Chinesischer Dissident Anhänger von Ai Weiwei protestieren mit Nacktbildern

Dutzende chinesische Unterstützer des Künstlers Ai Weiwei haben im Internet Nacktbilder von sich veröffentlicht. Damit protestieren sie gegen das Vorgehen der Behörden gegen den Regimekritiker - diese werfen ihm neuerdings auch Pornografie vor.

Bloggende Ai-Weiwei-Anhänger: Nackter Protest im Internet
AFP

Bloggende Ai-Weiwei-Anhänger: Nackter Protest im Internet


Peking - "Hör zu, Regierung: Nacktheit ist keine Pornografie", so lautet der Titel eines Internetblogs, im dem Dutzende Chinesen unverhüllt oder sehr sparsam bekleidet zu sehen sind.

Mit der Aktion wollen sie den chinesischen Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei unterstützen, gegen den die Behörden jetzt auch wegen Pornografie ermitteln.

Die Bilder zeigen die Ai-Unterstützer in teils überraschenden und ironischen Posen. Einige zeigten sich komplett nackt, andere hielten sich ein Bild des beschuldigten Künstlers davor. Auch Posen bekannter Kunstskulpturen wurden nachgestellt.

"Ich liebe meinen Körper und meine Freiheit heiß und innig", schrieb nun die Bloggerin mit dem Pseudonym "Suyutong" im Internet. Auf ihrem Foto trägt sie einen schwarzen Hut, aber sonst nicht viel. Andere Ai-Weiwei-Fans haben Baby-Badefotos im Nachrichtendienst Twitter verbreitet, wieder andere zeigen sich in der Pose des berühmten "Denkers" von Rodin. Es gibt aber auch frontale Nacktaufnahmen, auf denen die Botschaft an die Regierung noch durch einen erhobenen Mittelfinger verstärkt wird. Ein Bild zeigt einfach nur ein entblößtes Hinterteil in Großaufnahme.

Bei den Pornografie-Vorwürfen geht es offenbar um im Internet veröffentlichte Bilder, auf denen Ai und vier Frauen nackt zu sehen sind. Zuvor war Ais Assistent für ein Verhör auf eine Polizeiwache gebracht worden. Der Künstler bezeichnete die Anschuldigungen als "lächerlich".

Ai liegt seit Jahren mit der chinesischen Regierung im Clinch. Anfang April war er wegen angeblicher Steuervergehen festgenommen und fast drei Monate ohne Anklage an einem unbekannten Ort festgehalten worden. Er soll 15 Millionen Yuan (rund 1,7 Millionen Euro) an die Behörden zurückzahlen. Ai weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet sie als politisch motiviert. Vergangene Woche hinterlegte er einen Teil der angeblichen Steuerschuld als Garantie, um offiziell Einspruch in dem Fall einlegen zu können. Das Geld hatte er durch Spenden von Sympathisanten erhalten.

Im SPIEGEL-Interview äußerte Ai scharfe Kritik an der chinesischen Führung Es gebe "nur einen Grund, warum sie mich eingesperrt haben: weil ich mich in die Politik eingemischt und die Obrigkeit kritisiert habe".

hen/dpa/AFP

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