CIA-Experte Irak-Krieg war großes Geschenk an Bin Laden

Nach Darstellung eines CIA-Analysten hat der Krieg gegen den Irak Osama bin Laden bei seinem Vorhaben geholfen, radikale Muslime zu Anschlägen gegen die USA aufzustacheln. Extremisten bekämpften Amerika nicht wegen seines Lebensstils, sondern wegen seiner Politik.

Washington - "Die letzten beiden Regierungen haben immer wieder betont, Bin Laden und Seinesgleichen wollten uns Freiheit und Demokratie rauben", sagte der anonyme CIA-Mitarbeiter in einem Gespräch mit der Agentur Reuters. "In Wirklichkeit hat das nichts mit dem zu tun, was sie vorhaben." Wenn das im Weißen Haus nicht vor dem Krieg bekannt gewesen sei, dann war das ein Fehler der Geheimdienste, sagte der Beamte.

Im Juli erscheint in den USA ein Buch des Analysten unter dem Titel: "Imperial Hubris: Why the West is Losing the War on Terror." Der Autor, von dem nur der Vorname Mike bekannt wurde, sagte, er habe das Buch nicht geschrieben, um Demokraten oder Republikaner zu kritisieren. Vielmehr wolle er der Öffentlichkeit klar machen, wie die US-Politik den Hass auf Amerika in der muslimischen Welt schüre. "Sie bekämpfen uns wegen unserer Politik und sie werden immer stärker und gewalttätiger, weil unsere Politik in der islamischen Welt so verabscheut wird", sagte er der Agentur.

Als Beispiele dieser Politik zählt der CIA-Beamte die US-Unterstützung für Israel, die Besetzung Afghanistans und des Irak, die Unterstützung Russlands, Indiens und Chinas im Kampf gegen militante Muslime und den Druck der Vereinigten Staaten auf arabische Ölfirmen, ihre Preise niedrig zu halten.

Irak-Angriff war neuer Affront für muslimische Welt

Es sei ein Fehler der Nachrichtendienste, wenn es ihnen nicht gelungen sei, dem Präsidenten klar zu machen, dass ein Angriff gegen den Irak mit seinen heiligen Stätten als erneuter Affront gegen die religiösen Werte der Muslime aufgefasst werden.

Der ehemalige Leiter der Abteilung, die mit der Verfolgung von Bin Laden zuständig ist, schätzt die Chancen für eine Ergreifung des Terrorchefs gering ein: "Es wäre großes Glück, wenn uns das gelingen würde. Bin Laden versteckt sich in Afghanistan. Er kann sich geschickt im Land bewegen und wir haben nur eine sehr kleine Streitmacht dort."

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