Geostrategie China soll Geheimvertrag mit Kambodscha über Marinebasis geschlossen haben

Chinas Führung baut die Militärpräsenz des Landes weiter aus. Einem Medienbericht zufolge hat Peking mit der kambodschanischen Regierung vereinbart, einen Marinestützpunkt in dem Land nutzen zu können.

Chinesische Marinesoldaten bei einer Übung (Archivfoto)
Pu Haiyang/VCG/ picture alliance

Chinesische Marinesoldaten bei einer Übung (Archivfoto)


Gerüchte dazu gab es schon lange, nun soll es auch Beweise geben: China will in Kambodscha offenbar einen Marinestützpunkt nutzen. Nach Informationen des "Wall Street Journals" hat Peking einen Geheimvertrag mit Kambodscha darüber abgeschlossen. Demnach geht es um die Marinebasis Ream in der Provinz Sihanoukville im Süden des Landes. Der Vertrag soll zunächst einen Zeitraum von 30 Jahren umfassen, danach soll er um jeweils zehn Jahre immer wieder verlängert werden können.

Der Bericht stützt sich auf US-amerikanische Quellen, die das Papier eingesehen haben wollen. Demnach wurde eine erste Version des Vertrags bereits im Frühling dieses Jahres aufgesetzt. Eine solche Vereinbarung würde China die Möglichkeit geben, territoriale Ansprüche und wirtschaftliche Interessen im Südchinesischen Meer geltend zu machen und Verbündete der USA in der Region herauszufordern. Der Stützpunkt liegt am Golf von Thailand.

Kambodscha wies den Bericht am Montag mit den bekannten Argumenten zurück: "So etwas könnte nicht passieren, weil es gegen die kambodschanische Verfassung verstößt, ausländische Militärbasen zu beherbergen", sagte der kambodschanische Regierungschef Hun Sen der regierungsfreundlichen Website Fresh News. Ein Sprecher des kambodschanischen Verteidigungsministeriums sagte, der Bericht des "Wall Street Journals" sei erfunden und ohne jegliche Grundlage.

China ist der wichtigste Verbündete von Regierungschef Hun Sen und hat Milliarden an Entwicklungshilfe und Kredite an Kambodscha vergeben (mehr dazu lesen Sie hier). Das US-Verteidigungsministerium hatte Anfang Juli in einem Brief an Kambodscha hinterfragt, warum das Land ein Angebot zur Reparatur der Marinebasis ausgeschlagen hat und damit suggeriert, dass China einen Stützpunkt in dem Land suche. Die Opposition in dem südostasiatischen Land warnt schon lange vor einer geplanten Militärpräsenz Chinas in Kambodscha.

Das US-Außenministerium forderte Kambodscha auf, eine solche Vereinbarung zurückzuweisen. Das Land sei verfassungsrechtlich gegenüber seinem Volk verpflichtet, eine unabhängige Außenpolitik zu verfolgen.

vks/Reuters

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insgesamt 56 Beiträge
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Seite 1
HeutenurfürStammgäste 22.07.2019
1. Welche Marine
Was wollen die Chinesen denn da nutzen und für was. Für den Uralt Flugzeugträger russischer Bauart der über kein einziges Begleitschiff verfügt oder die chinesischen Zerstörer von denen keiner weiß was sie taugen. China wird unter keinen Umständen seinen 90 Prozent Gebietsanspruch auf das gelbe Meer durchsetzen können. Da hilft auch keine Marinebasis in Kambodscha.
smokiebrandy 22.07.2019
2. Also das geht gar nicht...
"Das US-Außenministerium forderte Kambodscha auf, eine solche Vereinbarung zurückzuweisen. Das Land sei verfassungsrechtlich gegenüber seinem Volk verpflichtet, eine unabhängige Außenpolitik zu verfolgen." Etwas ganz Anderes wäre es natürlich , wenn man den USA anbieten würde diese Basis zu nutzen ... eine asiatische Militärmacht mit einer asiatischen Militärbasis in einem asiatischen Land...das würde die Sicherheit aller nichtasiatischen Länder beeinträchtigen...
yvowald@freenet.de 22.07.2019
3. Wer ist der wirkliche "Schurkenstaat"?
Und wenn die USA das Gleiche tun, kräht kein Hahn danach. Wer ist denn der "Schurkenstaat"? Unter Trump doch wohl eher die Vereinigten Staaten von Amerika, oder?
xismus 22.07.2019
4. China - Kambodscha, Stützpunkt
Die USA unterhalten weltweit (Quelle: Wikipedia) , in jedem Winkel dieser Erde, damit in fast allen Ländern, über 1.000, in Worten eintausend, Militärbasen und Stützpunkte, Army, Air Force, Navy, Marine Corps, unterschiedlicher Stärke, Gattung und Ausrüstung. Diese Stützpunkte haben - Amerika First - neben der fliegenden Satelliten- Aufklärung, nachrichtendienstliche Aufgaben im Auftrag der vielen amerikanischen Dienste und Geheimdienste, also weltweite Spionage (Interessenswahrung), zu betreiben. Wenn SPON zum o.g. Thema berichtet, sollte der Hinweis zu den amerikanischen Stützpunkten zumindest nicht unerwähnt bleiben.
WielandBrohm 22.07.2019
5. Wo ist das Problem?
Wieviele Marinestützpunkte und Militärbasen außerhalb ihres Landes haben die USA? Ach so, das ist natürlich etwas ganz anderes! Schließlich fangen die USA auch keine Kriege an und sind ausschließlich, ich betone ausschließlich, zur Friedenssicherung vor Ort.
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