Zum 1. Mal seit 15 Jahren China bestraft Demonstranten in Hongkong

In Hongkong sind zum ersten Mal seit 15 Jahren zwei Demonstranten wegen Beteiligung an einem Protest verhaftet und zu 14 Monaten Arbeitslager verurteilt worden. Eigentlich gilt in der chinesischen Sonderverwaltungszone das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Protest in Hongkong: Regierungschef Leung gilt als wenig populär
AFP

Protest in Hongkong: Regierungschef Leung gilt als wenig populär


Hongkong - In Hongkong haben chinesische Behörden nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten erstmals seit der Rückgabe der früheren englischen Kronkolonie an China zwei Einwohner der südlichen Sonderverwaltungszone wegen der Beteiligung an einem Protest bestraft.

Die Männer seien zu 14 Monaten Arbeitslager verurteilt worden. Nach Angaben der Menschenrechtler waren sie bei ihrem Aufenthalt in Hongkong von Polizisten der Volksrepublik ausspioniert worden.

Eigentlich ist die Meinungsfreiheit in der chinesischen Sonderverwaltungszone gesetzlich geschützt. Als Großbritannien die Kolonie 1997 an China zurück gab, wurde mit Peking die Regel "ein Land, zwei Systeme" vereinbart. Demnach behalten die Bewohner Hongkongs das Recht auf freie Meinungsäußerung. Die Sonderverwaltungszone besitzt zudem eine eigene Währung und ein eigenes Rechtssystem.

Die inhaftierten Männer hatten am 1. Juli an einer Demonstration zum 15. Jahrestag der Rückgabe Hongkongs an China teilgenommen. Sie mussten ihre Strafe bereits antreten, teilten die Menschenrechtsaktivisten nun mit.

An der Demonstration hatten nach Angaben der Organisatoren etwa 400.000 Menschen teilgenommen. Die Polizei sprach von rund 63.000 Teilnehmern. Es war nach Angaben beider Seiten der größte Protest seit acht Jahren.

Er richtete sich allgemein gegen die chinesische Führung, besonders aber gegen Hongkongs neuen Regierungschef Leung Chun-Ying, der ebenfalls am 1. Juli von Chinas Präsident Hu Jintao persönlich eingesetzt wurde und als Verbündeter der kommunistischen Führung in Peking gilt. Die 3,4 Millionen registrierten Wähler Hongkongs dürfen zwar Nachbarschaftsräte und die Hälfte der Abgeordneten wählen, bei der Wahl ihres Regierungschefs haben sie aber keine Stimme.

Für 2017 hat Peking direkte Wahlen versprochen. Allerdings will sich die chinesische Regierung das Recht vorbehalten, Einspruch gegen Kandidaten zu erheben.

mal/AFP



insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ratem 26.07.2012
1. Die Freiheit des Denkens ...
Die Freiheit des Denkens und der Meinungsäusserung, so wie China sie versteht, existiert nur hinter Stacheldraht und meterhohen Gefängnismauern.
kinnla 26.07.2012
2. Unklar: Hongkong oder China
Sind die Demonstranten Bewohner Hongkongs oder der VR China? Wurden sie in Hongkong oder bei ihrer Rückkehr nach China verhaftet?
Korken 26.07.2012
3. Wichtige Frage
Zitat von kinnlaSind die Demonstranten Bewohner Hongkongs oder der VR China? Wurden sie in Hongkong oder bei ihrer Rückkehr nach China verhaftet?
Eine sehr wichtige Frage, die im Artikel nicht beantwortet wird!
xiezeren 26.07.2012
4. billige propaganda
Zitat von kinnlaSind die Demonstranten Bewohner Hongkongs oder der VR China? Wurden sie in Hongkong oder bei ihrer Rückkehr nach China verhaftet?
"Nach Angaben der Menschenrechtler waren sie bei ihrem Aufenthalt in Hongkong von Polizisten der Volksrepublik ausspioniert worden. .. behalten die Bewohner Hongkongs das Recht auf freie Meinungsäußerung." Daß bei der Meldung getrickst wird, ist doch offensichtlich. Es handelt sich eben nicht um Bewohner Hongkongs, sondern um eigens angereiste bzw. eingereiste *Chaoten*. Kennen wir das nicht irgendwo her? Objektive Berichterstattung sieht sicherlich anders aus. Zumal die große Mehrheit der Bevölkerung Hongkongs 100 Jahre lang bei den Briten nichts zu vermelden hatte.
kappesstepp 26.07.2012
5. optional
Zitat xiezeren ("der die Verantwortung scheut", könnte das heißen): Zumal die große Mehrheit der Bevölkerung Hongkongs 100 Jahre lang bei den Briten nichts zu vermelden hatte. - Und da die meisten Bewohner von irgendwas mindestens 100 Jahre lang, bevor es bei ihnen anders wurde, auch nichts zu melden hatten, kann Peking eben ins Arbeitslager stecken, wenn es will. Berichterstattung darüber ist dann eben Propaganda, was Solls? Wir müssen ja nicht ins Arbeitslager. Wir hatten auch sehr lange nichts zu melden, unter wem auch immer, aber sind danach eben nicht dem Chinesen in die Finger gefallen. Pech für Hongkong, Glück für uns (dass wir dem Briten in die Finger gefallen sind, der uns nicht in Arbeitslager steckt, wenn wir an der Königsfamilie rummäkeln).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.