Chuck Hagel US-Senatoren grillen Obamas neuen Verteidigungsminister

Er gilt als unsicherster Kandidat in Barack Obamas neuem Kabinett. Der designierte Verteidigungsminister Chuck Hagel musste sich bei der Anhörung zu seiner Nominierung viel Kritik der Senatoren anhören. Der umstrittene Republikaner kündigte einen "weisen" Einsatz der US-Militärmacht an.

Chuck Hagel: Obamas Wackelkandidat
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Chuck Hagel: Obamas Wackelkandidat


Washington - Chuck Hagel hat sich vor dem Streitkräfteausschuss des Senats als entschiedener Verfechter der amerikanischen Sicherheitsinteressen präsentiert. Er werde nicht zögern, wenn nötig die "volle militärische Macht" der USA einzusetzen, kündigte der designierte Verteidigungsminister an. "Aber wir müssen auch klug und, noch wichtiger, weise sein in der Art, wie wir die große Macht unserer Nation einsetzen." Unter ihm solle das US-Militär die schlagkräftigste Armee der Welt bleiben, versprach der Vietnam-Veteran.

Doch Barack Obamas Kandidat als Nachfolger von Pentagon-Chef Leon Panetta musste sich bei der Anhörung zu seiner Nominierung dennoch viel Kritik anhören, die Stimmung war rau. "Hagels Abstimmungsverhalten ist sehr besorgniserregend und abseits der Mehrheitsmeinung", sagte etwa der republikanische Senator James Inhofe über den 66-Jährigen Parteikollegen.

Nach dem Votum im Senatsausschuss mit rund zwei Dutzend Mitgliedern wird der gesamte Senat über Hagel abstimmen. Anders als bei Obamas Außenminister John Kerry ist die Bestätigung der Personalie durch die Kongresskammer kein Selbstläufer.

Führende Republikaner im Kongress halten Hagel für zu nachgiebig gegenüber Iran. Sie werfen ihm zudem vor, nicht eng genug auf der Seite Israels zu stehen. Pro-israelische Gruppen beschuldigen ihn zudem, einen Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm abzulehnen. Dass er 2006 von einer "jüdischen" Lobby gesprochen hatte, die auf US-Politiker in Washington "einschüchternd" wirke, lieferte seinen Gegnern weitere Munition.

Bei der Anhörung wehrte sich der designierte Pentagonchef gegen die Vorwürfe: Zu den wichtigsten militärpolitischen Themen zählte er den Truppenabzug aus Afghanistan und die Freundschaft zu Israel. Außerdem müsse alles getan werden, damit Iran keine Atombombe bekommt. "Ich habe dazu viel Engagement gezeigt, meine Haltung dazu ist klar", verteidigte sich Hagel.

als/dpa/AFP

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noalk 31.01.2013
1. qualifiziert
"Führende Republikaner im Kongress halten Hagel für zu nachgiebig gegenüber Iran. Sie werfen ihm zudem vor, nicht eng genug auf der Seite Israels zu stehen. Pro-israelische Gruppen beschuldigen ihn zudem, einen Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm abzulehnen." Sind doch alles Einstellungen, die für ihn sprechen. Aus globaler Sicht.
donfuego 31.01.2013
2. Beste Wahl
Scheint ein überdurchschnittlich intelligenter, unangepasster Amerikaner zu sein. Solche Leute braucht das Land! Dann gehts wieder aufwärts. Und so etwas bei den Republikanern? Unfassbar!
jar.koz. 31.01.2013
3. Grillsaison eröffnet?
Es wäre schön, wenn sie US-amerikanische idiomatische Wendungen wie das "Grillen" von Personen, so übersetzen würden, dass das Deutschsprachige Publikum auch etwas damit anfangen kann.
hugahuga 31.01.2013
4. Man darf gespannt sein, ob
Zitat von sysopREUTERSEr gilt als unsicherster Kandidat in Barack Obamas neuem Kabinett. Der designierte Verteidigungsminister Chuck Hagel musste sich bei der Anhörung zu seiner Nominierung viel Kritik der Senatoren anhören. Der umstrittene Republikaner kündigte einen "weisen" Einsatz der US-Militärmacht an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/chuck-hagel-us-senatoren-grillen-obamas-neuen-verteidigungsminister-a-880828.html
es AIPAC, ADL und wer sich sonst noch zur ,koscher nostra' zählen mag, gelingen wird, diesen unliebsamen Kandidaten zu verhindern. Jemand, der den Krieg kennt, der den hohen Militärausgaben und Militäreinsätzen kritisch gegenübersteht, ist nur schlecht in ein Netanjahu kompatibles Schema einzuordnen. Sowas stört natürlich die Kreise. Wir werden sehen.
hugahuga 31.01.2013
5. Das reicht den Juden-Lobbys nicht
Zitat von noalk"Führende Republikaner im Kongress halten Hagel für zu nachgiebig gegenüber Iran. Sie werfen ihm zudem vor, nicht eng genug auf der Seite Israels zu stehen. Pro-israelische Gruppen beschuldigen ihn zudem, einen Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm abzulehnen." Sind doch alles Einstellungen, die für ihn sprechen. Aus globaler Sicht.
hier, in der NYT können Sie nachlesen, wie dieser fähige und aus eigener Erfahrung nicht kriegsgeile Mann in die Mangel genommen wird. http://www.nytimes.com/2013/02/01/us/politics/sharp-exchanges-expected-in-hearing-on-hagel-nomination.html?hp&_r=0 Ich hoffe sehr, dass die Amerikaner jetzt amerikanisch in erster Linie denken und dieses in den Vordergrund stellen. Es wäre für den Friedensprozess im NO von großer Bedeutung:
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