Fotostrecke

US-Militärpräsenz in Südkorea: Hechtsprung vom Kriegsschiff

Foto: AP/ Yonhap

Raketenabwehrsystem in Südkorea Dieser Golfplatz bringt China in Rage

Ein Golfplatz südlich von Seoul hat globale Bedeutung bekommen. Auf dem Grün sollen künftig nicht mehr Sportler, sondern Raketen des US-Militärs Platz finden. Zum Ärger der chinesischen Regierung.

Südkorea will seinem Verbündeten USA erlauben, auf dem Gelände eines Golfplatzes in Seongju County ein Raketenabwehrsystem (Terminal High-Altitude Area Defense, kurz: THAAD) zu stationieren. Das System kann Kurz- und Mittelstreckenraketen kurz vor dem Einschlag abfangen. Es soll nach Nordkorea ausgerichtet werden.

Der bisherige Eigentümer des Golfplatzes, der Multimilliardenkonzern Lotte, schloss am Montag mit der südkoreanischen Regierung einen Deal ab, wonach die Firma einem Tausch des Geländes zustimmt - zum Ärger von Peking.

Die chinesische Regierung hatte monatelang mit indirekten Drohungen versucht, die Vereinbarung noch zu stoppen.

Offiziellen Angaben zufolge wollen Seoul und Washington damit auf die Provokationen aus Pjöngjang reagieren. Das Regime von Machthaber Kim Jong Un hatte erst am 12. Februar den "erfolgreichen" Test einer Mittelstreckenrakete verkündet. Es war der erste Versuch dieser Art Nordkoreas, seitdem US-Präsident Donald Trump offiziell im Amt ist. Pentagon-Sprecher Jeff Davis zufolge kann das Regime damit tatsächlich technische Fortschritte vorweisen.

Der Radar des THAAD ist allerdings auch stark genug, um chinesische Gebiete zu erfassen. Das empfindet Peking als Angriff auf die eigene nationale Sicherheit. Außerdem trage das Raketenabwehrsystem auch in Bezug auf Nordkorea, dessen wichtigster Verbündeter die Volksrepublik ist, nicht dazu bei, die konfliktreiche Region zu stabilisieren, sagte der Sprecher des chinesischen Verteidigungsministeriums.

Die chinesische Regierung bleibt allerdings nicht bei den strategischen Einwänden - sondern droht mit Konsequenzen. Lotte, das fünftgrößte Konglomerat in Südkorea, solle "aus China verbannt" werden, forderte die staatseigene Zeitung "Global Times". Mehr noch: Die chinesischen Nutzer sollten freiwillig auf Konsumgüter, Filme und Musik aus Südkorea verzichten, hieß es weiter. Koreanischer Pop und Seifenopern sind seit Jahren in Asien sehr populär. Der "Global Times" zufolge solle der "freiwillige Boykott" auch Telefone und Autos aus Südkorea einschließen.

Die chinesische Bevölkerung werde kein Unternehmen unterstützen, das sich den Interessen der Regierung entgegenstelle, hieß es auch in einem Kommentar der staatseigenen Nachrichtenagentur Xinhua . "Lotte hat mehr als 150 Marken im chinesischen Einzelhandel. Das ist ein großer Teil ihres Geschäfts hier." Der richtige Schritt wäre gewesen, den Deal mit der südkoreanischen Regierung auszuschlagen. "Eine falsche Einschätzung kann zu ernsten Konsequenzen führen."

"Das Südchinesische Meer ist nicht die Karibik"

Auch auf erneute Militärübungen der US-Armee im Südchinesischen Meer reagiert Peking verärgert. Dort haben die USA ihren Flugzeugträger USS "Carl Vinson" stationiert. Die Navy veröffentlichte Bilder von amerikanischen Soldaten, die von der USS "Coronado" aus ins Wasser springen. Das Kriegsschiff ist extra für den Einsatz in der Region gebaut worden.

Die "Global Times" forderte die US-Marine auf , derartige "Provokationen" zu lassen. "Das Südchinesische Meer ist nicht die Karibik. Es ist nicht der richtige Ort für die US-Marine, um sich rücksichtslos zu verhalten."

Fotostrecke

US-Militärpräsenz in Südkorea: Hechtsprung vom Kriegsschiff

Foto: AP/ Yonhap

Das politische Klima zwischen China und den USA ist ohnehin vergiftet. Präsident Trump hatte nicht nur mit einem Telefonat mit Taiwan schon vor seiner Amtsübernahme wohl bewusst provoziert, sondern Peking auch mehrfach mit einem Handelskrieg gedroht. China ging damit noch relativ defensiv um; doch nun werden die Offiziellen deutlicher. Staatsmedien warnten Washington mehrfach, die Region nicht zu einem "Pulverfass" werden zu lassen.

Mit Material von Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.