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17. Dezember 2010, 19:09 Uhr

CIA unter Druck

US-Spitzenagent muss aus Pakistan fliehen

Er wurde durch einen Gerichtsprozess enttarnt, bekam Todesdrohungen - jetzt müssen die USA ihren Chefspion aus Pakistan abziehen. Der Kampf gegen al-Qaida in dem Land wird erschwert. Bei US-Drohenangriffen wurden mehr als 50 Menschen getötet.

Washington - Der US-Auslandsgeheimdienst CIA hat nach Angaben von US-Vertretern seinen Top-Spion in Pakistan wegen Todesdrohungen abgezogen. Der ungewöhnliche Schritt wird den Kampf gegen das Terrornetzwerk al-Qaida für die USA weiter erschweren.

Anfang des Monats war der Mann namentlich in einem Prozess angeklagt worden, in dem es um die Tötung von Zivilisten durch Drohnen ging. Damit war seine Tarnung aufgeflogen. US-Vertreter berichten, dies habe zu Drohungen gegen seine Person geführt.

Die CIA wollte den Vorgang offiziell nicht kommentieren. Der in der Hauptstadt Islamabad stationierte Leiter erfüllt die Aufgabe eines Geheimgenerals im Anti-Terror-Kampf der USA. Dazu gehört unter anderem die Tötung von Terroristen durch Drohnenangriffe sowie die Zusammenarbeit mit dem pakistanischen Geheimdienst.

Die CIA hält sich zugute, durch die Drohnenangriffe hochrangige Extremisten getötet zu haben. Gleichzeitig wurden in Pakistan aber Vorwürfe laut, dass Unschuldige ums Leben kamen. Die USA bestätigen die Raketenangriffe offiziell nicht, obwohl es allein in diesem Jahr mehr als hundert gab - mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.

Auch am Freitag kam es wieder zu den Amerikanern zugeschriebenen Drohnenangriffen. Dabei sind nach Angaben aus Geheimdienst- und Regierungskreisen 54 mutmaßliche Extremisten ums Leben gekommen. Die Ziele hätten sich in zwei Dörfern im Tal Tirah in der Region Khyber befunden, einem Gebiet, das bislang von derartigen Attacken weitgehend verschont geblieben sei, sagten Offiziere des pakistanischen Nachrichtendienstes. Unter den Getöteten sollen sich auch hochrangige Führer der Terrororganisation Lashkar-i-Islam befunden haben.

Blutige Attacken der Taliban

In Pakistans nordwestlicher Region starben indes neun Zivilisten, als Taliban-Kämpfer vier Mörsergranaten auf Wohnhäuser abfeuerten. Unter den Toten seien zwei Kinder und zwei Frauen, sagte ein Polizeisprecher. Die Mörsergranaten seien von Taliban-Stellungen in den nahe gelegenen Hügeln abgeschossen worden.

Ziel sei ein vor allem von Angehörigen der schiitischen Minderheit bewohntes Gebiet im Distrikt Hangu gewesen. Bei einem Vergeltungsschlag wenige Stunden später griffen Kampfhubschrauber Taliban-Stellungen in der Region Hangu an. Aus Sicherheitskreisen hieß es, zehn Aufständische seien getötet worden.

Der Nordwesten des Landes, der wegen des bergigen Geländes und der Stammesstrukturen von der Regierung in Islamabad nur schwer zu kontrollieren ist, dient Aufständischen aus Pakistan und dem benachbarten Afghanistan als Unterschlupf. US-Präsident Barack Obama hatte Pakistans Regierung am Donnerstag zu einem verstärkten Kampf gegen den Terror in dem Land aufgefordert.

US-Generalstabschef Mike Mullen zeigte sich am Freitag zuversichtlich, dass die pakistanischen Streitkräfte Taliban-Verstecke in ihrem Land schließen und so Aufständische vom Übertreten der durchlässigen Grenze zu Afghanistan abhalten können. "Ich denke, es ist sehr gut möglich, dass die pakistanischen Streitkräfte dieses Ziel erreichen werden", so Mullen in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Bestärkt in dieser Ansicht habe ihn das, was Pakistan bisher bei seiner Suche nach Aufständischen geleistet habe.

sef/dapd/AFP/dpa

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