Neuseeland Erste Opfer der Terrorattacke von Christchurch beigesetzt

Fünf Tage nach dem Attentat in Christchurch sind die ersten beiden Todesopfer beerdigt worden. Und: Australiens Premier kritisiert Erdogans Äußerungen über den Anschlag als "sehr beleidigend".

Trauernde auf dem Weg zum Friedhof in Christchurch
AFP

Trauernde auf dem Weg zum Friedhof in Christchurch


Im neuseeländischen Christchurch sind am Mittwochmorgen zwei Menschen beerdigt worden, die bei dem Anschlag auf zwei Moscheen in der Stadt getötet worden waren. Bei dem Attentat am vergangenen Freitag starben nach bisherigem Stand 50 Menschen, 30 weitere Personen wurden verletzt.

Die meisten Opfer kommen aus Einwandererfamilien. Im Islam ist es üblich, dass Tote schnellstmöglich beigesetzt werden, am besten innerhalb von 24 Stunden. Wegen der kriminaltechnischen Untersuchungen mussten die Familien in Christchurch allerdings länger auf die Freigabe der Leichen ihrer Angehörigen warten.

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Die Polizei hat bisher eigenen Angaben zufolge 21 der 50 Todesopfer identifiziert und die Leichname an die Angehörigen übergeben. Im Laufe des Mittwochs sollen demnach so gut wie alle Opfer identifiziert sein; nur in einigen Fällen werde es wohl länger dauern.

Am Mittwochmorgen nun wurden zunächst die Leichen eines Mannes und seines Sohnes im Memorial Park-Friedhof zu Grabe getragen, wie örtliche Medien berichteten. Die beiden waren demnach erst vor wenigen Monaten aus Syrien nach Neuseeland gekommen. Hunderte Menschen nahmen an der Zeremonie teil.

Unter den Opfern sind auch zwei Schüler der Cashmere Highschool in Christchurch. Dort sprach am Mittwoch Premierministerin Jacinda Ardern: Sie rief die anwesenden Schüler dazu auf, zusammenzustehen und gemeinsam dafür zu sorgen, dass sich Gewalt nicht ausbreiten könne. Sie könne den Extremismus nicht alleine bekämpfen. "Ich brauche Hilfe von jedem einzelnen von uns", sagte Ardern. "Kommt zusammen, sendet diese deutliche Botschaft, kümmert euch umeinander; lasst Neuseeland ein Ort sein, an dem Rassismus niemals toleriert wird."

Jacinda Ardern mit Schülern in Christchurch
AP

Jacinda Ardern mit Schülern in Christchurch

Der australische Regierungschef Scott Morrison hat derweil verärgert auf Äußerungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zum Christchurch-Anschlag reagiert. Morrison kündigte an, den türkischen Botschafter in Canberra einzubestellen.

Erdogan hatte die Anschläge als Angriffe auf den Islam und auch auf die Türkei verurteilt. Zugleich drohte er Australiern mit antimuslimischer Gesinnung dasselbe Schicksal an, wie es den Truppen der Ententemächte aus Großbritannien und Empire-Ländern wie Australien, Neuseeland sowie Frankreich im Ersten Weltkrieg bei der Schlacht von Gallipoli gegen eine vor allem osmanische Streitmacht widerfahren sei.

Bei der Schlacht von Gallipoli zwischen Februar 1915 und Januar 1916 starben mehr als 8000 Australier und mehr als 2000 Neuseeländer. Insgesamt kamen auf beiden Seiten mehr als 100.000 Soldaten ums Leben. Die osmanischen Truppen unterstützt von Deutschland und Österreich-Ungarn siegten.

"Ich empfinde das als sehr beleidigenden Kommentar, natürlich tue ich das, und ich werde den türkischen Botschafter heute zu einem Treffen mit mir einbestellen, um diese Angelegenheit zu erörtern", sagte Morrison dem Sender ABC.

aar/dpa/AFP

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