CIA-Fall Journalisten sollen Informanten preisgeben

Zwei amerikanische Journalisten sollen gesetzeswidrig den Namen einer CIA-Beamtin veröffentlicht haben, deren Mann US-Präsident Bush öffentlich kritisiert hatte. Jetzt will ein US-Gericht sie zwingen, ihre Informationsquellen preiszugeben.


Washington - Drei Richter eines Washingtoner Berufungsgerichts bestätigten am Dienstag das gleich lautende Urteil einer niedrigeren Instanz. Der Anwalt der Reporter kündigte an, er werde sich nunmehr an alle neun Richter des Berufungsgerichts wenden, um im Namen der Pressefreiheit eine Umkehr der Entscheidung zu erreichen.

Die Veröffentlichung des Namens von CIA-Beamten kann nach amerikanischem Recht strafbar sein. Im konkreten Fall erschien der Name der Geheimdienst-Mitarbeiterin Valerie Plame in einem Zeitungsartikel. Zuvor hatte ihr Mann öffentlich Kritik an der Aussage von US-Präsident George W. Bush geübt, wonach der Irak versucht haben soll, in Niger Uran einzukaufen. Die Veröffentlichung des Namens von Plame in einem anderen Zusammenhang wurde daraufhin als möglicher Racheakt des Weißen Hauses gewertet.

Die angeklagten Journalisten, Matthew Cooper vom Magazin "Time" und Judith Miller von der "New York Times", hatten sich beide mit dem Fall befasst und dabei offensichtlich weitere Insider-Informationen erhalten. Cooper gab im letzten Jahr zu, sich einmal mit Lewis Libby, dem Stabschef von US-Vizepräsident Dick Cheney, unterhalten zu haben. Weitere Quellen nannte er aber nicht. Millers Bericht wurde nie veröffentlicht, dennoch verlangten die Richter auch von ihr die Preisgabe von Namen. Sollten die beiden Journalisten dieser Aufforderung weiterhin nicht nachkommen, droht ihnen eine Haftstrafe von bis zu 18 Monaten.



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