CIA-Anhörung im Senat Hayden will verschärft auf klassische Spionage setzen

Der US-Senat hat mit dem Bestätigungsverfahren für den designierten CIA-Chef Hayden begonnen. Es wird überschattet vom Streit über den Lauschangriff auf Millionen von US-Bürgern. Zum Auftakt erläuterte Hayden seine Vision für eine Reform des Geheimdienstes: Dazu gehöre vor allem Wahrheit.  


Washington - Als ersten Punkt einer CIA-Reform nannte Michael Hayden Konsequenzen aus den fehlerhaften Geheimdienstanalysen im Vorfeld des Irak-Krieges. Der Luftwaffengeneral und Ex-Chef des Abhördienstes NSA sagte heute in seiner Anhörung im US-Senat in Washington, die "korrekte Analyse" der Geheimdienstdaten habe für ihn Priorität. Die CIA müsse deutlich sagen, was man wisse, was man als wahr annehme und was man einfach nicht kenne, fügte er hinzu.

Michael Hayden: Klassische Spionage mit Agenten
DPA

Michael Hayden: Klassische Spionage mit Agenten

Auch wolle er gegenüber seinen politischen Vorgesetzten seine Unabhängigkeit wahren. Indem er "die Wahrheit" sage, wolle er ein Vorbild für seine Mitarbeiter bei der CIA sein. Hayden versprach vor dem Geheimdienstausschuss des Oberhauses, er wolle der politischen Führung "immer die beste Analyse" liefern.

Außerdem soll sich die CIA laut Hayden wieder auf die "stolze Tradition" risikoreicher Spionage durch Agenten besinnen und ihre Mitarbeiter besser in Fremdsprachen ausbilden lassen. Wichtigste Aufklärungsziele sollen Iran, Nordkorea und das Terrornetzwerk al-Qaida bleiben.

Der Auslandsgeheimdienst ist unter anderem deshalb in den vergangenen Jahren in Verruf geraten, weil er im Vorfeld des Irak-Krieges Berichte über angebliche irakische Massenvernichtungswaffen geliefert hatte, die später nie gefunden wurden. Der bisherige CIA-Chef Porter Goss, der mit seinen Bemühungen zur Reform des Dienstes auf internen Widerstand gestoßen war, erklärte Anfang Mai nach nur anderthalb Jahren im Amt seinen Rücktritt. Der von Präsident George W. Bush für die Nachfolge vorgeschlagene Hayden war zuletzt Stellvertreter des Nationalen Geheimdienstdirektors John Negroponte. Für seinen neuen Posten braucht er die Zustimmung des Senats.

Hayden ist ein umstrittener Kandidat. In seiner früheren Funktion an der Spitze der NSA zeichnete der 61-Jährige für die Lauschangriffe auf US-Bürger nach den Anschlägen des 11. September verantwortlich. Auch kam erst vor wenigen Tagen ans Licht, dass die NSA unter Hayden eine gewaltige Datenbank über Inlandstelefonate angelegt hatte. Einige Senatoren stehen Hayden auch deshalb kritisch gegenüber, weil sie keinen Militär an der Spitze der CIA wollen.

ler/AFP/dpa



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