Nach Kritik an Geheimdiensten Scheidender CIA-Direktor watscht Trump ab

Noch-CIA-Chef John Brennan hat Donald Trump aufgefordert, das Twittern zu unterlassen - der nationalen Sicherheit zuliebe. Der künftige US-Präsident habe keine Ahnung, welche Gefahr Russland darstelle.

Scheidender CIA-Direktor John Brennan
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Scheidender CIA-Direktor John Brennan


Der scheidende CIA-Direktor John Brennan geht den künftigen US-Präsidenten Donald Trump harsch an. Wenige Tage vor dessen Amtseinführung warnte Brennan den Republikaner in einem Interview mit dem Sender "Fox News" davor, zu viel über eine mögliche Lockerung der Sanktionen gegen Russland zu twittern oder zu reden.

Trump müsse beachten, was er sage - und stets die Konsequenzen bedenken. "Spontaneität ist nichts, was nationale Sicherheitsinteressen schützt." Es gehe nicht nur um die Person Trump. "Es geht um die Vereinigten Staaten von Amerika."

Der milliardenschwere Immobilienunternehmer, der Ende der Woche offiziell die Nachfolge von Barack Obama antritt, ist dafür bekannt, seine Kritiker öffentlich via Twitter anzuprangern. Zuletzt hatte er den US-Geheimdiensten vorgeworfen, Informationen zu kompromittierenden Dossiers gegen ihn gestreut zu haben. Er warf ihnen sogar Nazi-Methoden vor.

Brennan nannte diese Trump-Aussage ungeheuerlich. "Die Welt beobachtet genau, was Trump sagt und hört sehr aufmerksam zu. Wenn er seinen Geheimdiensten nicht vertraut, was für ein Signal sendet das an unsere Partner und Verbündeten und ebenso an unsere Widersacher?"

Neuer CIA-Direktor wird Mike Pompeo

Trump hatte öffentlich angezweifelt, dass Russland entgegen anderslautenden Erkenntnissen der US-Dienste hinter Hackerangriffen auf die Demokratische Partei stehen könnte. Er hat sich für die Verbesserung der Beziehungen zu Moskau ausgesprochen. In einem Interview mit dem "Wall Street Journal" erklärte er, er denke darüber nach, die Sanktionen gegen Russland zu lockern.

Designierter Nachfolger für den Posten des CIA-Direktors ist Mike Pompeo, der sich ebenso wie Brennan für einen harten Kurs gegenüber Moskau ausspricht - und damit völlig andere Töne anschlägt als sein künftiger Vorgesetzter Trump.

Russland habe ein aggressives Verhalten an den Tag gelegt, als es die ukrainische Krim annektiert habe, sagte der Republikaner bei seiner Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss des Senats. Es bestehe zudem kein Zweifel daran, dass Russland in Hackerangriffe während des US-Wahlkampfs verwickelt gewesen sei, mit dem Ziel, Einfluss auf die Präsidentschaftswahl zu nehmen

Pompeo war im Repräsentantenhaus im Geheimdienstausschuss tätig und erntete einst heftige Kritik für sein Statement, Waterboarding sei keine Folter. Er spricht sich für "die grundlegende Aufstockung von Amerikas Überwachungsfähigkeiten" aus und fordert, dass die NSA wieder unbegrenzt Metadaten sammeln dürfen soll.

ala/AP/Reuters

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Seite 1
sraab 15.01.2017
1. Zu schnell
Ich denke fast, das wurde zu schnell veröffentlicht! Oder sollte es keine Twitter-Antwort des Narzisten geben?
janne2109 15.01.2017
2. es nervt
es nervt wirklich sehr, immer wieder Trump und seine Aussagen, der Mann ist dumm, ganz einfach. Und das hat nichts mit seinem Reichtum zu tun. ich hoffe es werden sehr wenige Menschen in Washington zu Inauguration gehen.
barlog 15.01.2017
3.
Mir drängt sich der Eindruck auf, daß bei den Russen schon vor kurz nach der Wahl Trumps die Sektkorken geknallt haben, weil sie genau wissen, was es für die Durchsetzung ihrer Interessen bedeutet, so eine naive, undiplomatische und manipulierbare Figur auf dem US-amerikanischen Präsidentensessel zu wissen.
kajoter 15.01.2017
4. Frage der Zeit
Angesichts der Meldungen des DLF über Trump und dessen Nähe zu den als korrupt eingestuften FIFA-Funktionären und über seine rüden Methoden, einen schottischen Bauern zum Verkauf seines Hofes zu "überreden" - weil der den Blick vom Golfplatz auf die See ruiniere - angesichts seiner bisherigen Geschäftsgebaren und Umgangsformen, angesichts des Gesamtpakets "Trump" bin ich mir sicher, dass er nur ein kurzes Interregnum im Weißen Haus absolvieren wird. Und er wird als peinlichster Ausrutscher in die Geschichte der USA eingehen.
mediendienst 15.01.2017
5. Beleidigt und wütend, weil er gehen muss?
Wäre es ihm wirklich um die Inhalte gegangen, hätte er sie Trump persönlich präsentiert. Wenn ich jemanden zu etwas bringen will, versuche ich ihn nicht damit dazu zu bringen, in dem ich ihn in aller Öffentlichkeit abwatsche. Also mehr persönliche Gründe. Es wird Zeit dass diese Wenig-Leister gehen müssen. Denn wenn man bedenkt, wie viele Milliarden in die US-Dienste gesteckt werden und wie wenig sie dafür lieferten (von der Besetzung der Krim überrascht, vom Bürgerkrieg in Syrien, vom Eingreifen Russlands in Syrien, und und und), dann wird es Zeit, das Management endlich auszutauschen. In Würde kann er nicht gehen. Macht nichts. Hauptsache er wird gegangen.
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