China Erstmals Proteste gegen Irak-Krieg erlaubt

Chinas Behörden haben erstmals Proteste gegen den Krieg im Irak zugelassen - wenn auch nur in kleinem Rahmen. Mehrere Tausend Menschen gingen dagegen in Indonesien auf die Straße.


Peking - Etwa 200 Ausländer zogen am Sonntag mit Plakaten wie "Kein Krieg für Öl" und Sprechchören wie "Stoppt den Krieg" zur Residenz des amerikanischen Botschafters in Peking.

Die Polizei genehmigte zum ersten Mal auch eine Demonstration von Chinesen in einem Park im Osten der Stadt. Ferner gab es auf dem Gelände der Peking Universität Proteste von Studenten, wie aus Polizeikreisen zu erfahren war.

Da Chinas Behörden jede Demonstration grundsätzlich als Gefahr für die soziale Stabilität betrachten, war die Erlaubnis für die Protestzüge ungewöhnlich. Die Demonstration der Ausländer nahe der Botschaften der USA und Großbritanniens war begleitet von einem starken Polizeiaufgebot. Die Teilnehmerzahl war behördlich begrenzt. "Wir repräsentieren nur eine kleine Zahl jener in der internationalen Gemeinschaft in China, die diesen Akt blinder Rache und mörderischer Torheit verurteilen", kritisierten die Organisatoren den Irak-Krieg.

Streng abgeschirmter Protest

"Während heute so genannte schlaue Raketen unschuldige Kinder einäschern, werden viele ihrer Geschwister zum Hass und zu künftigem Terror konvertieren." Auch das chinesische Volk fürchte zu Recht eine Welt, in der militärische Macht nicht durch Vernunft und Gerechtigkeit gezügelt werde, hieß es in einem Flugblatt. Der streng abgeschirmte Protest wurde begleitet von neugierigen Passanten. "Wir haben Angst, wie diese Leute hier unsere Meinung zu äußern", sagte ein Chinese. "Die Gefühle der Chinesen müssen im Geheimen bleiben."

Diplomaten vermuten, dass Chinas Regierung, die den Irak-Krieg als Verstoß gegen die Uno-Charta verurteilt hat, die Proteste im kleinen Rahmen halten wolle. Eine Wiederkehr der gewalttätigen anti-amerikanischen Demonstrationen wie 1999 nach der Bombardierung der chinesischen Botschaft durch die NATO in Belgrad solle verhindert werden. Ob die Aktionen an der Peking Universität, die 1989 Schauplatz der später blutig niedergeschlagenen Demokratiebewegung war, auch offiziell genehmigt waren, blieb unklar. Doch wurden sie geduldet, da selbst Polizeikreise kein Geheimnis daraus machten. "Die Studenten organisieren das selbst", sagte ein Beamter der dpa.

Großdemonstration in Indonesien

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta haben am Sonntag zehntausende Demonstranten gegen den von den USA geführten Irak-Krieg protestiert.

Bis zum späten Morgen war die Zahl der Teilnehmer Augenzeugen zufolge auf mindestens 100.000 Menschen angewachsen, die auf die US-Botschaft in Jakarta zumarschierten. Die Organisatoren sprachen von 250.000 Demonstranten. Mehrere hundert Polizisten bildeten einen Sicherheitskordon vor der schwer gesicherten US-Vertretung.

Einige Demonstranten trugen Fotos irakischer Zivilopfer des Kriegs mit sich. Viele Demonstranten wandten sich direkt gegen US-Präsident George W. Bush. Schilder mit der Aufschrift "Bush - Kriegsverbrecher" waren zu sehen. In Deutschland waren am Samstag knapp hunderttausend Menschen gegen den Krieg in Irak auf die Straße gegangen.

Exilkubaner für Krieg

Demonstranten für den Krieg fanden sich dagegen in Miami (USA). Rund 30 000 Menschen, in ihrer Mehrzahl Exilkubaner, hingen dort am Samstag aud die Straße. Zugleich sprachen sie sich gegen jeden Dialog mit dem kommunistischen Kuba aus.

"Freiheit für Kuba und für den Irak, dies ist unsere Parole", sagte die in Kuba geborene Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus, Ileana Ros Lehtinen. Die Demonstration war ursprünglich nur als Protestmarsch gegen den kubanischen Staats- und Parteichef Fidel Castro geplant. Erst in der vorigen Woche wurde der Irak-Krieg in den Aufruf mit einbezogen.

Die in den USA lebende Exilkubaner sind in der Frage des Umgangs mit der kommunistischen Regierung in Havanna gespalten. In den vergangenen Jahren haben die Befürworter eines Dialogs Zulauf gewonnen. Ihnen stehen die unversöhnlichen rechten Hardliner gegenüber. Wegen der Vermengung der Themen Kuba und Irak war allerdings unklar, ob die Zahl der Demonstranten am Samstag tatsächlich deren Stärke widerspiegelte.

"Wir hoffen, dass sich die Vereinigten Staaten nach dem Irak auch Kuba vorknöpfen, denn es ist Zeit, mit allen Kommunisten aufzuräumen", sagte Armando Pérez Roura, Direktor eines der spanischsprachigen Radiosender in Miami der dpa.

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