Südsudan Peking fürchtet um Ölschätze - und spielt den Schlichter

Der Südsudan hat das Öl, China das Geld. Doch die blutigen Kämpfe stören die Öllieferungen aus Afrika. Deshalb spielt Peking nun den Friedensvermittler zwischen Rebellen und Regierung.

Öllieferung nach China: Kämpfe legen Ölfelder im Südsudan lahm
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Öllieferung nach China: Kämpfe legen Ölfelder im Südsudan lahm


Addis Abeba - Chinesische Unternehmen erwarten sich viel von den Friedensverhandlungen im Südsudan. Sogar der chinesische Außenminister Wang Yi schwang sich nun zum Friedensvermittler auf. Als "Freund des Südsudans" forderte er ein sofortiges Ende des blutigen Konflikts. Bei seinem sechstägigen Amtsbesuch in Äthiopien, Dschibuti, Ghana und im Senegal will Chinas Vertreter schaffen, was seit Wochen unmöglich scheint: Rebellen und Regierungsvertreter einen Waffenstillstand abzuringen.

Aus reiner Nächstenliebe geschieht das nicht. Vielmehr fürchtet die chinesische Führung um die Sicherheit ihrer weitverzweigten und lukrativen Ölvorkommen im Südsudan. Denn das umkämpfte Land in Ostafrika ist in nur wenigen Jahren zum zweitwichtigsten Erdöllieferanten in Afrika aufgestiegen - nach Angola. Erst 2001 machten Arbeiter in der Region die größten Ölvorkommen ausfindig, China investierte prompt.

Doch nun plagen Wang Yi und die staatlichen chinesischen Ölkonzerne Sinopec und die China National Petrolium Corporation (CNPC) große Sorgen: Seit sich Südsudans Präsident Salva Kiir und sein ehemaliger Stellvertreter Riek Machar Anfang Dezember in blutigen Auseinandersetzungen bekriegen, sind die Öllieferungen aus Afrika nach China um ein Fünftel zurückgegangen. Dies erklärte der Außenminister bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der Friedensgespräche in Addis Abeba.

Seit Wochen legen die Streitigkeiten zwischen Rebellen und Regierungssoldaten die Ölproduktion in den rohstoffreichen Gebieten Jonglei und Unity im Norden Südsudans lahm. Schon Ende Dezember mussten die Chinesen wegen anhaltender Kämpfen den Großteil der Ölförderungen einstellen. Chinesische Arbeiter wurden nach Khartum in den Sudan evakuiert, nur eine Notbesetzung zum Schutz der Anlage blieb in Bor, der Hauptstadt der Region Jonglei.

Eigentlich hält sich Peking traditionell aus Konflikten heraus, selbst in afrikanischen Ländern, mit denen es wichtige Handelsbeziehungen unterhält. Doch angesichts der wirtschaftlichen Auswirkungen scheint das Interesse, einen Bürgerkrieg zu vermeiden, in diesem Fall die Zurückhaltung zu übersteigen.

Hauptsache, Öl fließt

Lukrative Lizenzen zur Ausbeutung der Rohstoffe und Nutzung der Ölfelder sind fast schon eine Prämisse in den diplomatischen Beziehungen zwischen China und dem Südsudan. Hauptsache, das Öl fließt.

Doch auch der Südsudan will die Handelsbeziehungen nicht riskieren: Die Einnahmen aus dem chinesischen Handel füllen die Haushaltskasse des kriegsgebeutelten Landes, zusätzlich bekommt es zinsgünstige Kredite in Milliardenhöhe für Bauvorhaben. Und im Gegensatz zum Westen, der zumindest auf dem Papier gute Regierungsführung, Rechtsstaatlichkeit, Korruptionsbekämpfung und den Schutz der Menschenrechte einfordert, knüpft China kaum Konditionen an seine Vertragspartner. So waren die bürgerkriegsähnlichen Zustände in den Regionen der chinesischen Regierung erst von Belang, als sie die Sicherheit der Ölfelder gefährdeten.

Chinas ökonomische Offensive in Afrika begann schon vor über zehn Jahren, das Handelsvolumen betrug 2012 mehr als 200 Milliarden Dollar. Ertragsreichste Exportschlager Afrikas: Rohöl, Holz und seltene Metalle. Peking stieg rasch zum wichtigsten Wirtschaftspartner Afrikas auf, es hat die alten Großmächte - Großbritannien, Frankreich, die USA - schon längst überholt.

Chinas Geschenk an Afrika

So investierten chinesische Unternehmen allein zwischen Januar und Oktober 2013 mehr als 172 Milliarden Dollar in die Erneuerung und den Ausbau der Infrastruktur in Afrika. Selbst das Gebäude der Afrikanischen Union in Addis Abeba bauten die ausländischen Unternehmer als "Chinas Geschenk an Afrika". Mittlerweile sind mehr als 2000 chinesische Firmen und mehr als eine Million chinesische Staatsbürger in den Subsahara-Staaten aktiv.

Ganze Städte sind auf die Ingenieure, Unternehmer und Hilfsarbeiter aus Fernost ausgerichtet: In Addis Abeba gibt es unzählige Restaurants und Geschäfte, die chinesische Produkte vertreiben. Straßennamen werden in chinesischen Schriftzeichen ausgewiesen, selbst die Straßenschilder sind aus chinesischer Produktion.

cth/Reuters

insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
reuanmuc 07.01.2014
1.
Zitat von sysopAFPDer Südsudan hat das Öl, China das Geld. Doch die blutigen Kämpfe stören die Öllieferungen aus Afrika. Deshalb spielt Peking nun den Friedensvermittler zwischen Rebellen und Regierung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/china-fordert-friedensgespraeche-im-suedsudan-wegen-oellieferungen-a-942283.html
So ist das eben, mit dem Wohlstand wächst die Abhängigkeit und damit wächst die Verantwortung in der Welt. China kann sich nicht mehr aus allem raushalten, wenn der wirtschaftliche Handel in Gefahr ist, und den schwarzen Peter den USA und Europa überlassen. Das lässt sich auf Dauer nicht loslösen von den Menschenrechten und von Demokratie. Das ist gut so, auch im Hinblick auf Putins Phantasien und auf Nordkoreas Selbstmordpolitik. Der Weltfrieden wird dadurch stabiler, auch wenn Konflikte nie ausgeschlossen werden können.
jautaealis 07.01.2014
2. China verfolgt innen- wie außenpolitisch ...
... eine der weisesten Politiken weltweit – so dass es den Schlichter nicht "spielen" muss, sondern wie kaum ein anderer Staat dazu geeignet und vorherbestimmt ist!
Gott steh uns bei... 07.01.2014
3. China als Paradebeispiel?!
.. Frieden ist immer gut. Egal ob er jetzt aus wirtschaftlichen Interessen oder reiner nächsten Liebe resultiert. ABER China verfolgt doch weder innen- noch aussenpolitisch weise Ziele!!! also bitte..
cum infamia 07.01.2014
4. China will Frieden schaffen
Was soll da die penetrante Häme des Spiegel, wenn eine Großmacht Frieden schafft ? Andere Großmächte, die das auch gern möchten, werden nicht mit Worten wie " spielt Schlichter"- " " nicht aus reiner Nächstenliebe " - " schwingt sich zum Friedensvermittler auf " - " Hauptsache, Öl fließt "- belegt, obwohl das dort wohl bedeutend angebrachter wäre ! Man nenne mir einen Staat, der aus Nächstenliebe handelt - nicht einmal der Vatikan !
Afrojüdischer_Sozi-Sinti 07.01.2014
5. chinas engagement in afrika...
Natürlich handelt die Chinesische Regierung in ihrem eigenem Interesse. Aber das macht sie irgendwie konstruktiver als andere Supermächte.
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