Chinas Präsident in Nordkorea Xi und Kim feiern ihre "Blutsbande"

Nächste Woche auf dem G20-Gipfel treffen sich Donald Trump und Xi Jinping. Nun ist Chinas Präsident nach Nordkorea gereist und hat Gespräche mit Machthaber Kim Jong Un geführt.

Bilder des Treffens zwischen Xi und Kim auf einem Monitor in Peking
Greg Baker/ AFP

Bilder des Treffens zwischen Xi und Kim auf einem Monitor in Peking

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Es ist ein Empfang, wie ihn Propagandabehörden kaum schöner inszenieren können: Als der chinesische Präsident Xi Jinping am Donnerstag zu seinem ersten offiziellen Nordkorea-Besuch in Pjöngjang landete, begrüßten ihn Tausende begeisterte Bürger auf dem Rollfeld und schwenkten bunte Plastikblumen.

Auf einem Banner war zu lesen: "Lang lebe die unzerstörbare Freundschaft und die durch Blut geformte Einigkeit." Auch während der anschließenden Autofahrt Xis und seiner Delegation standen viele Menschen an den Straßen Spalier. Die "Global Times", eines der wichtigsten Sprachrohe der chinesischen Regierung, verbreitete anschließend die Bilder.

Was die Jubelbilder nicht zeigen: Fast zehn Millionen Nordkoreaner, das sind etwa 40 Prozent der Bevölkerung, haben laut Uno bald nicht mehr genug zu essen. Die nordkoreanische Regierung führt das offiziell auf schlechte Ernten zurück.

Xi, der als erster chinesischer Staatschef seit 14 Jahren nach Nordkorea reist, soll helfen. Eine für Nordkorea gesichtswahrende Option: Er könnte sich dafür einsetzen, dass künftig mehr chinesische Touristen nach Nordkorea kommen. Das international isolierte Land baut seit Jahren deutlich den Tourismussektor aus - bislang fehlen nur noch die Gäste.

Gastgeber Kim Jong Un empfing den übermächtigen Verbündeten pompös: Ein Bankett und eine Massengymnastikshow standen chinesischen Medienberichten zufolge während der 48-Stunden-Visite ebenso auf dem Programm wie ein Besuch auf dem Freundschaftsturm, der an chinesische Soldaten erinnert, die im Koreakrieg 1950 bis 1953 an der Seite des Nordens gekämpft haben.

Im Video: Analyse zum Xi-Besuch in Pjöngjang

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Doch Nordkorea und China eint noch etwas anderes als die gerade von Xi in einem Gastbeitrag für die nordkoreanische Zeitung "Rodong Sinmun" beschworenen "Blutsbande zwischen zwei Völkern": Beide Staatschefs haben gerade massive Probleme mit Washington.

  • Kim und US-Präsident Donald Trump brachen ihr zweites Treffen in Hanoi vor wenigen Monaten ohne Ergebnis ab, bei dem der Nordkoreaner auf Erleichterungen von Sanktionen pochte, welche er im Gegenzug zur Denuklearisierung der Halbinsel fordert.
  • Für Xi droht der Handelskonflikt mit Washington zu einem noch größeren Problem zu werden. Der sollte eigentlich bis März beigelegt werden, doch bis heute gibt es keine Einigung.

Der US-Präsident wirft der Volksrepublik unter anderem Dumpingpreise und Technologieklau vor. China bestreitet das. Beide Länder haben sich gegenseitig mit hohen Strafzöllen überzogen und mit weiteren Maßnahmen gedroht.

Kommende Woche werden Xi und Trump auf dem G20-Gipfel im japanischen Osaka sprechen. In der Vergangenheit hatte Trump betont, eine Beilegung des Handelsstreits könnte nur im persönlichen Gespräch erreicht werden.

Xi kann durch seinen Pjöngjang-Aufenthalt vor dem Treffen einmal mehr deutlich machen, wie groß der Einfluss Chinas auf die Führung in Pjöngjang ist. Sollte Kim ihm gegenüber Zugeständnisse beim Thema Denuklearisierung machen und damit Trumps großes außenpolitisches Ziel weiter vorantreiben, könnte Xi gestärkt in die Unterredung in Osaka gehen.

"Sie denken zu viel"

Schon vor dem Treffen zwischen Kim und Xi bemühten sich die chinesischen Staatsmedien allerdings, diese Lesart des Treffens herunterzuspielen. Offiziell geht es beiden Staatschefs lediglich darum, sich in strategischen Fragen auszutauschen. Auf die Frage, ob die chinesische Führung Nordkorea benutze, um den Druck auf die US-Verhandler zu erhöhen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums bei einer Pressekonferenz: "Sie denken zu viel".

Trotzdem ging es in den Gesprächen zwischen Kim und Xi offenbar schnell um Washington - auch wenn beide die Erwähnung Trumps offenbar vermieden. Laut dem chinesischen TV-Sender CCTV forderte Xi Kim dazu auf, die Verhandlungen zur Denuklearisierung weiter zu verfolgen. "Im vergangenen Jahr sah es so aus, als könne das Thema der koreanischen Halbinsel durch Dialoge gelöst werden und machte der ganzen Weltöffentlichkeit Hoffnung", sagte Xi demnach.

Kim fügte an, dass sein Land im vergangenen Jahr viele "positive Maßnahmen" ergriffen habe, dafür aber keine "aktive Antwort der beteiligten Seite" bekommen habe - womit er auf Trump anspielte. Der US-Präsident dürfte sich bald dazu äußern.

Mit Material von Reuters, AP



insgesamt 3 Beiträge
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AndreasKurtz 20.06.2019
1. offiziell schlechte Ernten
das ist alerdings tatsächlich so. Norkorea ist ein Land extremer klimatischer Bedingungen, mit langer Trockeheit, kurzer Regenperiode, extrem heißen Sommern und kalten Wintern. Diese Extreme suchen ihresgleichen und werden durch den globalen Klimawandel, für den dieses kleine Land sicher nichts kann, noch verschärft. Dazu kommen völlig unsinnige Sanktionen gegen den bösen Buben, die aber andere treffen, wie es Sanktionen so an sich haben. Diese 'offiziell schlechte Ernten' Argumentation ist einfach nur unmenschlich, banal und ignorant.
kopfball123 20.06.2019
2. Da haben sich zwei gefunden
Das doofe ist: China wird immer mehr wie Nordkorea, nicht umgekehrt. Nordkorea hat es nie geschafft sich zu öffnen wodurch China zu Wohlstand gekommen ist, in seiner Hybris schottet sich China allerdings immer mehr ab und verspielt wodurch es überhaupt erst aus der Armut gekommen ist.
marcowiese76 20.06.2019
3. "Es ist ein Empfang, wie ihn Propagandabehörden...
....kaum schöner inszenieren können" -Also mir hat die Propagandaveranstaltung "Merkel empfängt Selenski" deutlich besser gefallen! In Sachen Propaganda haben die Koreaner also noch deutlich was aufzuholen!
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