Machtdemonstration China provoziert mit Flugzeugträgerfahrt vor Taiwan

Eine Woche vor dem Besuch von US-Vizepräsident Biden demonstriert Peking erneut seine Macht auf See. Der Flugzeugträger "Liaoning" ist an Taiwan vorbeigesteuert und nimmt Kurs auf das Südchinesische Meer - dort streitet China mit mehreren Nachbarn um Inselgruppen.

AP/ Xinhua

Peking - Die Worte des chinesischen Präsidenten lesen sich wie eine Drohung. "Wir lieben Frieden, aber das bedeutet nicht, dass wir unsere nationalen Interessen aufgeben", sagte Xi Jinping im Sommer bei einer Rede vor dem Politbüro. Eben diese nationalen Interessen, die das Land im Pazifik anmeldet, sorgen zurzeit für erhebliche Spannungen mit den asiatischen Nachbarn - und den USA.

Die Übungsfahrt des Flugzeugträgers "Liaoning" dürfte die Konflikte weiter verschärfen. Das Schiff steuerte am Donnerstag an Taiwan vorbei, meldet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Es nahm Kurs auf das Südchinesische Meer - das Gebiet von annähernd zwei Millionen Quadratkilometern ist wirtschaftlich und militärisch sehr wichtig. Das Südchinesische Meer verbindet den Indischen Ozean mit dem Pazifik, über die angrenzenden Seestraßen wird mehr als die halbe Jahres-Tonnage aller Handelsmarinen der Welt verschifft und ein Drittel des gesamten Seeverkehrs abgewickelt.

Peking streitet dort mit mehreren Nachbarstaaten um Inselgruppen - unter anderem mit Malaysia und Vietnam, aber auch mit Taiwan. Die "abtrünnige Provinz" ist von zentraler Bedeutung für China. Mit dem "Anti-Abspaltungsgesetz" hat Peking festgeschrieben, dass es auf eine Unabhängigkeitserklärung Taiwans mit "nicht-friedlichen Mitteln" reagieren könne.

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Chinas Marine: Ärger im Pazifik

Chinas Marine sprach am Donnerstag lediglich von einem "normalen" Übungseinsatz des Flugzeugträgers, der bislang nur Ausbildungszwecken dient und von zwei Kreuzern und zwei Fregatten begleitet wird.

Die erste Übungsfahrt des Schiffes in das Seegebiet kommt wenige Tage vor dem Besuch von US-Vizepräsident Joe Biden, der in der kommenden Woche in Japan, China und Südkorea Station macht.

Grafik: Chinas Seestreitmacht
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Grafik: Chinas Seestreitmacht

Biden hat angekündigt, die Führung in Peking von der umstrittenen Luftverteidigungszone über dem Ostchinesischen Meer abbringen zu wollen. Ein Vertreter der US-Regierung sagte, dass Biden seine Gesprächspartner auf ein "entstehendes Verhaltensmuster" hinweisen werde, das von Chinas Nachbarn als "beunruhigend" empfunden werde und das Fragen über das chinesische Vorgehen in internationalen Beziehungen aufwerfe.

Hinter der Luftverteidigungszone steht ein Streit zwischen China und Japan um eine unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer. Peking erhebt seit Jahren Anspruch auf die von Tokio kontrollierten Inseln, die in Japan Senkaku und in China Diaoyu genannt werden.

Das chinesische Verteidigungsministerium hatte am Samstag erklärt, die Luftverteidigungszone solle dem "Schutz vor möglichen Luftangriffen" dienen. Jede durchfliegende Maschine soll sich künftig anmelden.

Die US-Regierung hat deutlich gemacht, dass sie die einseitig von China geschaffenen Regeln nicht akzeptiert. In der Nacht zum Dienstag durchbrach das US-Militär die Luftverteidigungszone demonstrativ und ließ zwei Bomber vom Typ B-52 durch das Gebiet fliegen.

Seoul ruft Peking zu Umkehr auf

"Das war eine Show of Force", sagt Robert Kaplan, einflussreicher Publizist und früherer Berater des Pentagon. Dass die USA zu solch einer Aktion zur Unterstützung Japans griffen, zeige, wie unsicher die Region mittlerweile eingeschätzt werde. Die USA sind de facto Japans Schutzmacht, rund 50.000 US-Soldaten sind heute auf dem Territorium des einstigen Feindes aus dem Zweiten Weltkrieg stationiert.

China wurde über das Manöver der amerikanischen B-52-Bomber nicht vorab informiert. Das Verteidigungsministerium in Peking reagierte verhalten und teilte am Mittwoch mit, die beiden US-Flugzeuge seien "beobachtet" und "identifiziert" worden.

Südkorea rief Peking am Donnerstag zu Korrekturen auf. Im Rahmen des "strategischen Dialogs" beider Länder im Verteidigungsbereich habe Seoul deutlich gemacht, dass es die neue Zone nicht anerkenne, meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Die Zone reiche in den südkoreanischen Überwachungsgürtel hinein, auch schließe Chinas neu geschaffene Zone einen von Südkorea kontrollierten, unter Wasser gelegenen Felsen ein.

Doch China will sich vom eingeschlagenen Kurs offenbar nicht abbringen lassen. "Während China wächst, wächst auch die Macht auf See", sagt Ren Xiao, Direktor des wissenschaftlichen Zentrums für Chinesische Außenpolitik an der Fudan University und ein früherer, damals in Japan stationierter Diplomat. "Chinas Nachbarn sollten darauf vorbereitet sein und sich daran gewöhnen."

kgp/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 133 Beiträge
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Olaf 28.11.2013
1. Imperium Sinae?
Zitat von sysopAP/dpaEine Woche vor dem Besuch von US-Vizepräsident Biden demonstriert Peking erneut seine Macht auf See. Der Flugzeugträger Liaoning ist an Taiwan vorbeigesteuert und nimmt Kurs auf das Südchinesische Meer - dort streitet China mit mehreren Nachbarn um Inselgruppen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/china-provoziert-mit-flugzeugtraegerfahrt-vor-taiwan-a-936062.html
Wir dürfen also miterleben wie sich ein neues Imperium erhebt. Zumindest versucht es das. Hoffentlich wird hier nicht die Saat für den nächsten Weltkrieg gelegt.
kabian 28.11.2013
2. Spiel mit dem Feuer
Zitat von OlafWir dürfen also miterleben wie sich ein neues Imperium erhebt. Zumindest versucht es das. Hoffentlich wird hier nicht die Saat für den nächsten Weltkrieg gelegt.
Die Saat für den nächsten Weltkrieg haben die USA schon lange gelegt. Immer wieder hat die USA erfolgreich gezockt. Vielleicht trifft sie mit China auf einen ebenbürtigen Gegner. Dazu muss man noch sagen das China die USA nur kopieren. Wirtschaftlich, politisch und auch militärisch. Und das ist eben das gefährliche.
swpi 28.11.2013
3. Kindergarten
Dieser ständige schwanzlängenvergleich der einzelnen Nationen ist echt ein Kindergarten. Und das nennt man eine modrne Gesellschaft.
auweia 28.11.2013
4. Provokation?
Zitat von sysopAP/dpaEine Woche vor dem Besuch von US-Vizepräsident Biden demonstriert Peking erneut seine Macht auf See. Der Flugzeugträger Liaoning ist an Taiwan vorbeigesteuert und nimmt Kurs auf das Südchinesische Meer - dort streitet China mit mehreren Nachbarn um Inselgruppen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/china-provoziert-mit-flugzeugtraegerfahrt-vor-taiwan-a-936062.html
Jetzt haben sie ein neues Spielzeug, dann wollen sie es auch benutzen. Die Chinesen kommen wir vor wie Hundebesitzer im Stadtpark -"Der tut nix, der will nur spielen." Die Passanten sind vom Rottweiler dennoch etwas eingeschüchtert.
Caleño 28.11.2013
5. Wenn das so schlimm ist - dann müssten die USA den Spiegel füllen
Der unumstrittene Meister des Flugzeugträger-Aufmarsches sind doch die USA - und dass in explosiveren Gegenden - man denke an die Küsten Koreas oder Irans - und die USA haben da auch schon mal Flugzeuge losgeschickt - Libyen - oder Passagierflugzeuge wegen eines Angriffsverdachts auf einen Kriegsschiff abgeschossen ... ein Airbus A300 im iranischen Hoheitsgebiet ... 1988 - ohne Entschuldigung der USA - im Gegenteil, der verantwortliche Kapitän wurde von Bush Senior mit dem Legion-of-Merit-Orden geehrt ... So betrachtet ist doch nichts geschehen ... auch bei der Provokation mit den B-52 Bombern ...
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