Milliardeninvestitionen aus Japan Die asiatische Alternative für Afrika

China ist inzwischen der wichtigste Handelspartner vieler afrikanischer Staaten. Doch in Pekings Schatten baut ein alternativer Geldgeber seinen Einfluss aus: Japan verspricht Afrika mehr Qualität und Nachhaltigkeit.

Japans Premierminister Shinzo Abe schüttelt die Hand von Idriss Déby, Präsident des Tschads.
Sayyid Abdul Azim/ AP

Japans Premierminister Shinzo Abe schüttelt die Hand von Idriss Déby, Präsident des Tschads.

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Es war der bislang größte Coup Chinas in Europa: Italien wird sich dem gigantischen Infrastrukturprojekt "Neue Seidenstraße" anschließen. Pekings Einfluss reicht damit in die größten Industrienationen der Welt, die G7, hinein. Aus dem gleichen Lager wächst allerdings die Konkurrenz um den globalen Einfluss der Volksrepublik. Während die chinesische Regierung etwa auf dem anstehenden EU-China-Gipfel weiter um die Gunst der europäischen Staaten buhlt, bringt sich Japan als alternativer Geldgeber in Afrika immer weiter in Stellung.

Vor allem Regierungspräsident Shinzo Abe treibt das Engagement auf dem Kontinent voran. "Abe versucht sehr aktiv, Alternativen zu China zu schaffen, ganz generell aber auch gerade im Hinblick auf die 'Neue Seidenstraße'", sagte Japan-Expertin Céline Pajon der Nachrichtenseite "Foreign Policy". Das solle die geopolitische Strategie Chinas erschweren und eine multipolare Weltordnung aufrecht erhalten, so gut es geht.

Abgeschlossene und geplante Projekte der "Neuen Seidenstraße"
DER SPIEGEL

Abgeschlossene und geplante Projekte der "Neuen Seidenstraße"

Das lässt sich Abe einiges kosten: Bei der Tokyo International Conference on African Development (TICAD) kündigte er schon 2016 öffentliche und private Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent von 30 Milliarden Dollar in den kommenden drei Jahren an. Damit sollten etwa Bildung und Gesundheitsvorsorge unterstützt werden. Zehn Milliarden davon sind für Infrastrukturprojekte vorgesehen. Das Versprechen kommt noch zu den 32 Milliarden Dollar hinzu, die Tokio bereits in Infrastrukturprojekte in Afrika investiert hat.

Aus den Mitteln hat etwa Tansania seine erste Flyover-Brücke bekommen. Die kostete 45 Millionen Dollar und wurde nach zwei Jahren Bauzeit im September vergangenen Jahres eröffnet. In Kenia soll das japanische Elektro- und Energieunternehmen Toshiba dabei helfen, die Stromversorgung im Land zu verbessern. Und im Nordwesten von Nairobi ist Toyota in die Planung eines geothermischen Kraftwerks eingebunden.

Das Engagement ist zuvorderst wirtschaftlichen Interessen geschuldet - Japan ist, ähnlich wie China, vor allem an den Rohstoffen in den afrikanischen Ländern interessiert. Es sei aber ebenso als Teil der aktiveren Außenpolitik unter Abe zu sehen, sagt Alexandra Sakaki von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Die aktuelle Regierung in Tokio versuche systematischer als in der Vergangenheit, Japans internationale Präsenz zu unterstreichen. Angesichts geopolitischer Veränderungen wie die auf nationale Interessen ausgerichtete US-Politik unter Präsident Donald Trump sowie Chinas Aufstieg suche Japan international aktiver nach Partnern.

Einen wichtigen Partner hat Japan in Indien gewonnen - auch mit Blick auf den Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent. Die Regierungen in Tokio und Neu Delhi gründeten den "Asien-Afrika-Korridor" (AAGC). Das gemeinsame Projekt soll nach offizieller Darstellung von 2017 Initiativen ausloten, die die Gesundheit, Infrastruktur und Vernetzung in Afrika vorantreiben.

Sorge vor möglicher Überschuldung

Ein Vorhaben, auf das Peking verärgert reagierte. In der staatlichen Zeitung "Global Times" hieß es dazu: "Wenn Indien und Japan den Korridor geschaffen haben, um der 'Neuen Seidenstraße' etwas entgegenzusetzen, sollten sie noch einmal darüber nachdenken, bevor sie sich in das Vorhaben stürzen."

Angesichts des Volumens der Investitionen taugt das japanische Engagement ohnehin nicht als konkretes Gegenmodell zur "Neuen Seidenstraße". Chinas Präsident Xi Jinping versprach vergangenes Jahr zum Auftakt des China-Afrika-Gipfels in Peking, den afrikanischen Staaten 60 Milliarden Dollar zugutekommen zu lassen. Mit einem Handelsvolumen von zuletzt 170 Milliarden Dollar hat China sowohl die USA als auch die alte Kolonialmacht Frankreich als wichtigste Handelspartner des afrikanischen Kontinents hinter sich gelassen.

Doch je mehr Geld aus China kommt, desto größer wird auch die Sorge vor einer möglichen Überschuldung der afrikanischen Regierungen und politischen Abhängigkeiten. Diese sind schon jetzt in Sri Lanka, Pakistan und Dschibuti erkennbar.

Kenias Präsident Uhuru Kenyatta (3.v.l.) an der neuen Zugverbindung
Khalil Senosi/ AP

Kenias Präsident Uhuru Kenyatta (3.v.l.) an der neuen Zugverbindung

Japan will genau da als Alternative auftreten und betont bei seinen Investitionen Qualität und Nachhaltigkeit, gerade angesichts von Rückschlägen bei Projekten mit chinesischer Beteiligung, etwa der Zugverbindung zwischen Nairobi und Mombasa. Das Projekt verzeichnete laut "The Japan Times" nach dem ersten Jahr ein Minus von mehr als 99 Millionen Dollar. Anders als China macht Japan bei seinen Investitionen zudem nicht zur Bedingung, dass von dem geliehenen Geld Aufträge an heimische Firmen vergeben und Arbeiter aus dem Land der Geldgeber beschäftigt werden müssen.

Japan unterstützte mit den Investitionen nicht zuletzt auch die regelbasierte Weltordnung, sagt Expertin Sakaki. So bespricht die Regierung in Tokio das Programm in Afrika noch zusätzlich mit den Vereinten Nationen und der Weltbank.

Aber im Gegensatz zur derzeitigen China-Politik unter US-Präsident Trump suche Japan mehr Möglichkeiten der Einbindung Chinas, sagt Sakaki. Eine offen konfrontative Haltung sei kontraproduktiv. "Zum einen würde China sich dadurch provoziert fühlen, zum anderen würden Empfängerländer zunehmend zwischen die Fronten geraten und sich gezwungen fühlen, sich zwischen Japan und China zu entscheiden", sagt die Expertin. 2017 hatte sich Japan grundsätzlich bereiterklärt, mit der Initiative "Neue Seidenstraße" zu kooperieren.



insgesamt 18 Beiträge
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brooklyner 07.04.2019
1.
Sehr gut. Der Irrglaube vieler Afrikaner, dass die Chinesen irgend etwas Selbstloses mit ihren Investitionen im Sinn hätten und sich im Gegensatz zu den Europäern als das Licht am Ende des Tunnels erweisen würden, kann man nur als naiv bezeichnen. Ich kann diesen Afrikanern nur Mal raten, sich in Kambodscha, Myanmar, Vietnam etc. zum Beispiel mit der örtlichen Bevölkerung darüber zu unterhalten, wie diese das Auftreten und Geschäftsgebaren der Chinesen sehen. Kurze Antwort: Man hasst die Chinesen dort wie die Pest. Sie schmieren lokale Politiker, um investieren zu dürfen, sagen wir in Hotels, wie z.B. in Siem Reap (Angkor Wat). Die Chinesen kamen, bauten Hotels nur mit mitgebrachten Arbeitern, das gesamte Personal stammt aus China und die ganzen Einnahmen fliessen nach China ab. Heuschrecken par excellence. Oder wie in Sri Lanka zu sehen ist, gehört dann plötzlich der Hafen den Chinesen, weil die Kredite durch Sri Lanka nicht mehr bedient werden können. Das wird ein trauriges Erwachen für viele Afrikaner, die Mal wieder verarscht wurden. Davon, dass die Japaner da moralisch nachhaltiger vorgehen werden, ist anzunehmen.
Kolde 07.04.2019
2. Zitat JP / IN
Moin Moin, könnten Sie mir zu folgendem Zitat bitte einmal die Quelle verlinken? Quote In der staatlichen Zeitung "Global Times" hieß es dazu: "Wenn Indien und Japan den Korridor geschaffen haben, um der 'Neuen Seidenstraße' etwas entgegenzusetzen, sollten sie noch einmal darüber nachdenken, bevor sie sich in das Vorhaben stürzen." Unquote Der Kontext würde mich interessieren. Da es sich durchaus um recht unterschiedlich Handelsbeziehungen handelt. Beste Grüße aus Hong Kong
takvor 07.04.2019
3. China
China hat die Strategie von USA kopiert. Damals wurden Krediten von Weltbank an Ländern wie Bolivien oder Indonesien geliehen mit der Gedanke die örtliche Bergbauunternehmen oder staatliche Firmen zu privatisieren. Die horrenden Zinsen auf Krediten waren extra von Headhuntern so ausgehandelt, damit diese Lander zahlungsunfähig werden.
eckawol 07.04.2019
4. Und was macht Deutschland und die EU?
Soweit man es in den Medien verfolgen kann, besuchen dt. Bundesminister Afrika mit pannenanfälligen Flugzeugen. Deutsche Unternehmen haben ihre Bergbaubeteiligungen aus ihren Bilanzen genommen. Siemens hat jetzt einige Aufträge auf dem Energiesektor in Afrika ergattert. In Südafrika gibt es dt. Automobilüroduktion . Was ist denn sonst ?
j.soergel 07.04.2019
5. Laut meines Wissens, dürfen bei der Bau-
und Ausrüstungsphase von der JICA finanzierten Infrastrukturprojekte in Afrika nur japanische Unternehmen als Konsortialführer mitbieten; die Betreiberphase ist dann offen, wobei auch da versucht wird, darauf hinzuwirken, dass japanischen Unternehmen eine Rolle spielen
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