Proteste in Sonderverwaltungszone China sendet Warnung an Demonstranten in Hongkong

China wähnt ausländische Kräfte hinter den Protesten und droht, Abspaltungsversuche Hongkongs zu "zerquetschen". Aktivist Joshua Wong ist indes auf dem Weg nach Deutschland.

Demonstranten marschieren zum US-Konsulat, um internationale Unterstützung für ihre Protestbewegung zu gewinnen
Kin Cheung/ DPA

Demonstranten marschieren zum US-Konsulat, um internationale Unterstützung für ihre Protestbewegung zu gewinnen


Nach einem erneut gewaltsamen Protest-Wochenende in Hongkong warnt China die Demonstranten eindringlich vor weiteren Eskalationen. Die ehemalige britische Kronkolonie sei ein untrennbarer Teil der Volksrepublik, schrieben staatliche chinesische Medien. Jede Art von Abspaltungsversuchen würde "zerquetscht". Die Demonstranten sollten aufhören, die Geduld der Zentralregierung auf die Probe zu stellen, hieß es in der "China Daily".

Die Kundgebung am Sonntag beweise, dass ausländische Kräfte hinter den Protesten steckten, die seit dem 9. Juni oft für Zusammenstöße mit der Polizei sorgen. Tausende Demonstranten hatten Präsident Donald Trump vor dem US-Konsulat in der chinesischen Sonderverwaltungszone dazu aufgerufen, Hongkong "zu befreien".

Ungeachtet der Warnung demonstrierten Hunderte Schüler am Montag Solidarität mit der Protestbewegung. In mehreren Stadtteilen Hongkongs bildeten sie Menschenketten. Die Regierungsgegner fordern unter anderem die Freilassung aller festgenommenen Demonstranten. Die Demonstranten fürchten den Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong und setzen sich gegen die Polizeigewalt bei den Protesten ein. Für internationale Aufmerksamkeit sorgt der Fall des Aktivisten Joshua Wong, einem der bekanntesten Bürgerrechtler.

Aktivist Wong nach Festnahme wieder frei

Er war nach eigenen Angaben am Sonntag am Flughafen festgenommen worden und sollte noch am Montag vor Gericht erscheinen. Ihm würde der Verstoß gegen Kautionsauflagen vorgeworfen, schrieb er auf Twitter. Inzwischen ist der Aktivist wieder auf freiem Fuß und auf dem Weg nach Deutschland. Dort wird er zur Teilnahme an einer Veranstaltung im Dachgarten-Restaurant des Bundestags erwartet.

"Es war unnötig, dass sie mich für 24 Stunden festgehalten haben", sagte Wong. "Sie hätten mich schon gestern Nachmittag entlassen können."

Wong war bereits Ende August für einige Stunden festgenommen und auf Kaution wieder entlassen worden. Ihm wie seiner Mitstreiterin Agnes Chow wurde vorgeworfen, andere zur Teilnahme an einer illegalen Versammlung in der chinesischen Sonderverwaltungszone am 21. Juni animiert und selbst daran teilgenommen zu haben. Wong muss sich auch für die Organisation der Demonstration verantworten.

Bei seinem Besuch in Deutschland wird Wong kein Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel führen. "Die Bundeskanzlerin plant nicht, Herrn Wong zu treffen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

mfh/Reuters/dpa



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