Bürgerrechtler China stellt Chen Ausreise in Aussicht

Im Fall des chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng deutet sich eine Lösung an. Der Oppositionelle könne sich um ein Studium im Ausland bewerben, erklärte das Außenministerium in Peking. Zuvor hatte sich der Bürgerrechtler in einem dramatischen Appell an den US-Kongress gewandt.

Chen Guangcheng in der US-Botschaft: "Er kann sich für ein Auslandsstudium bewerben."
Getty Images/ U.S. Embassy Beijing Press

Chen Guangcheng in der US-Botschaft: "Er kann sich für ein Auslandsstudium bewerben."


Peking/Washington - Im Ringen um den blinden chinesischen Bürgerrechtler Chen Guangcheng signalisiert die chinesische Führung Entgegenkommen: "Wenn er im Ausland studieren möchte, kann er sich über die üblichen Kanäle bei den relevanten Stellen dafür bewerben, in Übereinstimmung mit dem Gesetz. Genau wie jeder andere chinesische Bürger," sagte Liu Weimin, Sprecher des Außenministeriums am Freitag in Peking.

Aus Kreisen seiner Unterstützer heißt es, eine New Yorker Universität habe Chen zum Studium in die Vereinigten Staaten eingeladen.

Zuvor hatte sich der Dissident am Donnerstag telefonisch während einer Anhörung im US-Kongress gemeldet. Er wolle US-Außenministerin Hillary Clinton treffen, sagte er laut der Übersetzung des chinesischen Aktivisten Bob Fu, der an der Anhörung im Kapitol teilnahm. "Ich hoffe, von ihr mehr Hilfe zu bekommen. Ich möchte ihr zudem persönlich danken", sagte Chen. Clinton war am Freitag in Peking mit Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao und Regierungschef Wen Jiabao zusammengetroffen.

"Ich bin in ernster Gefahr"

In dem Telefonat, das der Oppositionelle von seinem Krankenbett in einem Pekinger Hospital aus führte, bekräftigte Chen seinen Willen, in die USA auszureisen. Er fürchte um die Sicherheit seiner Mutter und seiner Brüder.

Schon zuvor hatte der blinde Bürgerrechtler von massiven Drohungen gegen seine Familie berichtet. Seine Frau und seine beiden Kinder seien als Druckmittel benutzt worden, um ihn zum Verlassen der US-Botschaft in Peking zu zwingen. Dorthin hatte sich der Dissident in der vergangenen Woche geflüchtet, nachdem er aus monatelangem Hausarrest entkommen war.

Im Chaoyang-Krankenhaus, in dem sich Chen seit mehreren Tagen aufhält, wird der Oppositionelle von den Behörden abgeschirmt. Nur über das Telefon kann er derzeit Kontakt nach außen aufnehmen. In einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur dpa sagte Chen: "Ich bin in ernster Gefahr. Ich kann seit zwei Tagen nicht mit amerikanischen Diplomaten zusammentreffen. Sie versuchen, ins Krankenhaus zu kommen, aber werden nicht reingelassen."

syd/dpa

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Seite 1
deus-Lo-vult 04.05.2012
1. ...
Zitat von sysopGetty Images/ U.S. Embassy Beijing PressIm Fall des chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng deutet sich eine Lösung an. Der Oppositionelle könne sich um ein Studium im Ausland bewerben, erklärte das Außenministerium in Peking. Zuvor hatte sich der Bürgerrechtler in einem dramatischen Appell an den US-Kongress gewandt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,831259,00.html
Natürlich kann er sich bewerben. Die DDR Bürger konnten auch Ausreiseanträge stellen.
mr_smith 04.05.2012
2. Tja. Der Chen ist leider echt blind....
Zitat von sysopGetty Images/ U.S. Embassy Beijing PressIm Fall des chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng deutet sich eine Lösung an. Der Oppositionelle könne sich um ein Studium im Ausland bewerben, erklärte das Außenministerium in Peking. Zuvor hatte sich der Bürgerrechtler in einem dramatischen Appell an den US-Kongress gewandt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,831259,00.html
Vom Regen in die Traufe. Hoffentlich wird er von den Amis nicht nach Guantanamo gebracht. Normalerweise nimmt die US-Regierung doch keine Flüchtlinge auf. Sie erzeugt eher Flüchtlingsströme durch Ihre Kriege!
frankfurter_75 04.05.2012
3. Hoffentlich liest Chen
Zitat von mr_smithVom Regen in die Traufe. Hoffentlich wird er von den Amis nicht nach Guantanamo gebracht. Normalerweise nimmt die US-Regierung doch keine Flüchtlinge auf. Sie erzeugt eher Flüchtlingsströme durch Ihre Kriege!
Ihren wichtigen Hinweis vorab. Da wird er es sich überlegen und wohl doch lieber weiterhin eingesperrt bleiben. Vielleicht hat er die Info aber schon von einem der vielen US-Amerikaner bekommen, die sich ja zu zehntausenden als Asylsuchende in anderen Ländern aufhalten.
janne2109 04.05.2012
4. ..........
Zitat von mr_smithVom Regen in die Traufe. Hoffentlich wird er von den Amis nicht nach Guantanamo gebracht. Normalerweise nimmt die US-Regierung doch keine Flüchtlinge auf. Sie erzeugt eher Flüchtlingsströme durch Ihre Kriege!
natürlich nehmen die USA politische Flüchtlinge auf, wenngleich dieser Fall etwas merkwürdig für Außenstehende klingt. Wer bezahlt eigentlich den Aufenthalt der ganzen Familie in den USA?
Doctor Feelgood 04.05.2012
5. Ja - man kann nur staunen!
Der gute Mann bringt es fertig, aus einem chinesischen Krankenhaus heraus mit dem amerikanischen Kongress zu telefonieren - und das in einem Land, das angeblich dramatische Maulkörbe verhängt. Wie soll das gehen? Mit dem US-Kongress kann man nicht mal von hier aus einfach mal eben telefonieren - aber er kann es problemlos?? Wie soll das möglich sein? Wer hat ihm das sowohl technisch als auch beim Kongress ermöglicht? Wenn das kein abgekartetes Propagandaspiel ist, dann gibt es keine Propaganda auf der Welt!
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