigt uns die Endlichkeit Tausendjähriger Reiche. Leider profitieren häufig nur die Nachkommen vom Mut derjenigen, die ohne Rücksicht auf die eigene Person Haltung zeigen. Die übergroße Mehrheit - mich natürlich eingeschlossen - geht lieber 'Kompromisse' ein.
xtrigger 10.10.2010
3. Eigentlich...
dass die Lius Frau ihn besuchen und von der Nachricht mitteilen konnte ist eigentlich schon mehr als ich dachte hätte.
garfield, 10.10.2010
4.
Zitat von xtriggerdass die Lius Frau ihn besuchen und von der Nachricht mitteilen konnte ist eigentlich schon mehr als ich dachte hätte.
Jetzt überraschen Sie mich aber. So wie Sie hier im anderen Thread im Sinne der chinesischen Regierung argumentiert haben, muss das doch für Sie nur folgerichtig sein, weil die chinesische Regierung ja stets nur das Beste für ihre Bevölkerung im Sinn hat. Wenn ich als Unterstützer der Verleihung des Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo über die Besuchsmöglichkeit überrascht bin, passt das eher zusammen. Man könnte aber auch sagen, es ist schon sehr bezeichnend, wenn Sie sich als Regimeunterstützer eben DOCH der sonst üblichen unmenschlichen Besuchspraxis bewusst sind (laut Artikel der erste Besuch seit seiner Verhaftung 2008) und trotzdem die "Fahne hochhalten".
Europa! 10.10.2010
5. Kann schon verstehen, dass
die Ehefrau von Liu Xiaobo keine Lust hatte, mit der westlichen Presse zu reden.
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