CIA Geheimdienstchef lässt Nestbeschmutzer überwachen

Die CIA geriet zuletzt wegen neuer Foltervorwürfe in die Schlagzeilen - nun reicht es Geheimdienst-Chef Hayden: US-Medienberichten zufolge lässt er gegen den Mann ermitteln, der die Behörde überwachen soll. Offenbar ist der zu kritisch.


Hamburg/Washington - Geheimdienstchef Michael Hayden hat nach übereinstimmenden Berichten von "New York Times" und "Los Angeles Times" eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die das Verhalten des obersten CIA-Aufpassers beleuchten soll. Demnach sind Hayden die Berichte von Generalinspekteur John Helgerson über Fehlverhalten des Geheimdienstes zu kritisch gewesen.

CIA-Hauptquartier: Untersuchungen gegen den Nestbeschmutzer
DPA

CIA-Hauptquartier: Untersuchungen gegen den Nestbeschmutzer

Helgerson hat einiges an der Arbeit der CIA auszusetzen - vor und nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Zuletzt hatte der Generalinspekteur die Behandlung von Gefangenen durch die CIA kritisiert. Laut "NYT" hat das Justizministerium allerdings in einem geheimen Memorandum 2005 ausdrücklich Gewaltanwendung bei Verhören in CIA-Gefängnissen gebilligt, darunter auch Schläge. Präsident George W. Bush verteidigte die Aktionen ebenfalls.

Helgersons Kritik ist grundsätzlicher Art: In einem Bericht aus dem August beklagte er, dass Haydens Vorgänger als CIA-Chef, George Tenet, niemals eine klare Strategie gegen die Bedrohung durch das Terror-Netzwerk al-Qaida entworfen hatte. Deshalb sei es Tenet und anderen CIA-Topleuten auch nicht gelungen, vor den Anschlägen im September 2001 zwei der Attentäter zu stoppen.

Laut "New York Times" und "Los Angeles Times" versucht CIA-Chef Hayden nun, den aus seiner Sicht zu forschen Aufpasser mundtot zu machen. Die Zeitungen berufen sich dabei auf anonyme Quellen in der Behörde.

Die CIA gibt sich bisher zurückhaltend - und versucht, die Vorwürfe herunterzuspielen. In einer ersten Reaktion sagte ein Sprecher des Geheimdienstes, Hayden vertraue der Arbeit des Generalinspekteurs. "Direktor Hayden hat, seitdem er die Verantwortung für die CIA übernommen hat, die große Mehrheit der Berichte (von Helgerson/d. Red.) akzeptiert. Sein einziges Ziel ist es, dem Büro zu helfen, wie jedem anderen Büro in der Behörde."

Nur aus diesem Grund, so die CIA-Argumentation, werde Helgersons Arbeit nun unter die Lupe genommen. "Deshalb haben wir einen erfahrenen Beobachter wie Bob Deitz gebeten, einen Blick auf das Büro des Generalinspekteurs zu werfen und, falls es nötig ist, der Einheit bestimmte Verbesserungen vorzuschlagen", sagte der Sprecher weiter. Deitz war lange Zeit Berater von Hayden als Chef des Geheimdienstes NSA und berät ihn nun in seiner neuen Aufgabe.

Den Zeitungsberichten zufolge bezieht sich der Auftrag auf interne Beschwerden, wonach Helgerson nicht unbefangen agiere. Natürlich hatte auch für Aufruhr gesorgt, dass der CIA-Aufpasser Teilen des Geheimdienstes die Verantwortung für Folter zuweist.

flo/AP



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