Posse um Chinas Botschaft in Washington Entrüstung an der Liu Xiaobo Plaza

Eine Initiative in Washington sorgt für diplomatische Verstimmungen: Der Platz, an dem sich Chinas Botschaft befindet, soll einen neuen Namen bekommen - ausgerechnet den des Dissidenten und Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo.

Chinas Botschaft in Washington: "Sehr provokatives und ignorantes Verhalten"
AFP

Chinas Botschaft in Washington: "Sehr provokatives und ignorantes Verhalten"


Der Zeitpunkt mag kein Zufall gewesen sein: Es war kurz vor dem 25. Jahrestag des Tiananmen-Massakers, als die Anwälte ihre Initiative starteten. Ein Straßenabschnitt in Washington soll unbenannt werden, an dem sich die chinesische Botschaft befindet. Der von der Initiative gewünschte Namensgeber für den Platz: Nobelpreisträger Liu Xiaobo.

Dass in China der Gedanke, in der Adresszeile der eigenen Botschaft den Namen eines Dissidenten führen zu müssen, für wenig Begeisterung sorgen würde, dürfte allen Beteiligten klar gewesen sein. Der Schriftsteller und Menschenrechtsaktivist Xiaobo wurde 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt, weil er sich an einem Manifest für Bürgerrechte beteiligt hatte. Im Jahr darauf erhielt er den Friedensnobelpreis, gegen den wütenden Protest aus Peking.

Einer der Initiatoren ist Frank Wolf, Republikaner und Abgeordneter im Repräsentantenhaus. Er hat einen Änderungsantrag bei den Behörden eingereicht, wonach die Adresse in "No 1, Liu Xiaobo Plaza" unbenannt werden soll. In einer Mitteilung, die auf Wolfs Internetseite veröffentlicht wurde, hieß es, der Namenswechsel würde auf "Lius ungerechte Inhaftierung" aufmerksam machen und "eine symbolische - aber starke - Botschaft" sein, dass die USA sich für den Schutz der Menschenrechte weltweit einsetzen.

In China sorgt der Vorstoß für scharfe Kritik. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte bereits Ende Mai, es handle sich um ein "sehr provokatives und ignorantes Verhalten". Für mehr schlechte Stimmung sorgte in dieser Woche, als sich der Haushaltsausschuss für die Namensänderung aussprach. Sie wird somit Teil der jährlichen Etatvorlage, die noch vom Repräsentantenhaus und dem Senat verabschiedet werden muss.

Das chinesische Außenministerium bezeichnete den Vorgang als "reine Posse". Manche Leute in den USA würden "die sogenannten Menschenrechte und den Fall von Liu Xiaobo zu bedeutungsloser Effekthascherei" ausnutzen. Laut einem Bericht der "Washington Post" empören sich manche Chinesen im Internet. Ihre Vorschläge, wie im Gegenzug die Straße vor der US-Botschaft genannt werden sollte, reichen demnach von "Snowden Street" über "Osama Bin Laden Road" bis "Lewinsky".

insgesamt 30 Beiträge
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colonium 28.06.2014
1. Hohlspiegel...)
Zitat von sysopAFPEine Initiative in Washington sorgt für diplomatische Verstimmungen: Der Platz, an dem sich Chinas Botschaft befindet, soll einen neuen Namen bekommen - ausgerechnet den des Dissidenten und Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo. http://www.spiegel.de/politik/ausland/chinesische-botschaft-in-washington-liu-xiaobo-soll-namensgeber-sein-a-978067.html
Charmante Idee... Ich wäre ja auch für eine Namensänderung des Platzes, wo die amerikanische Botschaft in Berlin angesiedelt ist... Wie wäre es mit Edward Snowden Platz?)))
aljoschu 28.06.2014
2. Tägliches Mantra
Ist doch super, dass man heutzutage offen mit den Leichen im Keller von anderen Ländern umgeht anstatt immer nur diplomatisch herumzudrucksen! Ich schlage vor, die Chinesen nennen den Platz vor der amerikanischen Botschaft in Peking um in Edward-Snowden-Platz. Oder wie wär's mit Julian-Assange-Boulevard oder Chelsea-Manning-Avenue? Man könnte damit sozusagen als tägliches Mantra den Botschaftern vor Augen führen, für welche verbrecherischen Regierungen sie doch eigentlich arbeiten.
clausbremen 28.06.2014
3. Jedenfalls ...
... eine sehr gute Idee. Wie die Amis dann mit der Pekinger Adresse "1 Snowden Platz" für ihre Botschaft umgehen werden, muss man sehen.
matz-bam 28.06.2014
4. tja
Zitat von sysopAFPEine Initiative in Washington sorgt für diplomatische Verstimmungen: Der Platz, an dem sich Chinas Botschaft befindet, soll einen neuen Namen bekommen - ausgerechnet den des Dissidenten und Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo. http://www.spiegel.de/politik/ausland/chinesische-botschaft-in-washington-liu-xiaobo-soll-namensgeber-sein-a-978067.html
Zur Zeit versucht die USA wirklich mit jedem Krach zu bekommen.Ist das nur pubertär oder ist das ein Um sich Schlagen eines Ertrinkenden?
fessi1 28.06.2014
5. Wenn schon Kindergarten, dann richtig!
Guantanamo Boulevard , Abu Ghraib Plaza oder Mission Accomplished Road
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