CIA-Gefangenentransporte USA gibt Geheimflüge zu

Wie oft ist die CIA mit Gefangenen an Bord über Europa geflogen? Waren es zehn Flüge, 100 oder gar 1000 und mehr? Keine dieser Zahlen stimmt, sagte jetzt John Bellinger, der Rechtsberater der US-Außenministerin Rice.


Washington - Es habe vielleicht zwei, drei oder vier Flüge mit CIA-Gefangenen an Bord über Europa gegeben, sagte der Rechtsberater von Rice, alle anderen Berichte seien übertrieben. Für Anschuldigungen, nach denen es viel mehr Flüge mit Gefangenen gebeben habe, sah Bellinger keine Anhaltspunkte.

Ex-CIA-Gefangener Khaled el Masri: "Wir können die Anschuldigungen nicht kommentieren"
DPA

Ex-CIA-Gefangener Khaled el Masri: "Wir können die Anschuldigungen nicht kommentieren"

Ein Untersuchungsausschuss des Europaparlaments stellte im April auf der Grundlage von Daten der europäischen Flugsicherung fest, dass der Geheimdienst CIA seit 2001 mehr als 1000 Mal unangemeldet über europäisches Territorium hinweggeflogen sei. Allerdings blieb offen, in wie vielen Fällen Gefangene an Bord gewesen sein könnten.

Zu Berichten über CIA-Geheimgefängnisse in Europa wollte sich Bellinger nicht äußern. "So gern wir diese Vorwürfe dementieren würden, wir sind bedauerlicherweise zu dem Schluss gekommen, dass wir spezifische Anschuldigungen nicht kommentieren können", sagte Bellinger in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" wirft der CIA vor, in den Jahren 2001 bis 2004 in Afghanistan festgenommene Terrorverdächtige nach Polen und Rumänien verschleppt zu haben.

Der deutsche Vizevorsitzende der EU-Delegation, Cem Özdemir, erklärte am Mittwoch, schon ein geheimer Häftlingstransport sei zu viel. Belegt ist der Fall des Deutsch-Libanesen Khaled el Masri. US-Regierungsvertreter haben eingeräumt, dass El Masri Ende 2003 von der CIA in Mazedonien entführt und nach Afghanistan gebracht wurde. Die italienische Justiz hat zudem Haftbefehle gegen 22 mutmaßliche CIA-Agenten ausgestellt, die an der Entführung eines radikalen ägyptischen Imams beteiligt gewesen sein sollen.

bri/APD



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