Christian Sautter Ein Meister der Zurückhaltung


Paris - Der neue französische Wirtschafts- und Finanzminister Christian Sautter ist in der Öffentlichkeit fast unbekannt. Der 59-Jährige, der am Dienstag zum Nachfolger des zurückgetretenen Dominique Strauss-Kahn ernannt wurde, ist ein Meister der Zurückhaltung. Freunde und Kollegen, die seine Diskretion schätzen, nennen ihn - liebevoll - den "Karpfen". An der Qualifikation des Sozialisten bestehen indes keine Zweifel: Sautter ist ausgewiesener Japan-Kenner und gilt seit seinen politischen Anfängen als Wirtschafts- und Haushaltsexperte.

Sautter wurde am 9. April 1940 in Autun in Mittelfrankreich geboren. Er machte in Paris Abitur und studierte anschließend Politik- und Wirtschaftswissenschaft. Später arbeitete er für das nationale Statistikamt Insee und verbrachte längere Forschungsaufenthalte in Japan. Über sein Steckenpferd schrieb er mehrere Bücher.

1974 trat er der Sozialistischen Partei bei. Er schloss sich zunächst dem Flügel von Francois Mitterrand an, hielt sich aber aus allen Machtkämpfen heraus und konzentrierte sich auf Sachfragen. Seit 1981 arbeitete er für den Elysee-Palast, zunächst als Berater, später als stellvertretender Generalsekretär. Anfang der neunziger Jahre versuchte er als Präfekt der Region Ile-de-France - dem Großraum Paris - gegen den Widerstand des bürgerlichen Blocks und der Kommunisten eine Neugliederung des Gebiets durchzusetzen. Den Posten musste er nach dem Wahlsieg der Bürgerlich-Konservativen 1993 abgeben.

Als Berater in Haushaltsfragen stand er Lionel Jospin 1995 bei seinem Präsidentschaftswahlkampf zur Seite. Nach dem Sieg der Linken bei der Parlamentswahl 1997 war er zunächst als Kabinettsdirektor Jospins im Gespräch, wurde dann aber Staatssekretär für Haushaltsfragen.



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