China und Russland Diplomatischer Frühling


Moskau - Russland und China setzen in einer Phase erheblicher Verstimmungen zwischen Peking und Washington ihren Annäherungskurs fort. Der russische Präsident Wladimir Putin empfing am Sonntag in Moskau den chinesischen Außenminister Tang Jiaxuan, um den Besuch von Statschef Jiang Zemin im Juli vorzubereiten. Mit dem russischen Außenminister Igor Iwanow unterzeichnete Tang den Entwurf für ein Freundschafts- und Kooperationsabkommen, dass Jiang und Putin voraussichtlich beschließen werden.

Nach Jahren der Feindschaft zu Zeiten der Sowjetunion, als es noch um die Frage der Vorherrschaft in der kommunistischen Welt ging, sind sich die Regierungen in Moskau und Peking in den vergangenen Jahren deutlich näher gekommen. Einig sind sie sich dabei vor allem in der Ablehnung einer dominierenden Rolle der USA in der Weltpolitik. China ist inzwischen der größte Kunde der russischen Rüstungsindustrie. Der Handel zwischen beiden Staaten wuchs nach Putins Angaben im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf drei Milliarden US-Dollar. "In unseren Beziehungen gibt es praktisch keine Probleme", betonte Putin.

Tang war am Wochenende zu einem Treffen der Außenminister der so genannten Schanghai-Fünf in Moskau angereist, der neben Russland und China auch Kasachstan, Kirgisien und Tadschikistan angehören. Im Juni findet in Schanghai ein Gipfeltreffen der Gruppe statt.

Leichte Verstimmungen

So ganz ohne Irritationen sind die russisch-chinesischen Beziehungen aber nicht. In Russland wurde am Sonntag ein Physiker, der Forschungsunterlagen an eine chinesische Import-Export-Firma weitergegeben haben soll, wegen Verrats angeklagt. Dies berichteten russische Medien. Valentin Danilow wurde bereits am 16. Februar verhaftet. Seine Kollegen hatten sich in einem offenen Brief für die Freilassung des Forschers eingesetzt. Die Geheimhaltung für Danilows Forschungsergebnisse über die Auswirkungen des Weltraums auf Satelliten sei schon 1992 aufgehoben und diese bereits in Publikationen diskutiert worden, schrieben sie. Tang sagte dazu am Sonntag, er wisse zu wenig über diesen Fall. Er sei sich aber sicher, dass er die chinesisch-russischen Beziehungen in keiner Weise belasten werde.



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