Konflikt mit China US-Verteidigungspolitiker kritisiert "Konzentrationslager" für Uiguren

Berufsbildung oder Umerziehung? China steht in der Kritik, weil dort mehr als eine Million Muslime in Lagern festsitzen. Nun kamen aus der US-Regierung deutliche Worte: Die Kommunistische Partei unterhalte "Konzentrationslager".

Uiguren vor einer umzäunten Schule in der Provinz Xinjiang in China (Archiv)
Ng Han Guan/ AP

Uiguren vor einer umzäunten Schule in der Provinz Xinjiang in China (Archiv)


Der Leiter der Asienpolitik im US-Verteidigungsministerium hat China beschuldigt, mehr als eine Million Muslime in "Konzentrationslagern" festzuhalten. "Die Kommunistische Partei nutzt die Sicherheitskräfte für die Masseninhaftierung von chinesischen Muslimen in Konzentrationslagern", sagte Randall Schriver am Freitag in Washington.

Der Satz, mit dem ihn die Nachrichtenagentur Reuters zitierte, dürfte das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen China und den USA weiter verschlechtern. In China leben mehr als 20 Millionen Muslime. Der Uno zufolge werden dort mehr als eine Million Angehörige der muslimischen Minderheit der Uiguren in Lagern festgehalten.

Peking hatte die Festsetzung der Uiguren in den Lagern erst im vergangenen Oktober nachträglich legalisiert und bezeichnet die Einrichtungen offiziell als Berufsbildungszentren, die darauf abzielten, die Bedrohung durch den islamischen Extremismus einzudämmen.

US-Verteidigungspolitiker Schriver verteidigte nun hingegen den Begriff "Konzentrationslager", der für die Arbeits- und Vernichtungslager während der NS-Zeit steht. Er sei eine "angemessene Beschreibung".

US-Außenminister Mike Pompeo hatte am Donnerstag von Umerziehungslagern gesprochen, die an die Dreißigerjahre erinnerten. Die chinesische Botschaft in Washington war laut Reuters zunächst nicht zu einem Kommentar zu den Vorwürfen bereit.

Im Februar hatte zuletzt die türkische Regierung Chinas Umgang mit den Uiguren kritisiert. In "Gefängnissen und Konzentrationslagern" würden Häftlinge gefoltert und politischer Gehirnwäsche unterzogen. Die Uiguren fühlen sich mit der Türkei kulturell und religiös verbunden und beklagen gewaltsame Unterdrückung, während ihnen die Chinesen Separatismus vorwerfen.

lov/Reuters

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