70 Jahre Volksrepublik China Schön für Xi

Am Dienstag feiert die Volksrepublik China ihren 70. Jahrestag, durch Peking rollt dann die größte Militärparade in der Geschichte des Landes. Eine Machtdemonstration des Staatspräsidenten Xi Jinping - nach innen und außen.
Chinesische Soldatinnen proben in der Großen Halle des Volkes anlässlich der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag

Chinesische Soldatinnen proben in der Großen Halle des Volkes anlässlich der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag

Foto: Greg Baker/ dpa

Auf dem Pekinger Tiananmen-Platz hocken Soldaten der Volksbefreiungsarmee auf dem Boden. Ihre Uniformen sehen strapaziert aus, ihre Ballonmützen mit dem fünfzackigen Stern sind ausgebeult, auf ihre Gewehre haben sie altmodische Bajonette gepflanzt. So zeigt es ein historisches Foto , aufgenommen am 1. Oktober 1949.

Kurz zuvor hatten die Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg gesiegt. Später an jenem Tag wird ihr Führer, Mao Zedong, auf das Tor des Himmlischen Friedens steigen, an dem heute sein überlebensgroßes Porträt hängt. Von dort aus proklamiert er die Gründung der Volksrepublik.

Am Dienstag wird Chinas heutiger Staats- und Parteichef Xi Jinping an genau derselben Stelle stehen wie damals Mao. Wenn er die Feierlichkeiten zum 70. Staatsjubiläum abnimmt, könnte der Kontrast zu den rückständigen Anfangstagen größer kaum sein:

  • 15.000 Soldaten werden in abgezirkelten Formationen vor dem Tor aufmarschieren,
  • 160 Kampfflugzeuge, Drohnen und Bomber über ihre Köpfe donnern,
  • 580 moderne Panzer vorbeirollen.
  • China wird seine ballistischen Interkontinentalraketen vom Typ Dongfeng-41 vorführen, die angeblich mehrere Atomsprengköpfe tragen und die USA erreichen können, sowie Waffensysteme, die laut Militärvertretern noch nie öffentlich gezeigt wurden.

Es wird die größte Militärparade in Chinas Geschichte.

Damals ein kriegsversehrtes Land mit 760 Dollar Wirtschaftsleistung pro Jahr und Kopf, heute militärische und technologische Supermacht - diese Story des Aufstiegs soll der Aufmarsch senden, an die Bürger Chinas und an die Welt.

Nach Lesart der chinesischen Führung verdankt das Land diese Entwicklung niemand anderem als der Kommunistischen Partei, und laut der offiziellen Propaganda ist Xi deren "Kern". Unangefochten steht er an ihrer Spitze, nachdem er seine politischen Gegner mittels Säuberungskampagnen niedergerungen, Revolutionsnostalgie geschürt und die ideologische Kontrolle verschärft hat - ähnliche Methoden, wie auch Mao sie schon angewendet hat. Ihm zollte Xi am Montagmorgen demonstrativ Respekt: Er machte Maos einbalsamiertem Leichnam in dessen Mausoleum seine Aufwartung und verneigte sich dreimal vor dessen Statue. Eine seltene Demutsgeste, zum letzten Mal war er vor sechs Jahren dort.

Im Video: Chinas Nationalfeiertag - Showdown im Krieg der Bilder

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Mit der Militärparade inszeniert sich Xi als starker Mann. Für ihn kommt das zum rechten Zeitpunkt. Denn obwohl seine Position nach innen gefestigt ist, steht er dieser Tage von außen unter erheblichem Druck.

Da ist der Handelskrieg mit den USA, der die ohnehin abflauende Konjunktur zusätzlich belastet. Da ist die Kritik des Auslands an den Zuständen in der Westprovinz Xinjiang, wo Peking eine siebenstellige Zahl Muslime in Lager gesperrt hat. Und da sind die Proteste in Hongkong, die Chinas Führung nicht hat kommen sehen  - und derer sie nicht Herr wird. Angesichts dieser Probleme kommt es ihr nur gelegen, dass sie die Welt morgen daran erinnern kann, welche Widerstände sie in den vergangenen 70 Jahren schon überwunden hat. Wie weit sie gekommen ist, zahlreichen Rückschlägen zum Trotz.

Im Video: Wie denken junge Chinesen über den Weltmachtanspruch des Präsidenten?

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Die Militärparade wird dieselbe Wegstrecke nehmen wie die Panzer, die in der Nacht auf den 4. Juni 1989 über die Chang'an Avenue rollten, um die Besetzung des Tiananmen-Platzes durch Demokratieaktivisten blutig zu beenden. In diesem Fall ist die Symbolik eher zufällig als gewollt herbeigeführt, denn bei derart bedeutenden Veranstaltungen geht in Peking an dieser zentralen Route nichts vorbei. Dennoch dürfte vielen Hongkonger Demonstranten mulmig werden, wenn sie die Fernsehbilder sehen.

"Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen", hat Mao einst gesagt. Es bleibt zu hoffen, dass Xi sich in dieser Hinsicht kein Vorbild am Staatsgründer nehmen wird.

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