Nach Vertreibung aus Mossul Frankreich bietet irakischen Christen Asyl an

Hoffnung für die Christen aus Mossul: Tausende mussten vor der Terrorgruppe Islamischer Staat aus der irakischen Stadt fliehen. Nun bietet Frankreich den Vertriebenen Zuflucht an.
Katholische Kirche in Mossul: Asyl in Frankreich?

Katholische Kirche in Mossul: Asyl in Frankreich?

Foto: Str/ dpa

Paris - Es war ein Exodus in Todesangst: Tausende Christen mussten vor einigen Tagen die nordirakische Stadt Mossul verlassen, weil sie von der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) bedroht wurden. Nun bietet Frankreich den Geflohenen Asyl an. Man helfe jenen Menschen, die vor den Drohungen der IS Zuflucht in Kurdistan gesucht hätten, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Frankreichs Außenminister Laurent Fabius und Innenminister Bernard Cazeneuve am Montag in Paris: "Wir sind bereit, ihnen auf unserem Boden Asyl zu gewähren, wenn sie es wünschen."

In Frankreich wuchs zuletzt der Druck auf die Regierung, den irakischen Christen beizuspringen. Fabius und Cazeneuve erklärten nun, man sei im ständigen Kontakt mit den lokalen und nationalen Behörden im Irak, um sicherzustellen, dass alles getan werde, um die geflohenen Christen zu beschützen. Die Minister verurteilten in ihrer gemeinsamen Erklärung die Übergriffe gegen Christen "auf das Schärfste". Frankreich habe humanitäre Hilfe zur Verfügung gestellt und werde sich in den kommenden Tagen weiter international für einen Schutz der Christen starkmachen.

Die Dschihadisten-Miliz hatte die christlichen Familien vorvergangene Woche ultimativ aufgefordert, die nordirakische Stadt Mossul zu verlassen oder zum Islam zu konvertieren und eine Sondersteuer zu zahlen. Weigerten sie sich, "wird es für sie nichts als das Schwert geben", hieß es in einem Flugblatt. Mossul und die umliegenden Gebiete werden seit etwa einem Monat von der IS kontrolliert. Zuvor hatte Mossul eine der ältesten christlichen Gemeinden der Welt. Vor der US-Militärintervention 2003 lebten hier Zehntausende Christen. Nun sind nach den IS-Drohungen fast alle Mitglieder der christlichen Minderheit panikartig aus Mossul in andere christliche Orte und die kurdischen Autonomiegebiete geflohen.

Terrormiliz verbietet Ramadan-Feiern

Die Vertreibung hatte international Empörung hervorgerufen. Der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki sagte den irakischen Christen Unterstützung zu. Die Regierung werde es nicht erlauben, dass Christen und andere Minderheiten im Irak von Extremisten ins Visier genommen werden. Allerdings hat Malikis Regierung keine Kontrolle mehr über etwa ein Drittel des Landes, das von IS-Kämpfern erobert wurde.

Unterdessen setzt die Terrormiliz in Mossul einen besonders strikten Fastenmonat Ramadan durch, das Fest zum Fastenbrechen Eid al-Fitr lassen sie jedoch nicht zu. Wie Bewohner der Stadt der Nachrichtenagentur dpa sagten, verboten bewaffnete Dschihadisten den Bürgern am Montagmorgen, zu gemeinsamen Gebeten in die Moscheen zu gehen und zwangen sie zur Rückkehr in ihre Häuser. Auch Grabstätten durften die Menschen demnach nicht besuchen, weil dies Gotteslästerung sei.

Die sunnitischen Extremisten folgen einer besonders strengen Auslegung des Korans. Um einen Heiligenkult zu verhindern, zerstören sie auch islamische Grabstätten, selbst die von Gefährten des Propheten Mohammed sind davor nicht sicher. Laut irakischen Medien wurde am Donnerstag die berühmte Grabstätte des Propheten Jonah in Mossul gesprengt.

phw/Reuters/AFP/dpa
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