Keine Spitzenkandidatur bei Europawahl Österreichs Ex-Kanzler Kern verlässt die Politik

Erst hieß es, Christian Kern wolle als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten bei der Europawahl antreten. Nun verkündet der frühere österreichische Bundeskanzler, er werde sich komplett aus der Politik zurückziehen.

Christian Kern
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Christian Kern


Österreichs Ex-Kanzler Christian Kern verabschiedet sich endgültig aus der Politik. Der 52-Jährige gab bekannt, dass er einen Schlussstrich unter seine Karriere als Berufspolitiker ziehen wolle. "Ich war mehr als 20 Jahre in Unternehmen, davon 14 in Vorständen. Ich freue mich wirklich, dieses Leben wieder zurückzubekommen und den Weg ins Unternehmertum zurückzugehen", sagte Kern.

Damit wird er sich auch nicht weiter um die Spitzenkandidatur der europäischen Sozialdemokraten zur Europawahl 2019 bemühen. Kern nannte als Grund für seine Entscheidung parteiinterne Debatten. Diese machten es ihm unmöglich, sich auf die europäische Politik zu konzentrieren. Es sei einem ehemaligen Regierungschef offenbar verwehrt, die Bühne der nationalen Politik zu verlassen, sagte er.

Kern war bis Dezember vergangenen Jahres österreichischer Bundeskanzler. Zuvor hatte er in der staatsnahen Wirtschaft Karriere gemacht. Von 2010 bis 2016 war er Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Bundesbahnen ÖBB. Im Frühjahr 2016 ersetzte er dann als Quereinsteiger den glücklosen SPÖ-Chef und Kanzler Werner Faymann in beiden Ämtern. Bei der Parlamentswahl 2017 musste Kern sich ÖVP- Herausforderer Sebastian Kurz geschlagen geben.

Chaotischer Abgang

Kern hatte erst vor kurzem sein Amt als SPÖ-Chef niedergelegt und seine Kandidatur für das Europaparlament angekündigt. Mit seinem Rückzug aus der Politik setzt Kern nun den Schlusspunkt eines chaotischen Abgangs. Bereits im September gab es Spekulationen, dass sich Kern komplett aus der Politik zurückziehe. Dann verkündete er jedoch, dass er die Spitzenkandidatur der europäischen Sozialdemokraten anstrebe. Daraus wird nun nichts.

Neben dem Österreicher hatte bisher der Vize-Präsident der EU-Kommission, Maros Sefcovic aus der Slowakei, angekündigt, sich um die Spitzenkandidatur der europäischen Sozialdemokraten für die Europawahl bewerben zu wollen.

Die Führung der österreichischen Sozialdemokraten wird voraussichtlich die ehemalige Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner übernehmen. Sie hat den Vorsitz der Partei geschäftsführend übernommen, im November soll sie von einem Parteitag als neue Chefin bestätigt werden.

mmq/dpa/Reuters



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hansriedl 08.10.2018
1. "Ich will da rein!"
In seinem Leben ordnete er alles diesem Ziel unter. Er hatte eine Agenda und den unbedingten Willen zur Macht. Hat man eine Sachpolitiker der was verändern will, gibt es einen Analysten der es glasklar darlegt, dass dieser an mangelndem politischen Geschick scheitern musste. Hat man ein politisches Genie jammert man über das Fehlen von Visionen.
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