Protest gegen Kriegsschrein-Besuch China bestellt Japans Botschafter ein

China und Südkorea protestieren - dennoch haben japanische Kabinettsmitglieder zum Jahrestag der Kapitulation im Zweiten Weltkrieg den umstrittenen Yasukuni-Schrein besucht. Dort werden auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt. Die Angst vor dem Rechtsruck der Regierung wächst.

Pilger vor dem umstrittenen Yasukuni-Schrein in Tokio: Ehrung für 2,5 Millionen Kriegstote
AP/dpa

Pilger vor dem umstrittenen Yasukuni-Schrein in Tokio: Ehrung für 2,5 Millionen Kriegstote


Tokio - Knapp 68 Jahre ist es her, dass Japan im Zweiten Weltkrieg kapituliert hat. Um diesem Tag zu gedenken, haben mehrere Mitglieder der Regierung den Yasukuni-Schrein in Tokio besucht. Dort werden 2,5 Millionen Tote geehrt - allerdings auch mehrere Kriegsverbrecher, die wegen Gräueltaten in China verurteilt wurden. Die Besuche an der Gedenkstätte sind deshalb extrem umstritten.

Das chinesische Außenministerium bestellte den japanischen Botschafter ein, um gegen den Umgang Japans mit der Weltkriegsgeschichte zu protestieren. Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua warf der japanischen Regierung vor, mit ihrem beunruhigenden Rechtsruck zu weit gegangen zu sein. Japans Nachbarn hätten Angst vor einer "gefährlichen Wiederbelebung seiner militaristischen Vergangenheit".

Ein Sprecher des südkoreanischen Außenministeriums hatte bereits im Vorfeld der Pilgerreise gesagt: "Unsere Regierung und unser Volk werden diese Besuche niemals akzeptieren."

Yasukuni bedeutet "der Nation Frieden bringen". Der Schrein wurde 1869 auf Wunsch von Kaiser Meiji errichtet. In einem Museum für Kriegs- und Militärgeschichte auf dem Schrein-Gelände wird der Zweite Weltkrieg gerechtfertigt und verherrlicht. Die Seelen, derer gedacht wird, gelten als Seelen von Helden, nicht von Opfern. Vor allem China und Südkorea hatten unter den japanischen Aggressionen im Zweiten Weltkrieg zu leiden.

Die Beziehungen zwischen Japan und China sind ohnehin angespannt, die Länder streiten um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer. Wohl auch deshalb verzichtete der rechtskonservative Regierungschef Shinzo Abe auf eine Reise zum Schrein. Japanische Nachrichtenagenturen berichteten allerdings, dass er rituelle Gegenstände gespendet habe - und es bedauere, nicht in das Heiligtum pilgern zu können.

Die konservative Regierung in Tokio erwägt derzeit eine Änderung seiner Verfassung, will endlich reguläre Streitkräfte - und versteigt sich dabei zu Nazi-Vergleichen. Premier Abe ist seit Ende Dezember 2012 im Amt und rüstet seither mit Worten und Waffen gegen China auf. Selbst die Schutzmacht USA fürchtete zu seinem Amtsantritt, dass Abes Kabinett Spannungen in Ostasien verstärken könnte.

aar/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
dr.u. 15.08.2013
1. Gedenken
Zitat von sysopAP/dpaChina und Südkorea protestieren - dennoch haben japanische Kabinettsmitglieder zum Jahrestag der Kapitulation im Zweiten Weltkrieg den umstrittenen Yasukuni-Schrein besucht. Dort werden auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt. Die Angst vor dem Rechtsruck der Regierung wächst. http://www.spiegel.de/politik/ausland/china-protestiert-gegen-besuche-in-japans-kriegstotenschrein-a-916708.html
Den Gefallenen aus dem/den Weltkriegen zu gedenken ist keine Schande; solange man verurteilte Kriegsverbrecher ausnimmt und das Ganze nicht zu einer verklärten Helden-Verehrung verzerrt wird. Man kann dieses Gedenken auch nutzen, um sich der Gräultaten des Krieges wieder bewußt zu werden, wo man Täter und Opfer (Nagasaki, Hiroschima) war, auf dass etwas ähnliches nie wieder passieren möge.
karlemann1, 15.08.2013
2. Aus echtem Interesse
welche Beschuldigungen sind denn falsch? Bitte aufzählen1.) 2.) 3.) usw.
der_namenslose 15.08.2013
3.
Zitat von sysopAP/dpaChina und Südkorea protestieren - dennoch haben japanische Kabinettsmitglieder zum Jahrestag der Kapitulation im Zweiten Weltkrieg den umstrittenen Yasukuni-Schrein besucht. Dort werden auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt. Die Angst vor dem Rechtsruck der Regierung wächst. http://www.spiegel.de/politik/ausland/china-protestiert-gegen-besuche-in-japans-kriegstotenschrein-a-916708.html
Das es mit der japanischen "Aufarbeitung" der Verbrechen im 2ten Weltkrieg hakt ist unbstritten. Trotzdem ist dieses Geschrei jetzt unangebracht. China benimmt sich gegenüber seinen Nachbarländern wie der Elefant im Porzellanladen, hat seine eigene Vergangenheit nicht im geringsten aufgearbeitet und vererht ebenso Kriegsverbrecher. Mao hat weitaus mehr Menschen getötet als die japanischen Truppen. Dieses entschuldigt die japanischen Verbrechen genau so wenig wie es die magelnde Aufarbeitung entschuldigt. Es setzt die Geschenisse aber in eine Relation, die die chinesische Reaktion entlarvt. China macht seinen Nachbarn klar wer in der Region das Sagen haben will.
barstow 15.08.2013
4.
Bitte vergessen Sie nicht die knallharten wirtschaftlichen Interessen hinter dem ganzen Thema. Überlegen Sie mal der Geldstrom, den z.B. Guido Knopps Geschichtsnachhilfe bringt, die unzähligen "sensationellen " Entdeckungen zum Thema 33-45 die schwer vermarktet werden. Die unzähligen NEdrucke pünktlich zu Weihnachten, die Bauindustrie die von der Erhaltung und Neubau von Gedenkstätten lebt, der Geldtransfere an Überlebende, die ausbleibenden Themen bei Whlkämpfen und nicht zuletzt das letzte große Argument, wenn man eine Sichtweise nicht durchbekommt. Wie oft dürfen wir hören " wollt ihr etwa wieder wie damals..." Was erwarten Sie da?
Mertrager 15.08.2013
5. Jeder...
provoziere, so gut er kann. Irgendwann wird es dann krachen.
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