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31. Januar 2006, 12:53 Uhr

Chronik

Der Konflikt um Irans Atomprogramm

Seit fast drei Jahren setzen sich die IAEA, EU und USA mit Iran über dessen umstrittenes Atomprogramm auseinander. Teheran hat stets versichert, seine nuklearen Pläne dienten ausschließlich der Energiegewinnung. Im Folgenden eine Chronik der wichtigsten Daten.

Februar - Mai 2003:

Inspektoren der IAEA inspizieren iranische Atomanlagen. Die USA hatten Iran im Dezember 2002 beschuldigt, ein geheimes Programm zur Anreicherung von Uran zu betreiben.

Juni 2003: IAEA-Generaldirektor Mohammed ElBaradei wirft Teheran in einem Bericht vor, bestimmte nukleare Materialien und Aktivitäten verschwiegen zu haben. Deswegen soll die iranische Regierung ein so genanntes Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterschreiben, das der Behörde uneingeschränkten Zugang zu iranischen Atomanlagen gewährt.

August 2003: Die IAEA bestätigt, dass Uno-Inspektoren "Spuren hochangereicherten Urans" in der iranischen Nuklearanlage Natans gefunden haben.

September 2003: Nach einer IAEA-Resolution soll Teheran bis spätestens Ende Oktober sein Atomprogramm vollständig offen legen.

Oktober 2003: Unter internationalem Druck unter anderem von Frankreich, Großbritannien und Deutschland erklärt sich Iran bereit, sein Programm zur Urananreicherung auszusetzen.

November 2003: Nach Angaben der Atomenergiebehörde hat Iran die Herstellung von waffenfähigem Plutonium zugegeben. Hinweise auf den Bau einer Atombombe liegen nicht vor.

Dezember 2003: Teheran unterzeichnet das Zusatzprotokoll.

März 2004: Die IAEA fordert Teheran auf, bis Juni alle Pläne und Informationen seines Atomprogramms offen zu legen.

Juni 2004: Die Atomenergiebehörde rügt Iran wegen unzureichender Zusammenarbeit, weil die Regierung in Teheran nicht vollständig und zeitgerecht kooperiert und zahlreiche Fragen unbeantwortet gelassen habe.

August 2004: Iran stellt die Vereinbarung vom Oktober 2003 mit Berlin, Paris und London in Frage.

September 2004: Bei Atomgesprächen in Wien wird eine von den USA und der EU ausgearbeitete Resolution verabschiedet, mit der die IAEA Iran zum Verzicht auf jegliche Uran-Anreicherung aufruft.

April 2005: Iran kündigt die Wiederaufnahme seines Programms zur Anreicherung von Uran an.

Mai 2005: Gesprächsrunden zwischen Teheran und Vertretern der EU verlaufen ergebnislos.

Juni 2005: Der neue iranischen Präsident Mahmud Ahmadinedschad bekundet, dass sein Land an seinen Atomplänen festhalten wird.

August 2005: Iran nimmt die umstrittene Atomanlage Isfahan wieder voll in Betrieb und die Urankonversion in Uranhexafluorid wieder auf. Teheran warnt Europa und die USA davor, das Land im Atomstreit vor den Weltsicherheitsrat zu zitieren. Derweil befasst sich die IAEA auf ihrer Sondersitzung mit dem Iran-Konflikt.

17. September 2005: Der iranische Präsident bekräftigt vor der Uno-Vollversammlung das Festhalten seines Landes am Atomprogramm. Gleichzeitig lehnt Teheran das Angebot umfassender Wirtschaftshilfe der EU-Troika ab, wenn Iran auf die Urananreicherung verzichtet.

24. September 2005: Der Gouverneursrat der IAEA nimmt eine von der EU eingebrachte Resolution an, die die Überweisung des Atomstreits mit Iran an den Uno-Sicherheitsrat vorbereitet.

12. November 2005: Der Leiter der Nuklearbehörde in Teheran verwirft einen möglichen Kompromissvorschlag von EU und USA, der eine Anreicherung iranischen Uran-Gases in Russland vorgesehen hätte.

24. November 2005: Die Europäische Union wirft Iran vor, Pläne zur Herstellung von Atomwaffen zu besitzen. Dem Iran wird außerdem auch angedroht, den Fall an den Weltsicherheitsrat zu verweisen.

3. Januar 2006: Iran kündigt an, nach einer über zweijährigen Pause seine Forschungsprojekte zur Produktion von atomaren Brennstoffen fortzusetzen.

10. Januar 2006: Die Siegel von iranischen Atomforschungsanlagen werden von der IAEA entfernt, außerdem wird die Forschung am Atombrennstoff wieder aufgenommen.

18. Januar 2006: Neue Gespräche mit dem Iran über dessen Atomprogramm lehnen Deutschland, Frankreich, Großbritannien auch der EU-Chefdiplomat Javier Solana ab.

30. Januar: Die Veto-Mächte des Uno-Sicherheitsrats wollen Iran wegen seines Atomprogramms vor das Gremium bringen.

Zusammengestellt von AP

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